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23. Mai 2011
Hilfe zur Selbsthilfe im Senegal
Der Ehrenkirchener Verein Imagine Nord-Süd baut in Kaolack ein Sozial- und Bildungszentrum / Das erste Gebäude ist fertig.
EHRENKIRCHEN. "Im Senegal gibt es immer noch Kinder, die keine Schule besuchen können", sagt Maria Schneider-Wilane. Zusammen mit ihrer Schwester Elisabeth Vergez führt sie den Verein Imagine Nord-Süd mit Sitz in Ehrenkirchen, der sich für die Menschen im Senegal einsetzt. Mit Partnervereinen werden verschiedene Sozialprojekte organisiert, die den Menschen in und um Kaolack, einer der größten und gleichzeitig schmutzigsten Städte des Landes, Hilfe zur Selbsthilfe bieten.
Seit der Gründung im Jahr 2003 bekämpft der Verein Armut und Arbeitslosigkeit im Südwesten Senegals. Die Vereinsvorsitzende Maria Schneider-Wilane ist mit einem Senegalesen verheiratet und macht sich regelmäßig ein Bild über die Situation vor Ort. Vor Kurzem ist sie wieder aus dem Senegal zurückgekommen und berichtet nun von dem aktuellen Großprojekt des Vereins, dem Bau eines Sozial-und Bildungszentrums in Kaolack. Dessen erstes Gebäude wurde im März fertiggestellt und umfasst drei große Unterrichtsräume.Hier werden ab kommenden Oktober 20 Vorschulkinder lesen und schreiben lernen, junge Frauen – mit und ohne Behinderungen – eine Ausbildung zur Näherin machen und interessierte Erwachsene Computer- und Sprachkurse belegen können. "Es gibt im Senegal zwar Vorschulen, doch die können sich die meisten Leute einfach nicht leisten", erklärt Maria Schneider-Wilane.
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Sie strebt außerdem eine Reform der Unterrichtsmethoden an, denn "viele Schulabgänger bleiben Analphabeten." Sie erzählt von Kindern, die Texte problemlos auf Französisch – der Amtssprache – abschreiben können, aber den Inhalt nicht verstehen.
Für die Näh- und Stofffärbekurse hatten sich einige Frauen mit körperlichen Behinderungen angemeldet. Deshalb war es wichtig, das gesamte Gebäude rollstuhlgerecht zu planen. Die Stromversorgung bleibt allerdings ein Problem, denn in Kaolack kommt es häufig zu langandauernden Stromausfällen. Eine eigene Photovoltaikanlage für das neue Gebäude könnte hier die Lösung sein, aber Sachspenden in diesen Dimensionen sind eher die Seltenheit. Auch für die Ausstattung der Unterrichtsräume sucht der Verein noch eine ganze Liste verschiedener Dinge. Im Sommer soll wieder ein großer Container mit Hilfsgütern nach Kaolack geschickt werden.
Besonders am Herzen liegt den engagierten Schwestern Maria Schneider-Wilane und Elisabeth Vergez, die in Ehrenkirchen wohnt, die Reparaturwerkstatt für Rollstühle und Fahrräder, die sie im Stadtzentrum planen. Rollstühle mit dünnen Reifen, wie man sie in Deutschland kaufen kann, sind auf den sandigen Staubstraßen im Senegal unbrauchbar und müssen vor Ort umgebaut werden. In der Werkstatt sollen auch Menschen mit Behinderungen einen Arbeitsplatz finden. Vergez erzählt begeistert: "Die Menschen mit Behinderung, die ich im Senegal gesehen und kennengelernt habe, sind so voller Kraft und Tatendrang. Das hat mich sehr beeindruckt. Wenn sie so ein Projekt anfangen, schaffen sie es auch – davon bin ich überzeugt."
Jetzt, da der erste Teil des Gebäudes fertiggestellt sei und man die Erfolge des gemeinnützigen Vereins direkt vor Augen habe, werden die Vereinsvorsitzenden auch bei verschiedenen Stiftungen finanzielle Unterstützung für einen weiteren Anbau erbeten. Der Verein ist vollkommen auf Spendengelder angewiesen, hofft aber auf allmähliche Eigenfinanzierung, zum Beispiel durch Verkauf der von den Näherinnen hergestellten Produkte. Maria Schneider-Wilane ist sich sicher: "Wir haben so viel erreicht und wir wissen, dass es weitergeht. Das Geld bekommen wir irgendwie zusammen."
Autor: Paulina Grimm


