Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

14. Mai 2011

Vom Mitternachtssport bis zum Jugendraum

Benjamin Klein, mobiler Jugendsozialarbeiter in Ehrenkirchen, stellte im Gemeinderat seine Arbeit vor und erntete viel Lob.

  1. Benjamin Klein Foto: Silvia Faller

  2. Beliebt und gut genutzt: die Skateboardanlage an der Kirchberghalle. Foto: Silvia Faller

EHRENKIRCHEN (gln). Seit Oktober 2010 ist er im Amt. Jetzt hat sich Benjamin Klein dem Gemeinderat vorgestellt und eine erste Bilanz seiner Arbeit präsentiert. Der mobile Jugendsozialarbeiter ist mit einer halben Stelle in Ehrenkirchen und einer Viertelstelle in Bollschweil beschäftigt. Der Bericht über das, was er bislang im Ort initiiert hat, veranlasste gleich mehrere Räte nachzufragen, ob er auch Interesse an einer Aufstockung seiner Stelle hätte. Um es vorweg zu nehmen: Er hätte. Darüber, so Bürgermeister Thomas Breig, wird bei der nächsten Haushaltsplanung zu diskutieren sein, zunächst gab es viel Lob und Anerkennung für Kleins Arbeit durch das Gremium.

Und wie sieht sie aus: Seine Arbeit lasse sich in vier Bereiche einteilen: Als Streetworker sucht er Jugendliche an ihren öffentlichen Treffpunkten auf, um mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Die Organisation von Gruppenangeboten und die Betreuung der Jugendräume ist ein weiteres Arbeitsfeld, hinzu kommt die laut Klein häufig besonders aufwendige Betreuung von Einzelfällen, etwa Jugendlichen, die Probleme mit Alkohol und Drogen haben. Klein arbeitet zudem mit dem Jugendamt und dem Kooperationskreis für Kinder- und Jugendarbeit im Landkreis zusammen.

Werbung


Mehrere Projekte für Jugendliche hat Benjamin Klein bereits initiiert. Dazu gehört der Mitternachtssport freitags von 19 bis 22 Uhr in der Kirchberghalle. 15 bis 20 Jugendliche nutzen dieses freie Sportangebot jede Woche – liebste Sportart ist Fußball. Neu ist auch die Skate Community, die sich dank der neu angelegten Skateboardanlage an der Kirchberghalle gebildet hat und die auch den neu eingerichteten Jugendraum im Paul-Gerhardt-Haus nutzt (die BZ berichtete). Neun Jungs und drei Mädchen sind, so Klein, "mit Herzblut dabei". Der Jugendraum ist am Freitag von 15.30 bis 18.30 Uhr geöffnet.

Klein erklärte, er verfolge ein "zweistufiges Jugendraum-Konzept", das heißt, jüngere Jugendliche nutzen den Jugendraum in der Ortsmitte, ältere den Raum in Norsingen, der derzeit, ebenfalls mit viel Elan der dortigen Jugendlichen, neu renoviert und eingerichtet und am 20. Mai wieder eröffnet wird.

Auf der Skateranlage an der Kirchberghalle ist ein weiteres Projekt geplant. Es wird dort eine legale Sprühfläche geben. Auf drei großen Spanplatten können Jugendliche ihre Fähigkeiten in Streetart demonstrieren. Benjamin Klein erklärte den Räten, bei den Jugendlichen sei ein "riesiges kreatives Potenzial" vorhanden. Ziel der Aktion sei es, dieses zu kanalisieren und die Zahl der Schmierereien andernorts zu minimieren. Interesse am mobilen Jugendsozialarbeiter kommt auch noch von ganz anderer Seite: Auf Anregung der Leitung des Kinderhauses St. Fridolin kümmert sich Benjamin Klein einmal in der Woche speziell um die Jungs im dortigen Hort. Aktionen wie der Bau einer Holzhütte mit den Grundschülern sind geplant.

Lob und Anerkennung zollten die Räte der Arbeit von Benjamin Klein. Marius Strub (Bündnis 90/Die Grünen), selber 20 Jahre alt, berichtete, er sei früher noch zum Skateboardfahren nach Freiburg gefahren und wäre froh gewesen, ein solches Angebot im Ort zu haben. Am Cinemaxx in Freiburg könne man sehen, dass legal besprühte Hauswände durchaus ihren Reiz haben können. Und seine Fraktionskollegin Brigitte Ludewig, Vorsitzende des Arbeitskreises Kunst und Kultur, bot an, dass auch der im Rathaus vom Arbeitskreis betreute KunstKiosk gerne einmal für eine legale Sprühkunst-Aktion genutzt werden könnte. Kurt Wagner (CDU) regte an, doch zu überlegen, besonders gelungene Graffiti-Bilder zu prämieren oder auszustellen.

Edmund Steinle (CDU), Ortsvorsteher von Norsingen, lobte das Engagement der Jugendlichen, die derzeit den dortigen Jugendraum renovieren. "Das ist ganz toll, da sind richtig gute Handwerker dabei". Auch wenn es in Norsingen – etwa bei der Silvesterparty – auch mal Ärger gebe, sei der Jugendraum gut, nicht nur für Norsingen. "Jeder Euro, den die Gemeinde in die Jugendarbeit investiert, ist gut angelegtes Geld." Ein Eindruck, den Bürgermeister Thomas Breig teilte: Seit es die mobile Jugendarbeit gibt, "geht es im Ort geordneter zu", Beschwerden von Bürgern über Jugendliche hätten im Rathaus deutlich abgenommen.

Autor: gln