Ohne Namen ist heute keine mehr

Andrea Gallien

Von Andrea Gallien

Fr, 06. Februar 2015

Ehrenkirchen

Der Arbeitskreis Ortsgeschichte in Ehrenkirchen hat eine Broschüre über die Namensgeber von Straßen herausgegeben.

EHRENKIRCHEN. Im Jahr 2015e kaum vorstellbar, aber in den 50er Jahren in den heutigen Ortsteilen von Ehrenkirchen noch üblich: Es gab keine Straßennamen, die Häuser waren durchnummeriert, in Kirchhofen zum Beispiel von 1 bis 232. Das berichtet Charlotte Eckmann in der neu erschienenen Broschüre "Personenbezogenen Straßennamen von Ehrenkirchen und ihre Bedeutung". Eines von zahlreichen Projekten, mit denen sich der Arbeitskreis Ortsgeschichte Ehrenkirchen beschäftigt.

"Ende der 50er Jahre wurden erste Straßennamen eingeführt, die sich im Verlaufe der Jahre durch Vergrößerungen der Gemeinde auch ändern konnten". Die letzte große Umbenennung, so Eckmann, hat mit der Gemeindereform stattgefunden. Damals mussten Namen auch deshalb geändert werden, weil sie in den fünf Ortsteilen, die sich zur Gemeinde Ehrenkirchen zusammenschlossen, mehrfach vorkamen. In der Broschüre sind nun alle Straßennamen aufgeführt. Sie orientieren sich an geographischen Namen wie etwa die Schwarzwaldstraße in Ehrenstetten, an Gewannnamen wie die Lairenstraße in Kirchhofen, an Namen, verbunden mit Natur und Umgebung wie die Weinbergstraße in Norsingen, an Nachbarorten wie die Bienger Straße in Offnadingen oder an sonstigen Namen: Hier ist das Beispiel Poststraße in Scherzingen aufgeführt.

Ausführlich widmet sich die Broschüre den Straßen, die nach Personen benannt sind. Mit diesem Thema hat sich der Arbeitskreis Ortsgeschichte bereits seit einigen Jahren beschäftigt. Nun hat Charlotte Eckmann die Vorarbeiten von Jürgen Meier, Edgar Mallmann und Engelbert Pfefferle aufgegriffen, aktualisiert und – unterstützt durch weitere Mitglieder des Arbeitskreises – durch weitere Namen ergänzt. Ein Teil der Erklärungen erschien bereits unter der Rubrik "Spiegel unserer Zeit" im örtlichen Gemeindeblatt. Herausgekommen ist eine mit Porträtbildern, Landschaftsaufnahmen, Alltagsszenen und Abbildungen von Grabsteinen reich bebilderte Broschüre.

Insgesamt 19 Straßen sind in Ehrenkirchen personenbezogen benannt. Gleich auf mehreren Seiten geht es um einen der bekanntesten Bürger der Gemeinde, um den Bildhauer, Maler und Architekt Johann Christian Wentzinger, am 10.Dezember 1710 in Ehrenstetten geboren. Beschrieben wird auch das Leben und Wirken von Prälat Alois Stiefvater, nach dem nicht nur eine kleine Straße in Kirchhofen, sondern auch das daran liegende Altenpflegeheim benannt ist. Stiefvater war Ehrenbürger von Kirchhofen und ist auch dort auf dem Friedhof beerdigt. Ebenfalls Ehrenbürger, aber von Norsingen, war Josef Faller, 1896 geboren und nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst auf Geheiß der französischen Militärregierung und dann nach Wahlen bis 1969 Bürgermeister der Gemeinde. Die St. Michael-Straße ist in Scherzingen die einzige namensbezogene Straße. Ihre Namensgebung bezieht sich auf den Erzengel Michael, dem auch die Scherzinger Kirche geweiht ist. In Offnadingen gibt es keine Straßen, die nach einem Menschen benannt sind.

Die Forschung zu den Straßennamen war eigentlich bereits 2013 abgeschlossen, bis die Broschüre gedruckt war und erscheinen konnte, dauerte es allerdings ein Jahr. In dieser Zeit ist der Arbeitskreis nicht untätig gewesen. Im Gegenteil: Es waren überaus arbeitsreiche Monate, berichtet Charlotte Eckmann. Die 13 aktiven Mitglieder, viele von ihnen bereits im Rentenalter, zogen innerhalb des Schlosses in Kirchhofen um. Der neue Raum im zweiten Obergeschoss wurde frisch gestrichen, der Boden neu gemacht und schließlich in zahlreichen Regalen und Vitrinen Schaustücke aus der Geschichte der Gemeinde ausgestellt. An Stellwänden hängen Bilder und Porträts von Menschen aus dem Ort, teilweise bekannt, teilweise unbekannt. Insgesamt über 1000 Gegenstände, vom alten Radio über Krüge und Fotos bis zu Büchern und alten Fotoapparaten sind vor allem in einem Kellerraum des Schlosses aufbewahrt. Erika Braun hat sie mit Hilfe eines Computerprogramms mit viel Geduld inventarisiert. Und regelmäßig kommt Neues hinzu. Dafür ist der Arbeitskreis dankbar, denn die größte Sorge der Mitglieder ist, dass Bürger beim Aufräumen oder nach dem Tod eines Angehörigen aus Unwissenheit Dinge wegwerfen, die für den Arbeitskreis von Bedeutung sein können. "Unser Ziel ist es, die Geschichte der Gemeinde aufzuarbeiten und zu dokumentieren", sagt zum Beispiel Hedwig Lorenz, die schon seit der Gründung des Arbeitskreises im Frühjahr 2006 dabei ist. Damals trafen sich engagierte und historisch interessierte Bürger erstmals auf Einladung des damaligen Archivars Peter Böckling.

Beschäftigt hat sich der Arbeitskreis 2014 auch mit den Zünften, es gab eine Ausstellung im Rathaus, Teile davon sind noch im Erdgeschoss des Hauses zu sehen. Außerdem wurden Texte aus den Zunftbüchern transkribiert. Die Ölbergkapelle wurde 60 Jahre alt, auch das Anlass für den Arbeitskreis für Veranstaltungen im Georgsheim.

Neu gemacht ist auch das Schwendi-Zimmer im Schlossturm. Es kann bei Festen wie dem Schlossgrabenhock besichtigt werden und außerdem jeden Donnerstag zwischen 14 und 16 Uhr. Dann trifft sich der Arbeitskreis im zweiten Obergeschoss des Schlosses und freut sich über Besucher oder neue Mitstreiter.

Info: Die Broschüre ist erhältlich für fünf Euro bei der Gemeindeverwaltung im Rathaus, beim Arbeitskreis, beim Winzerkeller Kirchhofen, bei Elektro Glatz sowie bei den Ortsverwaltungen in den Ortsteilen.
Internet: Weitere Informationen zum Arbeitskreis unter http://www.arbeitskreis-ortsgeschichte-ehrenkirchen.de