Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

25. September 2013

Die Hochwasser können kommen

Eichstetten feiert die Fertigstellung seines erweiterten zweiten Rückhaltebeckens / Das Land steuerte eine Million Euro bei.

  1. Die Einweihung des erweiterten Regenrückhaltebeckens Steinenweg in Eichstetten feierten Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer sowie (vorne von links) Hydrologe Jens Lange und Planer Peter Sackmann, Bürgermeister Michael Bruder und Dieter Schuster vom Landratsamt. Dahinter (von links) die Gemeinderäte Karl Meier, Christoph Kullmer, Alexander Lüth und Albert Schmidt Foto: GUSTAV RINKLIN

EICHSTETTEN. Das Hochwasserrückhaltebecken (HRB) Steinenweg ist jetzt offiziell in Betrieb genommen worden. In den vergangenen Jahren wurde das Becken umfassend saniert und sein Fassungsvermögen von 6300 auf nunmehr 18800 Kubikmeter erhöht. An den Kosten in Höhe von rund 1,5 Millionen Euro beteiligte sich das Land mit einer Million Euro.

Die Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer war zu Einweihung gekommen und gratulierte der Gemeinde dafür, dass sie das Problem Hochwasserschutz mutig angegangen sei. Sie erinnerte auch an den Starkregen im Frühjahr, bei welchem sich gezeigt habe, dass vorbeugender Schutz die beste Lösung ist. Wer zuwarte, bis Handlungsbedarf bestehe, habe die Chance nicht genutzt. Nicht unerwähnt blieb, dass der Landeshaushalt rund 47 Millionen Euro für den Hochwasserschutz vorsieht, davon seien fünf Millionen für die Gewässerökologie bestimmt.

Bevor sich die Regierungspräsidentin im goldenen Buch der Gemeinde verewigte, wünschte sie der Gemeinde, dass dieses Rückhaltebecken die Erwartungen erfüllt. Davon ist Bürgermeister Bruder jedenfalls überzeugt. Er betonte, dass die Gemeinde nun den Hochwasserschutz optimiert habe.

Werbung


Das im Jahre 1972 gebaute Becken hatte ursprünglich ein Fassungsvermögen von rund 8500 Kubikmetern, durch Verlandungen war dieses aber auf 6300 Kubikmeter gesunken. So war es nicht verwunderlich, dass nach einer Sicherheitsüberprüfung Handlungsbedarf bestand.

Das Ingenieurbüro für Tief- und Wasserbau Zink wurde deshalb beauftragt, nach Lösungen zu suchen. Kurzzeitig wurde auch ein weiteres Rückhaltebecken im Rippach als Lösung geprüft. Doch die Kosten-Nutzen-Analyse ergab, dass es sinnvoll wäre, Oberflächenwasser aus dem Rippach-Einzugsgebiet dem Becken im Steinenweg durch entsprechende Leitungen zuzuführen. Letztlich konnte das Einzugsgebiet von 170 auf 200 Hektar erweitert werden. Nun, nach etwas mehr als einjähriger Bauzeit, ist das Rückhaltebecken wieder funktionsfähig, die Abflussmenge konnte von 500 Litern je Sekunde auf 140 l/s reduziert werden.

Eichstetter Becken liefern Daten für die Wissenschaft

Vorbeugung sei die beste Versicherung meinte Peter Sackmann vom Ingenieurbüro Zink. Das rund 600 Meter oberhalb des Dorfes befindliche Becken schütze mit seinem nun um rund zwei Meter erhöhten Damm die Dorfbewohner.Die Hochwasserentlastungsanlage in Form einer Überlaufscharte gewährleiste auch im Extremfall die Standsicherheit des Dammes. Zusätzlich sorge bei hohem Wasserstand eine Aktivmeldeanlage für die rechtzeitige Alarmierung des Betriebspersonals. An die lange, schon im Jahre 2002 begonnene Planungsphase, erinnerte Dieter Schuster von der unteren Wasserbehörde des Landkreises.

Ausgestattet ist das Becken auch mit einer neuen Mess- und Steuertechnik. Dafür dankte Jens Lange vom Hydrologischen Institut der Uni Freiburg. Er erinnerte an die schon Ende der 70er Jahre begonnene Zusammenarbeit mit der Gemeinde, um hydrologische Untersuchungen an den Pegeln im Breitenweg – dort wurde 2006 das Becken saniert – und im Rippach vorzunehmen. Die Niederschlagsmessung und der Abfluss würden nunmehr hochmodern durch Ultraschall ermittelt. Durch diese berührungslose Messung erhalte die Uni verlässlichere Daten. Diese würden über Eichstetten hinaus repräsentativ auch für die Region von Bedeutung sein. Neu in dem Rückhaltebecken ist auch ein Feuchtgebiet, das ebenfalls wissenschaftlich erforscht wird. Dabei geht es darum, wie dieses Biotop Pestizide aus den Weinbergen und Landwirtschaftsflächen aufnimmt.

Autor: Gustav Rinklin