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21. Januar 2012

De Gaulles Nichte wurde ihr zur lebenslangen Freundin

In Eichstetten feiert Elisabeth Pfundstein ihren 90. Geburtstag / Als Kindermädchen betreute sie einst De Gaulles Nichte.

  1. Gerne unterwegs in ihrer Wahlheimat Eichstetten ist Elisabeth Pfundstein, die am Montag 90 Jahre alt wird. Foto: GUSTAV RINKLIN

EICHSTETTEN. Ihren 90. Geburtstag kann am Montag, 23. Januar, Elisabeth Pfundstein in Eichstetten feiern. Gut bekannt ist die Jubilarin vielen Mitbürgern, weil sie trotz ihres Alters sehr oft in dem Kaiserstuhldorf unterwegs ist. Ihren überaus erfreulichen Gesundheitszustand verdankt die examinierte Krankenschwester einerseits ihrem vernünftigen Lebenswandel, aber auch dem täglich stundenlangen Verbringen an der frischen und guten Luft in ihrer neuen Wahlheimat. Dort, in der Seniorenwohnanlage Schwanenhof, wohnt die weitgehend selbständige, äußerst zufriedene und dankbare Mitbürgerin seit Dezember 2008. Ihr Lob gilt stets dem Organisations- und Betreuungspersonal der Bürgergemeinschaft, die den Schwanenhof betreibt .

Das Licht der Welt erblickte Elisabeth Leopold vor 90 Jahren in Offenburg. Rückblickend erinnert sich die Jubilarin gerne an ihre Jugendzeit, die sie mit ihren Eltern, sowie einer Schwester in Zell am Harmersbach verbrachte, ebenso ihre Ausbildung zur Krankenschwester in Ludwigsburg. Vergessen könne sie aber auch nicht die Zeit, die sie als junge Rot-Kreuz-Schwester in einem Kriegslazarett vor Moskau verbrachte und wo sie vielen schwerstverletzten Soldaten nach dem Tod die Augenlider schließen musste. Weil sie dort gegen Ende des Krieges den Einsatz von "Kindern" an der Front auf schärfste verurteilte, habe dies fast die Verbringung in ein Konzentrationslager zur Folge gehabt, erzählt sie.

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In dem Lazarett geriet sie auch in russische Kriegsgefangenschaft, aus der sie erst 1948 entlassen wurde. Dies habe sie letztlich einem Pfarrer und einem jüdischen Arzt zu verdanken, der ihr wohlwollend eine Tuberkulose attestierte, obwohl dies nicht zutraf. Dies habe aber die vorzeitige Entlassung zur Folge gehabt, erzählte das "Geburtstagskind".

Danach führte ihr Lebensweg die junge Frau nach Ettlingen, im Landkreis Karlsruhe. Der damalige französische General Charles De Gaulle war auch oberster Befehlshaber der französischen Besatzungsmacht, zu deren Zone das bis nahe an Ettlingen reichende Südbaden sowie die ebenfalls nahe Rheinpfalz gehörten. Aus der Sicht des späteren französischen Staatspräsidenten sollte das Kind seiner hier lebenden Schwester zweisprachig aufwachsen und deshalb wirkte Elisabeth Leopold in dem Hause als Kindermädchen von De Gaulles Nichte – eine Zeit, die sie dann auch nach Paris führte. "Christine, das Kind, lernte so gut deutsch und ich gut französisch", sagt die Jubilarin nicht ohne Stolz. Die Betreuungszeit endete dann, nicht aber der Kontakt zu der Französin, der bis zu deren Tod vor wenigen Jahren aufrecht erhalten blieb.

In der Folgezeit war die Jubilarin als Stationsschwester in einem Krankenhaus in der jetzigen Großen Kreisstadt Ettlingen tätig, welches heute als Alten- und Pflegeheim genutzt wird, wie sie erzählt. Aus der Ehe mit dem im Jahre 1995 verstorbenen Ehemann Hildebert Pfundstein entstammt auch ihr Sohn, der beruflich in Freiburg tätig ist. Deshalb, so erklärt sie, suchte sie in der Nähe seiner Familie und ihres Enkels einen neuen Aufenthaltsort, fand diesen im Eichstetter Schwanenhof, die Nummer "eins" ihrer Wahl, wie sie immer wieder gerne betont.

Autor: Gustav Rinklin