Sie wollen Flüchtlingen helfen, sich zurechtzufinden

mfs

Von mfs

Fr, 30. Mai 2014

Efringen-Kirchen

Der Arbeitskreis "Mitenand" heißt nun "Fürenander", hat aber immer noch dieselben Ziele und erfreut sich steigenden Interesses.

EFRINGEN-KIRCHEN (mfs). Bürger aus der Gemeinde Efringen-Kirchen bereiten sich auf die Ankunft der Flüchtlinge vor, die ab Spätsommer oder Herbst in der Gemeinschaftsunterkunft auf der ehemaligen Katzenbergbaustelle untergebracht werden. Mit einer offenen und herzlichen Willkommenskultur möchte man die Asylbewerber empfangen.

Und es werden immer mehr Einwohner, die den Flüchtlingen nach ihrer Ankunft im Reblanddorf helfen wollen, sich zurechtzufinden. Kamen bei einem ersten Treffen noch ein Dutzend Interessierte, so waren es am Dienstagabend mehr als 30 Bürger, die der Einladung des "Arbeitskreis Mitenand" folgten und einen neuen Namen für das Bündnis von Kirchen, Parteien und engagierten Einwohnern suchen mussten. Der seit Jahren in Lörrach existierende "Arbeitskreis Miteinander" bat um eine Namensänderung, um Verwechslungen vorzubeugen. Nach kurzer Diskussion benannte man sich in "Arbeitskreis Fürenander" – wieder in alemannischer Schreibweise – um.

Ideen, wie man die Flüchtlinge unterstützen kann, gibt es viele: Bei Behördengängen begleiten, Amtspost übersetzen, Hausaufgabenhilfe, spielerische Kinderbetreuung, Deutschkurse für die Erwachsenen, Fahrräder organisieren, Ausflüge in die Umgebung unternehmen oder gemeinsamer Feste veranstalten.

Aber auch Grenzen wurden deutlich. Nachdem behördliche Missstände im Rheinfelder Flüchtlingsheim angesprochen wurden, stellte eine Bürgerin klar, dass der Arbeitskreis das Landratsamt und die grün-rote Landesregierung nicht aus der Verantwortung entlassen dürfe. Eine menschenwürdige Unterbringung und die Basisversorgung müssten staatliche Stellen leisten. Doch daran mangelt es derzeit wohl in Einzelfällen in Rheinfelden. Fünf Männer müssen dort in einem Zimmer leben, ebenso eine fünfköpfige Familie, berichtete Sabina Grether vom Rheinfelder Freundeskreis Asyl. Das sind weniger als drei Quadratmeter Lebensraum pro Person, während "einem Hartz-IV-Empfänger 45 Quadratmeter und jeder weiteren Person in der gleichen Wohnung weitere 15 Quadratmeter zustehen", empörte sich eine Bürgerin. Man sieht sich wohl durchaus als Anwalt der Flüchtlinge und möchte die Behörden nicht aus der Verantwortung nehmen, wie mehrere Teilnehmer klarstellten. Als ein potenziell konfliktbehafteter Partner taugt das Landratsamt wohl dennoch nicht: "Da tut sich im Moment einiges, dort öffnet man sich und wir haben eine sehr gute Zusammenarbeit", berichtete Lea Brändlin vom Rheinfelder Freundeskreis Asyl.

Deutlich wurde an diesem Abend, dass die Behörden vor einer großen Herausforderung stehen. Im Landkreis fehle es an Plätzen für die große Anzahl von Flüchtlingen, gerade für Jugendliche, die sich ohne Eltern auf den Weg in die Fremde aufmachten. Diakon Roy Paraiso appellierte eindringlich an hiesige Familien, bei der Aufnahme von elternlosen Flüchtlingen zu helfen, die nach dem Jugendhilfegesetz nicht in Gemeinschaftsunterkünfte untergebracht werden dürfen.

In den nächsten Wochen will man nun zwei Besichtigungstermine im Rheinfelder Flüchtlingsheim organisieren, an einer Homepage basteln. Ein Fest würde man gerne noch im Spätsommer oder Herbst auf die Beine stellen. Das nächste Treffen soll in rund vier Wochen stattfinden. Dann hofft man, dass erstmals auch von der Gemeindeverwaltung jemand vorbeischaut.