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04. Februar 2012
"Wir sind ein Teil der Gemeinschaft"
BZ-INTERVIEW mit Anne Gibson über das Gemeinschaftsprojekt Prälat-Stiefvaters-Hauses, das vor fünf Jahren eröffnet wurde.
HEXENTAL/BATZENBERG. Es ist ein Gemeinschaftsprojekt der Gemeinden im Sprengel: das Alten- und Pflegeheim Prälat-Stiefvater-Haus in Ehrenkirchen. Die Gemeinden haben Belegungsrechte gekauft und damit die Finanzierungslücke beim Bau der vom Caritasverband Breisgau-Hochschwarzwald getragenen Einrichtung geschlossen. Fünf Jahren ist es jetzt her, dass die ersten Bewohner das Haus bezogen haben. Gefeiert wird der Geburtstag am Sonntag, 5. Februar, mit einem Tag der offenen Tür. Tanja Bury hat sich mit der Leiterin des Hauses, Anne Gibson, unterhalten.
BZ: Fünf Jahre Prälat-Stiefvater-Haus: Welche Bilanz ziehen Sie?Gibson: Wir ziehen eine positive Bilanz: Der Standort in Ehrenkirchen hat sich bewährt und das Haus wird sehr gut angenommen. Die Themen, die im Konzept verankert waren, konnten in vielfältiger Weise realisiert werden. Hierzu zählen außer einer guten Pflege und Betreuung auch die Zusammenarbeit mit den Kommunen, den örtlichen Vereinen und anderen Institutionen, den Ehrenamtlichen und dem Förderverein. Auch das Konzept einer integrierten Hausgemeinschaft für Menschen mit einer dementiellen Erkrankung hat sich bewährt. Wir konnten räumlich, strukturell und personell Bedingungen schaffen, die den besonderen Bedürfnissen der Bewohnern entgegen kommen. Wir erleben uns als Teil der Gemeinde Ehrenkirchen und der Gemeinschaft und freuen uns immer wieder über ein großes Entgegenkommen und das Wohlwollen, das unserer Einrichtung entgegengebracht wird. Unser Alltag im Prälat-Stiefvater-Haus ist geprägt von diesen vielfältigen Kontakten, die für Lebendigkeit sorgen und dafür, dass unsere Bewohner am Leben in der Gemeinde und in der Gemeinschaft teilhaben können.
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Gibson: Durch die offene, helle und freundliche Architektur wird das Prälat-Stiefvater-Haus eher als Wohnhaus wahrgenommen. Die vielfältige kulturellen und soziale Angebote ermöglichen den Bewohnern eine weitreichende Teilhabe am Leben und an der Gemeinschaft. Auch in anderen Bereichen bemühen wir uns darum, im Rahmen unsere Möglichkeiten individuelle Wünsche und Bedürfnisse zu berücksichtigen. In unserer hauseigenen Küche können wir beispielsweise zeitnah auf besondere Speisewünsche reagieren. Zum Gefühl, ein Zuhause zu haben, tragen im Wesentlichen unsere Mitarbeiter bei, die durch die täglichen Begegnungen mit den Bewohnern die Beziehungen gestalten.
BZ: Wo sind die Vor- und wo die Nachteile des Hauses?
Gibson: Die Vorteile des Hauses liegen in der offenen und einladenden Architektur. Wir können beispielsweise jederzeit ohne viel Aufwand kurzfristig auch größere Veranstaltungen anbieten. Die als Rundgänge angeordneten Flure in den oberen Etagen bieten offene Einblicke in das Atrium im Erdgeschoss, in dem die meisten Veranstaltungen stattfinden. Das große Glasdach über dem begrünten Innengarten bringt maximales Tageslicht ins Haus und ermöglicht eine optimale Orientierung in Bezug auf die Tages- und Jahreszeiten. Das Haus hat eine gute Lage. Die Nähe zum Jengerzentrum bietet Möglichkeiten für Einkäufe und Arztbesuche. Die Wege entlang der Felder, Obstplantagen und Gärten laden zu Spaziergängen ein. Als nachteilig erweisen sich immer wieder die vier Doppelzimmer, die nicht immer einfach zu belegen sind. Sie waren zum damaligen Zeitpunkt jedoch Voraussetzung für finanzielle Förderungen und mussten daher realisiert werden.
