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28. April 2010

Der Ruf nach Zugaben wurde erhört

Doppelkonzert von Musikverein Offnadingen und Trachtenkapelle St. Ulrich im Offnadinger Gemeindehaus.

  1. Geehrt mit dem goldenen Ehrenzeichen des Bundes Deutscher Blasmusikverbände wurden (von links) Christoph Kunz, Eckhart Gysler und Richard Stoll. Foto: Silvia Faller

EHRENKIRCHEN. Der Besuch des Doppelkonzerts von Musikverein Offnadingen und Trachtenkapelle St. Ulrich im Offnadinger Gemeindehaus hat sich gelohnt. Dem Applaus nach zu schließen hätten die Zuhörer noch gerne mehr gehört von den Musikerinnen und Musikern aus Offnadingen und St. Ulrich, die den zweiten Konzertteil bestritten hatten. Selbst nach der Zugabe ließen die Konzertgäste nicht ab und forderten mit skandierendem Klatschen und Rufen ein weiteres Stück ein.

Das Orchester des Musikvereins Offnadingen mit fast 50 Mitgliedern stellte ein mächtiges Klangvolumen im Gemeindesaal dar. Herausgegriffen sei das Auftaktstück, die speziell für Blasorchester komponierte, technisch recht anspruchsvolle sowie rhythmisch und melodisch abwechslungsreiche "Algona Ouvertüre", die die Siedlungsgeschichte des US-amerikanischen Städtchens Algona im Staate Iowa erzählt. Offensichtlich ging es in der 150-jährigen Entwicklung dieses Ortes nicht immer friedlich zu.

Bemerkenswert war der Soloauftritt der Flötistinnen Andrea Kunz, Annkatrin Mantel und Silvana Stoll mit dem Stück "Flutes Forever" und von großem Unterhaltungwert der Gesangsbeitrag von Daniela Beck, der Tochter des Dirigenten Oskar Burgert, mit dem Song "The Rose" von Amanda Mc Brown. Es war klar, dass auch der Musikverein Offnadingen nicht ohne Zugabe von der Bühne abtreten konnte, zumal als Finalstück ein Verschnitt hinreißender Kompositionen von Bert Kaempfert geboten war. Zuckrige Flügelhorntöne dominierten überaus treffend das Motiv von "African Safari", die Saxophonisten schmachteten bei "Strangers in the Night" und die Tenorhornisten brillierten bei "Sweet Caroline", mit dem die Orchesterbearbeitung ausklang, wobei letztlich das gesamte Klangvolumen zum Ausdruck kam – was die Konzertbesucher mit Applaus belohnten.

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Was der St. Ulricher Dirigent Michael Stecher nach dem Auftritt seiner Musiker als wirkliches Finale mit den Worten "St. Ulrich spezial!" ankündigte war eine Polka, denn die Trachtenkapelle St. Ulrich ist bekannt für eine außergewöhnlich lebendige und gefühlvolle Interpretation dieses traditionellen Blasmusikgenres. Diese Bewertung gilt auch für weitere Stücke im Programm, etwa für die dreisätzige "First Suite in ES" des britischen Komponisten Gustav Holst. Erst leicht, dann gravitätisch schreitend, dann wieder tänzerisch verspielt ließen die Musikerinnen und Musiker aus St. Ulrich das Motiv im ersten Satz, der in der Form der Chaconne und damit als höfischer Tanz aus dem Spanien des 16. Jahrhunderts daherkam, durch das Orchester purzeln, begeisterten kaum weniger mit einem erst frisch-heiter gesetzten, dann wieder melancholischen Intermezzo (Zwischenspiel) und einem fröhlichen Marsch als letztem Satz.

"Ins Herz" wollten sie ihre Zuhörer treffen, sagte die Klarinettistin Monika Steiert in einer kurzen Moderation gleich nach dem Auftaktstück "Fanfare and Flourishes". Das war dem Orchester auch gelungen, mit einer tonalen Reinheit, die ihres gleichen sucht, mit einer technischen Perfektion, womit selbst die schwierigsten Stellen scheinbar mühelos überschritten werden und einer spürbar intensiven Beziehung zwischen dem Dirigenten und den rund 35 Musikern. Auch ist das Klangbild der St. Ulricher besonders: In den mittleren und tiefen Lagen ertönen keine Saxophonklänge, was in Musikvereinen sonst allgemein üblich ist. Bemerkenswert ist auch die Platzierung der Waldhornisten auf vorderen und die der akustisch markanteren Trompeter auf hinteren Rängen im Orchesterrund, bewirken doch die Klänge des Horns eine weiche, die Seele regelrecht umschmeichelnde Grundtönung.



Ehrung: Goldenes Ehrenzeichen des Bundes Deutscher Blasmusikverbände: Christoph Kunz, Eckhart Gysler und Richard Stoll für 40 Jahre Mitgliedschaft im Verein. Das silberne Ehrenzeichen für 25 Jahre Mitgliedschaft ging an Annette Spies, Petra und Michael Strub und Sebastian Fehr.

Autor: Silvia Faller