Summe der Risiken ist unbeherrschbar

Ulrich Senf

Von Ulrich Senf

Sa, 08. September 2018

Efringen-Kirchen

Gemeinde fordert eine Brandwand von der Firma Kühl hin zur Bahn / Bürgermeister Schmid sucht das Gespräch mit den Beteiligten.

EFRINGEN-KIRCHEN. Der Brand bei der Firma Kühl wird ein Nachspiel haben, das hatte Bürgermeister Philipp Schmid bereits unmittelbar nach dem Unglück erklärt. Am Freitag nun fand das erste Gespräch mit den Genehmigungsbehörden im Landratsamt statt, in dem Schmid die Erwartungen der Gemeinde klar formuliert hat: Eine neue immissionsschutzrechtliche und brandschutzrechtliche Bewertung des Betriebs am Rande des Wohngebietes sei ebenso nötig, wie eine Brandmauer hin zur Bahn.

"Wir haben es hier mit einer ganz besonderen Gemengelage zu tun", erklärt Schmid und hat dabei die Bahn, die trotz aller Proteste der Gemeinde nach wie vor regelmäßig Güterzüge im Bereich des Efringen-Kirchener Bahnhofs, unmittelbar neben dem Areal der Recyclingfirma abstellt, ebenso im Blick, wie die Firma Kühl selbst, aber auch die ZG Zentralgenossenschaft, die ganz erhebliche Mengen an Düngemittel lagert.

"Jeder dieser Betriebe stellt für sich schon ein gewisses Risiko dar, aber in der Summe ist es etwas, was kaum noch beherrschbar ist", erklärt Schmid die besondere Situation und fordert, dass diese in der brandschutzrechtlichen Bewertung in jedem Fall eine Rolle spielen müsse. Im Gespräch mit den Vertretern des Landratsamts wurde Einigkeit darüber erzielt, dass "insbesondere die brand- und immissionsschutzrechtlichen Aspekte vertieft zu prüfen sind".

Um kurzfristig zumindest ein Übergreifen eines Brandes auf abgestellte Güterzüge, die allzu oft auch Gefahrgut transportieren, verhindern zu können, regte Schmid an, dass in jedem Fall eine Mauer gebaut wird, die so hoch und stabil ist, dass sie ein Ausbreiten eines Feuers verhindern kann.

Nächster Schritt ist nun ein Gespräch aller Beteiligten mit der Firma Kühl. Ziel sei es, ein umfassendes Bild der Sach- und Rechtslage zu erhalten, um hieraus die Ableitungen und Anforderungen für die Zukunft des Firmenstandortes in Efringen-Kirchen zu entwickeln.

Für Spekulationen über eine Auslagerung des Betriebs, etwa an den Standort Vollenberg Ost, ist es für Schmid noch viel zu früh. "Da müssen wir zuerst wissen, ob das rechtlich überhaupt möglich ist, ob die Firma da mitzieht und nicht zuletzt, ob es dort nicht schon andere Pläne gibt", dämpft er die Erwartungen. Eigentümerin des Geländes in Kleinkems ist nicht die Gemeinde, sondern die GeG. Gleichwohl stellt Schmid klar: "Sollte sich das als möglich erweisen, wäre ich der Letzte, der da Steine in den Weg legt."