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24. April 2013 09:00 Uhr

Katzenbergtunnel

Fahren wieder mehr Güterzüge auf der Altstrecke?

In Efringen-Kirchen haben die Anwohner den Eindruck, dass es mit der schönen Ruhe nach der Tunnelöffnung vorbei ist. Die Bahn klärt auf: Für Verkehrsunternehmen ist die Trassenwahl frei.

  1. Nicht nur Hupac-Züge, sondern auch sonstige Güterzüge werden zur Zeit wieder vermehrt von Anwohnern auf der Altstrecke der Rheintalbahn beobachtet. Unser Archivbild entstand in Istein. Foto: langelott

"Ist es der Allgemeinheit aufgefallen, dass viele Güterzüge wieder über die alte Rheintalstrecke fahren?", wollte Irmtraud Töppler (SPD) am Montag im Gemeinderat Efringen-Kirchen von ihren Ratskollegen wissen. Von mehreren Seiten kam bestätigendes Nicken. In der Tat wird dies seit einigen Wochen von Anwohnern in Dörfern entlang der alten Strecke bemerkt. Es scheint vorbei mit der himmlischen Ruhe, die im Dezember kurz nach der Eröffnung des Katzenbergtunnels herrschte.

"Istein feiert die neue Ruhe", titelte die Badische Zeitung am 11. Dezember, zwei Tage nach der Eröffnung des Katzenbergtunnels, von dem man sich eine Entlastung vom Güterzugverkehr gewünscht und sie auch bekommen hatte. Doch seit einigen Wochen rätselt mancher Isteiner, unter ihnen auch Ortsvorsteher Franz Kiefer, was denn der Grund dafür sein könnte, dass mehr und mehr Güterzüge wieder auf der alten Strecke zu hören und sehen sind.

Irmgard Makowsky, die mit ihrem Mann Heinz seit fast 50 Jahren im Isteiner Bahnwärterhaus unmittelbar an den Gleisen wohnt, bestätigte im Gespräch mit der BZ: "Es fahren tatsächlich wieder mehr Güterzüge". Zwar nicht so viele wie vor dem Tunnelbau, hält sie fest, doch deutlich mehr als kurz nach der Inbetriebnahme des Tunnels. Gesprächsstoff bot der augenscheinlich wiederauflebende Güterzugverkehr am Sonntag auch am Rande der Veranstaltung des Reit- und Fahrvereins in Sichtweite der Rheintalbahn in Kleinkems. Ein Besucher, der sich dort etwas mehr als eine Stunde am Nachmittag aufhielt, zählte gleich drei Güterzüge, einer davon freilich von der Rollenden Landstraße, die derzeit noch nicht durch den Tunnel geleitet werden kann.

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Doch was ist der Grund für den verstärkten Verkehr? Unter Anwohnern wird schon heftig spekuliert: Ist die Tunneltechnik ab und zu defekt? Nein, versichert der Sprecher der DB Netz, die Tunneltechnik funktioniere. Doch wieso fahren dann mehr Güterzüge über die Altstrecke? Dazu holt der Bahnsprecher zu einer längeren Erklärung über die Unwägbarkeiten des Güterverkehrs aus. Es gebe dafür keinen Fahrplan wie beim Personenverkehr, der Güterzugverkehr unterliege starken Schwankungen – je nach Bedarf der zugbestellenden Firmen, manchmal auch je nachdem, ob der Wasserstand auf dem Rhein Güterschiffe erlaube oder nicht.

Doch hatte die Bahn bei Tunneleröffnung nicht versprochen, dass nachts keine Güterzüge über die Altstrecke und tags nur fünf Güterzüge fahren und nicht mehr? "Nein, nicht ganz", korrigiert der Sprecher der DB Netz. Es sei richtig, dass man von fünf Güterzügen auf der Altstrecke gesprochen habe, dies seien die fest Eingeplanten. Man müsse aber darüber hinaus selbstverständlich mit Zusatzbestellungen rechnen, die dann möglicherweise im Tunnel keinen Platz mehr haben. Zu berücksichtigen sei auch, dass jedes Verkehrsunternehmen die alte Trasse bestellen könne.

Grundsätzlich, so erinnert der Bahnsprecher, müsse man wissen, dass es europäisches Recht sei, den Verkehrsunternehmen vorhandene Trassen ohne Unterschied zur Verfügung stellen zu müssen. Wünsche ein Eisenbahnverkehrsunternehmen die Durchfahrt auf der alten Trasse, könne die DB Netz dies nicht verbieten. Warum es für ein Unternehmen interessant sein könnte, die alte Strecke zu verlangen, während der Tunnel frei sei, konnte er nicht sagen. Die Frage, sagt er, ob es nur der Mehrpreis von etwa 15 Euro sei, der Firmen von der Tunneltrasse Abstand nehmen lasse, könnten nur die Unternehmen selbst beantworten.

Mit Zugzahlen unterfüttern kann die DB Netz den derzeitigen Güterverkehr auf der Altstrecke im Übrigen nicht. Angesichts unzähliger Güterzüge auf zahllosen Streckenabschnitten täglich in Deutschland sei es unmöglich, meint der DB-Netz-Sprecher, die Zahl der Durchfahrten für einen bestimmten Tag auf einer einzelnen Strecke in Erfahrung zu bringen. Auf die Frage, ob man sich dann selbst einen Tag lang an die Bahnlinie stellen müsse, um die Zahl zu ermitteln, widerspricht er nicht.

Einer, der bereits Daten sammelt, ist Albert Schmidt, Ingenieur aus Lörrach und bekannt als "Vater des Katzenbergtunnels". Gemeinderätin Töppler informierte im Gemeinderat Efringen-Kirchen über dessen Aktivitäten und bat Ratskollegen, Verwaltung und Bürger darum, Schmidt alle Beobachtungen zu melden, die er bündeln wolle. "Man hat das Gefühl, man wird verschaukelt", fand Töppler. Bürgermeister Fürstenberger versprach, Albert Schmidt zu informieren. Er teilte zudem mit, dass die Gemeinde in dieser Sache bereits an die Bahn geschrieben habe.

Autor: Victoria Langelott