BZ: 2008 war ein turbulentes Jahr: Dem Pflegedienstleiter wurde gekündigt, weil er zu verschwenderisch mit dem Einsatz von Personal umgegangen ist. Die Folge war ein Berg von Überstunden und Urlaubsansprüchen. Damals wurde auch beklagt, dass der Markt für qualifizierte Pflegekräfte leergefegt sei. Wie sieht die Personalstruktur heute aus und haben Sie die Probleme in den Griff bekommen?
Gibson: Bereits seit längerer Zeit ist eine gute Stabilität in der Mitarbeiterschaft gegeben. Der Aufbau einer neuen Einrichtung ist sehr komplex und es braucht eine geraume Zeit, bis qualifizierte Mitarbeitende gefunden, passende Teams gebildet und die Abläufe reibungslos aufeinander abgestimmt sind. Wir haben mehrere Leistungsbereiche im Hause, die eng miteinander verzahnt sind und bei rund 120 Mitarbeitenden dauert es eine Weile, bis sich die Strukturen gefestigt haben. Nach einer bewegten Aufbauzeit haben wir zwischenzeitlich einen festen Mitarbeiterstamm und ein festes Leitungsteam. Die Themen, die uns in der Aufbauphase bewegt haben, sind bearbeitet und die Strukturen mittlerweile gefestigt, so dass ein routinierter Arbeitsalltag eingekehrt ist. Eine gezielt umgesetzte Personaleinsatzplanung ermöglichte eine starke Reduzierung der vielen Überstunden und Urlaubstagen, die sich insbesondere in der Aufbauzeit angesammelt hatten. Auch hier konnte eine deutliche Verbesserung und Stabilisierung erreicht werden. Qualifizierte Mitarbeiter sind nach wie vor schwer zu finden. Da wir zwischenzeitlich einen festen Personalstamm haben, ist das Thema "Fachkraftmangel" derzeit nur im Einzelfall für uns von Bedeutung. Zeitweise kann es bei einer freiwerdenden Stelle jedoch schon sehr schwierig sein, diese zeitnah neu zu besetzen. Bislang war es jedoch möglich, geeignete Bewerber zu finden, auch wenn wir hierfür gelegentlich Geduld aufbringen mussten.
BZ: Die Einrichtung ist ja sozusagen eine Gemeinschaftsproduktion der Gemeinden im Sprengel. Spiegelt sich das auch in der Belegung wieder?
Gibson: Das Prälat-Stiefvater- Haus wird von Bürger der beteiligten Gemeinden gut angefragt. Wir haben Bewohner aus Ehrenkirchen, Merzhausen, Au, Sölden, Pfaffenweiler, Ebringen, Schallstadt und Bollschweil, die im Hause Belegungsrechte erworben haben. Die Belegungszahlen für die jeweilige Gemeinde sind schwankend. Je nach aktueller Anfrage und Belegung ist es daher möglich, dass in einem Monat die Belegungsrechte für eine Gemeinde voll ausgeschöpft sind und in einem anderen Monat unterschritten werden. Bei jeder Vergabe eines Heimplatzes werden Anfragen aus den Gemeinden mit Belegungsrechten vorrangig berücksichtigt. Zusammenfassend lässt sich aber sagen, dass unser stationäres Angebot allen Gemeinden mit Belegrechten zugute kommt und gut genutzt wird.
BZ: Schallstadt hat zwischenzeitlich seine eigene Einrichtung und auch andere Gemeinden wollen Betreutes Wohnen anbieten. Wie reagieren Sie darauf?
