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24. November 2009

Theater aus dem Stegreif

Der Verein Wuuki hatte das Theater "Impro Con Carne" nach Ehrenkirchen eingeladen

  1. Jugendvorstellung des Improvisationstheaters Impro Con Carne in Ehrenstetten. Foto: Barbara Schmidt

EHRENKIRCHEN. Aus dem Stegreif Szenen und Dialoge entwickeln – das haben die Mitglieder des Ensembles "Impro Con Carne" in einem dreijährigen Kurs gelernt und durch regelmäßiges Üben verfeinert. Am Freitag spielten sie im Georgsheim in Ehrenstetten. Exklusiv für Jugendliche, denn der Verein Wuuki (Wir und unsere Kinder) hatte das Gastspiel organisiert.

"Wir machen sonst vor allem was für die Jüngeren, deshalb wollten wir auch mal was für Ältere machen", umschrieb die Wuuki-Vorsitzende Annette Felgentreu die Idee hinter der Veranstaltung. Jugendliche ab 14 Jahren waren die Zielgruppe. Auf 100 Zuschauer hatte der Verein gehofft, knapp die Hälfte kam. Die, die da waren, hatten viel Spaß. Sie wurden von den Schauspielern auf der Bühne von Anfang an in das Spiel mit einbezogen. "Wir sind schon ganz gespannt auf eure Vorschläge", riefen sie den Teenagern zu.

In der ersten Szene wollten die Schauspieler eine Maschine bauen. Zu welchem Thema, das durfte das Publikum vorschlagen. Die Teenies entschieden sich für "Döner-Bude". Also spielten die Ensemblemitglieder einen Fleischspieß, eine Knoblauchfahne und jemanden, der "Einmal mit allem und mit scharf" sagt. Später zeigten die fünf Frauen und zwei Männer auch noch eine Diashow zum Thema HipHop. Das Thema hatten, man ahnt es schon, die Jugendlichen ausgesucht.

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Für "Impro Con Carne" war es das erste Mal, dass sie allein für Minderjährige spielten. Was daran besonders ist, "das werden wir jetzt im Nachhinein mal analysieren", sagte das Ensemblemitglied Wolfgang Weiler. Die Gruppe hat sich 2004 in einem Kurs von Christian Schulz, Gründer und Leiter des Freiburger Improvisationstheaters Freistil, kennen gelernt und wurde bis 2007 von Schulz trainiert. Seither probt sie weiterhin einmal die Woche und bestreitet etwa vier Auftritte im Jahr. Hobbyhalber, wie Weiler betonte.

In Ehrenstetten spielte die in rote Shirts und schwarze Hosen gekleidete Gruppe Dieter Bohlens Supertalent-Show nach. Beim anschließenden Gefühlscoaching musste sie Emotionen wie "sexy" oder "aggro" darstellen. "Aggro kommt vom Wort aggressiv, oder?" erkundigten sich eine Darstellerin beim Publikum. In der Pause durfte jeder Jugendliche einen Satz auf einen Zettel schreiben. Nach der Pause flochten die Improvisationstalente auf der Bühne dann einen Satz nach dem anderen in ihr Spiel ein, von "Ich habe einen Pickel auf dem Arsch" bis zu "Ein Optimist steht nicht im Regen, sondern er duscht unter einer Wolke". Das gab der Handlung eine immer neue, häufig lustige Wendung.

Die Schauspieler sangen auch, begleitet von Andy auf dem Keyboard. Am Ende bekamen sie so viel Beifall, dass sie noch eine Zugabe spielten. Die jungen Zuschauer fanden die Theatervorstellung "lustig", "cool", "zu lang" oder einfach "gut". Ihm habe der türkische Rap am Besten gefallen, sagte der 14-jährige Max, der mit Nils (13 Jahre alt) in der ersten Reihe saß. Ein paar Reihen hinter ihnen verfolgte fast das komplette Leitungsteam des Jugendraums Bollschweil die Aufführung. "Unsere Sozialarbeiterin hat uns das empfohlen und es ist toll", meinte die 17-jährige Nessrin. "Das ist auch mal was anderes als Party oder Disco", fügte Fabienne (18) hinzu.

In der Pause hatten sechs HipHop-Tänzerinnen von Fit & Fun die Stimmung hoch gehalten. Auch sie bekamen viel Beifall. Weil aber so viele Stühle leer geblieben waren, war sich Annette Felgentreu nicht sicher, ob ihr Verein eine solche Jugendveranstaltung wiederholen wird.

Autor: Barbara Schmidt