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23. September 2017

Erst Jubiläum, dann neuer Dorfplatz

Offnadinger stellen im Rat Ehrenkirchen ihre Pläne für die Neugestaltung der Ortsmitte vor / Gremium reagiert positiv.

  1. Ihren Dorfplatz zwischen Kirche (oben links), Rathaus und Gemeindehaus (rechts) wollen die Offnadinger zum Treffpunkt für die Bürger umgestalten. Foto: Michael Saurer

EHRENKIRCHEN. Sie saßen in großer Zahl im Zuschauerraum, gespannt und in freudiger Erwartung. Anderthalb Stunden später war die Stimmung bei rund 50 Bürgern aus Offnadingen dann beim Verlassen des Saales doch etwas gedämpft. Der Gemeinderat hatte zwar das Engagement der Bürger gelobt, ihr Ansinnen, den Dorfplatz neu zu gestalten, auch grundsätzlich befürwortet, aber zum erhofften Zeitpunkt, dem Fest zum 100-jährigen Bestehen des Musikvereins 2019, wird es wohl nichts werden mit dem neuen Platz.

"Die Offnadinger wissen, wie sie ihre Leute mobilisieren," so Bürgermeister Thomas Breig angesichts der vollen Zuschauerreihen. Das gilt aber nicht nur für die Anwesenheit im Gemeinderat, das gilt auch für das Engagement der Bürger im Ortsteil selbst. Dies war denn auch Thema im Rat. Vorgestellt wurde nämlich zunächst von Architekt Richard Stoll, der selbst in Offnadingen wohnt, und dem Vorsitzenden des in diesem Jahr gegründeten Dorfvereins, Markus Spies, was die Offnadinger in vier Workshops einer Planungswerkstatt an Ideen für die Neugestaltung ihres Dorfplatzes zusammengetragen haben (die BZ berichtete). Rund 50 Bürger, Jung und Alt, neu im Ort und alteingesessen, Männer wie Frauen hatten sich beteiligt.

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"Unser Dorfplatz ist der Mittelpunkt des Ortes, sein Herz – aber mit dem Charme der 70er Jahre." Daran soll sich etwas ändern, erklärte Offnadingens Ortsvorsteher Sebastian Fehr im Gremium. Das sei auch keine neue Idee, sondern bereits seit der Sanierung des Kirchplatzes im Jahr 2000 immer wieder Dorfgespräch. Man habe aber nicht nur mit Forderungen an die Gemeinde herantreten wollen, so Fehr, sondern selber in Vorleistung treten und eigene Ideen in einer Planungswerkstatt entwickeln wollen. Diese nannte Architekt Richard Stoll, der den Planungsprozess ehrenamtlich begleitet hat, als einen ganz besonderen, "einmaligen" Weg, auf dem die Bürgernähe spürbar geworden sei.

Das gilt auch für die Finanzierung. Natürlich hofften die Offnadinger auf finanzielle Unterstützung der Gemeinde. Sie seien aber auch selbst auf der Suche nach Fördertöpfen, die angezapft werden könnten. Und sie haben einen Dorfverein gegründet, der sich langfristig vielen Themen im Ortsteil widmen möchte, zunächst aber die Umsetzung der Dorfplatzneugestaltung und dessen Finanzierung in den Mittelpunkt seines Wirkens stellen will, so dessen Vorsitzender Markus Spies. Später will sich der Verein auch darum kümmern, dass der Platz mit Veranstaltungen oder regelmäßigen Angeboten auch mit Leben erfüllt wird.

Ein vierstelliger Betrag an Spendengeldern und Mitgliedsbeiträgen liege bereits auf dem Vereinskonto, so Markus Spies, das weiter gefüllt werden soll durch Veranstaltungen wie etwa dem Dorfcafé unter der Linde, das im Sommer viele Besucher aus dem Ort und den Nachbargemeinden angezogen hat.

Mehrere Bereiche auf 2000 Quadratmeter Fläche

Rund 2000 Quadratmeter misst der Platz zwischen Kirche und Gemeindehaus, der heute durch unterschiedlichen Belag und ungeordnetes Parken von Fahrzeugen einen wenig einladenden Eindruck macht und daher als Treffpunkt für die Bürger weitgehend ungenutzt bleibt. Zu den Ideen, die die Bürger nach zahlreichen Vorstufen letztlich in einem Entwurf zusammengefasst haben, gehört die Aufteilung des Platzes in mehrere Bereiche.

Es soll keine einheitlich zugepflasterte Fläche entstehen, sondern ein eher schattiger Bereich um die Linde mit Sitzgelegenheiten und möglicherweise einer Bühne. An der sonnigen Seite am Gemeindehaus soll es eine Nutzung als Café oder Eisdiele geben können, die Parkflächen sollen geordnet und eingegrünt und die Verbindungsachse zwischen Gasthaus Adler, Kirche, Rathaus und Mühle durch eine Art Themenweg oder durch eine eigene Gestaltung hervorgehoben werden. Außerdem soll der Bereich hinter der Kirche aufgewertet werden.

Auch das Wasser, so der einhellige Wunsch der Teilnehmer an der Planungswerkstatt, soll eine größere Rolle spielen als derzeit durch den Brunnen. Dass sich durch Wasser die Anziehungskraft eines Platzes deutlich erhöhen lässt, zeige das Beispiel Wentzingerplatz in Ehrenstetten mit den Sitzgelegenheiten an der Möhlin. Alles Ideen, auf die wieder im Rahmen einer Planungswerkstatt eine Detailplanung folgen soll – vorausgesetzt, der Gemeinderat signalisiert, dass das Projekt zeitnah auch umgesetzt werden kann.

Zeitnah, das hätte aus Sicht vieler Offnadinger bedeutet, dass der Platz rechtzeitig zum Jubiläum des Musikvereins im September 2019 fertig ist. Ein zu ehrgeiziger Plan, war letztlich die Meinung des Gemeinderates. Zu ehrgeizig deshalb, weil es nicht nur um die Platzoberfläche, sondern auch um die Kanäle darunter geht, die zunächst untersucht und im Rahmen der Neugestaltung des Platzes vermutlich erneuert oder saniert werden müssen. Das Risiko, dass die Planungs- und Bauarbeiten nicht rechtzeitig vor dem Jubiläum abgeschlossen sind und das Fest am Ende auf einer Baustelle stattfinden müsste, sei zu groß.

Das heißt aber nicht, dass der Rat das Projekt ablehnt oder auf die lange Bank schieben möchte. Im Gegenteil: Es gab im Gremium viel Lob für das Engagement der Bürger. Klar wurde auch, dass die Motivation der Menschen nicht durch eine zu große Geduldsprobe geschmälert werden soll. Daher war Konsens, dass trotz anderer kostenintensiver Projekte (Schule und Sportplätze) nach dem Jubiläum im Herbst 2019 mit der Umsetzung begonnen werden soll; dass bis dahin klar sein soll, wie der Untergrund des Platzes aussieht und was für Arbeiten dort erforderlich sind.

Bereits begonnen werden soll mit der Neusortierung der Parkflächen, und falls Kosten und Planung es erlauben, könne mit dem Umbau des ehemaligen Sparkassenraumes zum Café früher begonnen werden.

Autor: Andrea Gallien