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10. Februar 2011
Frauen scheuen viele berufliche Sparten
Mittelständler zu Frauenquote.
EICHSTETTEN/GOTTENHEIM. Die Diskussion um einen höheren Anteil von Frauen in Führungspositionen von Firmen hält an. Eine gesetzlich geregelte Frauenquote wird es vorerst nicht geben, die Wirtschaft aber ist gehalten, mehr Frauen an die Spitze zu lassen. Die BZ befragte dazu die Chefs zweier Mittelständler vor Ort, beides Männer.
Bei der Rinklin Naturkost GmbH in Eichstetten sind etwa 150 Mitarbeiter beschäftigt; die Führungspositionen bekleiden Männer. Der Geschäftsführer Wilhelm Rinklin meint, er suche bei der Stellenvergabe nicht nach Geschlecht, sondern nach Kompetenz aus. Es sei einfach so, dass es für bestimmte Positionen, wie Stellen im Fuhrpark, der Spedition oder dem Lager, gar keine ausgebildeten Frauen oder weibliche Bewerber gebe. Dadurch sei es eine selbstverständliche Entwicklung, dass Männer eingestellt werden und in höhere Positionen aufsteigen. Außerdem könnten Frauen, die Teilzeit arbeiten und daher nicht dauerhaft präsent seien, schlichtweg keine Führungsposition einnehmen. Ebenso finde er es problematisch, dass sie nach einer Auszeit aus der Arbeit draußen seien und sich erst wieder einarbeiten müssen.Werbung
Mit 25 weiblichen von insgesamt 30 Mitarbeitern seien die Frauen im Verkauf, einer traditionellen Frauenbranche, hingegen sehr stark. Anstelle einer Quote solle der Staat die Frauen eher in der Ausbildung bevorzugen, damit man später nach Kompetenz anstatt einer Vorschrift einstellen könne. Denn für ihn gebe es nichts Schlimmeres, als das Gefühl zu haben, nur wegen der Quote genommen worden zu sein. Und ob sie zu einer sinnvollen Lösung führe, das bezweifle er.
Theodor Wanner, Geschäftsführer von SensoPart Industriesensorik Gottenheim, spricht sich ebenfalls gegen die gesetzlich geregelte Frauenquote aus. Jemanden einzustellen, der sich letztendlich nicht wohl fühle oder vielleicht nicht genügend qualifiziert sei, fände er nicht gut. Er wünsche sich jedoch, eine Frau in seiner Führungsmannschaft zu haben. Sowohl im Bereich Finanzen und Verwaltung als auch beim Personal könnte er sich eine Frau in Führungsposition sehr gut vorstellen. Und obwohl von seiner Seite nichts gegen die Einstellung einer weiblichen Führungskraft spreche, gehören hohe Positionen bisher ausschließlich Männern. Auch hier würden sich Frauen einfach nicht entsprechend bewerben, meint Theodor Wanner. Das liege wohl daran, dass seine Firma sehr technikbezogen sei, was Frauen weniger interessiere. Das sehe er auch bei seiner Tochter, die Marketing studiere, aber dennoch nicht mit technischen Produkten arbeiten möchte.
Ein Punkt, der eine Karriere für Frauen schwerer mache, sei die Kinderbetreuung. Das Unternehmen selbst sei zu klein, um sie zu gewährleisten und privat sei es oft schwer, eine geeignete Betreuung zu finden. Für flexible Arbeitszeiten sei er allerdings völlig offen. Es gebe auch genug Männer, die nur Teilzeit arbeiten, da sie als Hausmann tätig seien. Zwar könne er nicht jeden Wunsch erfüllen, erklärt Wanner, doch wenn er die Arbeitskraft schätze, werde er ihr entgegen kommen.
Autor: Jenny Leonhard