Gibson: Das Betreuungs- und Versorgungsangebot in Schallstadt und auch weitere Angebote anderer Anbieter tangieren uns nicht unmittelbar. Wir können andere Angebote gut akzeptieren, da sie zur Vielfalt des gesamten Versorgungsangebots beitragen. Menschen mit einem Hilfebedarf benötigen ein breites Angebotsspektrum, um für die jeweilige Lebenssituation eine angemessene Versorgung zu finden. Wir sehen uns mit unserem stationären Angebot als ein Teil dieser Vielfalt und als eine der Möglichkeiten, in einer besonderen Lebenslage Unterstützung zu finden.
BZ: Groß geschrieben wurde von Anfang an das Einbeziehen von Ehrenamtlichen. 2010 wurde ein Förderverein gegründet. Wie sieht das Engagement über den Förderverein hinaus aus? Wie verankert ist das Haus im Bewusstsein der Leute in der Region Schönberg?
Gibson: Die Arbeit unsere ehrenamtlichen Mitarbeiter hat in unserem Haus einen großen Stellenwert. Wir freuen uns über die Unterstützung und sind dankbar für die nahezu 40 Bürger, die sich derzeit in vielfältiger Weise im Haus einbringen: Die Cafeteria, ein beliebter Treffpunkt für Bewohner und Besucher, wird an sechs Tagen in der Woche hauptsächlich von Ehrenamtlichen betrieben. Weitere Unterstützung erhalten wir in Form von Besuchs- und Fahrdiensten, Gruppenangeboten, kulturellen, seelsorgerischen oder sonstigen Angeboten. Auch das regelmäßige Waffeln backen auf den Wohnbereichen ist nur durch ehrenamtliche Mitarbeit möglich. Veranstaltungen und Ausflüge werden in der Hauptsache durch Ehrenamtliche des Fördervereins organisiert. Die Zusammenarbeit mit dem Förderverein ist sehr lebendig und geht mit dem engagierten und persönlichen Einsatz weit über eine rein finanzielle Unterstützung hinaus. Und die Kinder vom benachbarten Kinderhaus St. Fridolin sind wöchentlich im Hause. Sie spielen, singen, malen und puzzeln und unsere Bewohner können in ihrer Weise am Geschehen teilhaben.
BZ: Was wünschen Sie dem Prälat-Stiefvater-Haus zum Geburtstag?
Gibson: Ich wünsche dem Haus, dass es seine Lebendigkeit und Offenheit behält.
ZUR PERSON: ANNE GIBSON
46 Jahre, Ausbildung zur examinierten Altenpflegerin, dann Studium der Sozialpädagogik an der Katholischen Fachhochschule in Freiburg mit dem Abschluss Diplom- Sozialpädagogin (FH), seit Oktober 2006 ist sie die Leiterin des Prälat-Stiefvater-Hauses
Autor: tab
Prälat-Stiefvater-Haus
Die Gemeinden Ebringen, Pfaffenweiler, Sölden, Bollschweil, Au, Merzhausen und Schallstadt haben sich zusammen mit 475 000 Euro an der Investitionssumme von insgesamt 8,3 Millionen Euro beteiligen und dabei 25 Belegungsrechte erworben. Die Gemeinde Ehrenkirchen hat einen einen Anteil von einer Millionen getragen, 1,9 Millionen Euro kamen als Zuschuss des Landes Baden-Württemberg, 627 000 Euro vom Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald.
Das Haus bietet 82 Plätze für Menschen mit einem Hilfebedarf von der Pflegestufe eins bis drei. Rund 115 Mitarbeiter sind in Pflege, Hauswirtschaft, Küche, Haustechnik, Sozialer Dienst, Alltagsbegleitung und Verwaltung beschäftigt. Die Küche beliefert derzeit auch vier Kindergärten mit Essen.
Namensgeber des Hauses ist Prälat Alois Stiefvater. Er wurde 1905 in Kirchhofen geboren. Als Priester begründete er das Diözesan-Männerwerk sowie die Wallfahrten zu Bruder Klaus und die Gebetswache auf dem Lindenberg, war Diözesanpräses der Kolpingsfamilie und Initiator des Bildungswerkes der Erzdiözese und des Altenwerkes. Prälat Stiefvater starb 1989.
Autor: tab
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