Macht auf die Tür...

Im Tierschutzzentrum Scherzingen geben Ehrenamtliche ihr Bestes

Lena Steinbauer

Von Lena Steinbauer

Fr, 08. Dezember 2017

Ehrenkirchen

Im Tierschutzzentrum Scherzingen wird davor gewarnt, ohne vorherige Beratung Tiere zu Weihnachten zu verschenken. Seit 25 Jahren bekommen dort Tiere ein neues Zuhause.

Seit mehr als 25 Jahren finden im Tierschutzzentrum in Ehrenkirchen ausgesetzte, abgeschobene und verletzte Tiere ein neues Zuhause. Rund zwei Dutzend Mitarbeitende und Ehrenamtliche geben jeden Tag ihr Bestes, damit es den Vierbeinern an nichts mangelt. Um die monatlichen Kosten in Höhe von rund 40 000 Euro stemmen zu können, haben sich die Tierschützer eine besondere Weihnachtsspendenaktion einfallen lassen.

Jeder kennt die Situation: Es ist Weihnachten und unter dem Tannenbaum liegen Geschenke, die man eigentlich überhaupt nicht gebrauchen kann. Was tun damit? In diesem Jahr ruft das Tierschutzzentrum erstmals dazu auf, unbrauchbare Geschenke zu spenden. Diese sollen dann nach dem Prinzip einer Kofferauktion, wie man es von Flughäfen kennt, versteigert werden. "Der Erlös kommt direkt den Tieren zu Gute", versichert Heimleiterin Tina Gwildies und hofft auf rege Teilnahme.

Seit 1964 gibt es den Verein Hilfswerk Tier und Natur (Tierrettungsdienst Freiburg), dem das Tierschutzzentrum gehört. Zur Anlage gehören neben dem Tierheim eine Tierarztpraxis, ein Gnadenhof sowie eine Auffangstation für Wildtiere. "Von der Maus bis zum Pferd findet bei uns jegliches Tier Unterschlupf", sagt Tina Gwildies, die gleichzeitig erste Vorsitzende des Vereins ist. Finanziert wird das Tierschutzzentrum ausschließlich aus Spenden, auf die es auch dringend angewiesen ist. Die Kapazitäten des Zentrums sind nämlich stark ausgelastet. "Die Wertschätzung des Tieres hat abgenommen", findet Tina Gwildies. Als die Tierschützerin im Jahr 2004 ihre Arbeit in Ehrenkirchen aufnahm, seien selten alle Hunde- und Katzenhäuser belegt gewesen. Heute gebe es gar Wartelisten für neue Aufnahmen. Tina Gwildies vermutet den Grund dahinter in dubiosen Angeboten im Internet. "Per Mausklick kann ein Tier ersteigert werden", berichtet die Leiterin kopfschüttelnd. Die Einsicht, dass ein Tier viel Zeit, Arbeit und Hingabe erfordert, komme dabei oft zu spät. Umso glücklicher ist sie über die vielen Menschen, die ins Tierheim kommen und einem Tier eine Chance geben.

Trotz jährlicher Warnungen sei das Interesse gerade in der Weihnachtszeit groß, wie Tina Gwildies berichtet. "Wir raten den Menschen grundsätzlich davon ab, Tiere zu verschenken", sagt sie, "denn ein Hund oder ein Kätzchen kann nicht einfach umgetauscht werden, wenn die Verbindung zum Menschen nicht passt." Wenn ein Tierwunsch besteht, schlägt Tina Gwildies vor, gemeinsam mit der Person vorbeizuschauen, für die das Tier gedacht ist. "Wir beraten die Menschen gerne ausführlich, bevor sie eine Entscheidung treffen", so die 40-Jährige.

Wem es nicht möglich ist, ein Haustier zu adoptieren, der hat diverse andere Möglichkeiten, zu helfen. Beispielsweise gehen viele Ehrenamtliche regelmäßig mit den Hunden Gassi, führen die Pferde des Gnadenhofs spazieren oder kümmern sich um die vielen schmusebedürftigen Katzen. Gerade für Tiere, die nicht oder nur schwer vermittelt werden können, sei dies enorm wichtig, erklärt Tina Gwildies und fügt hinzu: "Es gibt sogar die Möglichkeit, Patenschaften für einzelne Tiere zu übernehmen."

Weihnachten erlebt sie als eine Zeit, in der die Menschen gerne etwas Gutes tun wollen. Aber auch während des restlichen Jahres erfährt die Heimleiterin viel Unterstützung. Sie berichtet von einer älteren Dame, die dem Tierschutzzentrum einst einen Umschlag mit fünf Euro zukommen ließ. In dem beigefügten Brief entschuldigte sie sich, nicht mehr spenden zu können – ihre mickrige Rente ließe dies nicht zu. "Solche Menschen sind für mich wahre Tierfreunde", sagt Tina Gwildies, "weil sie einfach das tun, was sie können."

Mehr über die Aktion "Dein Weihnachtsgeschenk rettet Leben" und die Möglichkeiten, den Verein zu unterstützen, gibt es im Tierschutzzentrum Ehrenkirchen-Scherzingen, Lindenstraße 29, (Tel. 07664/7096) oder unter http://www.tierrettung-freiburg.de
Alle Texte unserer Adventsserie finden Sie unter mehr.bz/adventstueren