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04. Februar 2012
Eichstettens starker Mann hieß Hildifried
3 FRAGEN AN Thomas Steffens zum Eichstetter Jubiläum.
EICHSTETTEN. Dass ein Dorf auf einen Schlag um 300 Jahre älter wird, geschieht nicht oft – in Eichstetten jedoch schon. Lange Zeit war man von einer Ersterwähnung des Wein- und Gemüsedorfes am Ostkaiserstuhl im Jahre 1052 ausgegangen. Seit einigen Jahren sind Historiker jedoch anderer Auffassung, und so kann Eichstetten in diesem Jahr seine 1275-Jahr-Feier begehen und erstmals sein neues Geburtsdatum feiern. Mit dem Historiker Thomas Steffens, der sich über viele Jahre mit der Geschichte des Dorfes beschäftigt hat, sprach Christa Rinklin.
BZ: Wann und wie trug sich die Entdeckung der älteren Ersterwähnung Eichstettens zu?Steffens: Mitte der 90er Jahre ist der Landesgeschichtler Karl Weber, der sich speziell mit der Geschichte des Elsass’ in jener Zeit beschäftigt hat, auf mich zugekommen mit dem Hinweis, dass er auf eine Urkunde aus dem Jahre 737 gestoßen sei, die auf Eichstetten zutreffen könnte. Da wir gerade an der Eichstetter Dorfchronik gearbeitet hatten, bat ich Karl Weber, einen Artikel über die Ersterwähnung und ihr historisches Umfeld für den ersten Band der Chronik zu verfassen.
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Steffens: Es wird daraus ersichtlich, dass es sich bei dem "Eistat" genannten Eichstetten damals um den Besitz einer elsässischen Herzogsfamilie handelte. Der elsässische Graf Eberhard aus der Adelsfamilie der Etichonen übergab Eichstetten dem um 727 gegründeten Kloster Murbach bei Gebweiler. Dieses wiederum schloss im Jahr 737 einen Vertrag mit einem "erlauchten" Mann namens Hildifried, der Güter in 17 Orten, darunter auch Eichstetten, erhielt. Aus dem Urkundenfund lässt sich erkennen, dass die elsässischen Herzöge einen ziemlich großen Einfluss und freie Hand im Breisgau gehabt haben müssen.
BZ: Was ist von einer noch früheren Besiedlung Eichstettens bekannt?
Steffens: Aufschlussreiche Funde konnten ja mit dem alemannischen Friedhof auf dem Eichstetter Wannenberg gemacht werden. Die ersten Siedler wurden dort wohl um das Jahr 500 bestattet. Dies waren Germanen, die sich, nachdem die Römer Ende des 3. Jahrhunderts abgezogen waren, am Kaiserstuhl niederließen. Die Römer, so kann angenommen werden, errichteten zu ihrer Zeit am Kalten-brunnen, im Gewann hinter dem Samengarten, ein römisches Landgut, eine "Villa Rustica".
Von den Funden auf dem alemannischen Friedhof, die auf die Lebensumstände, Kleidung und Waffen der damaligen Siedler hinweisen, kann man auch auf die Lebensweise der Eichstetter aus der späteren Zeit um 737 schließen. Der einzige Unterschied könnte die fortgeschrittene Christianisierung sein, die bei den Alamannen zwischen 650 und 700 vermehrt einsetzte.
Autor: chr
