Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.
24. Juni 2010
Jetzt geht es um des Pfarrers Zopf
Eichstetter feiern Start der Kirchenrenovierung mit einem Ochsenfest / Pfarrer bietet für Spendenwette seine Haartracht an.
-
Auch die Orgel muss saniert werden: Andreas Fischer vom Förderverein lässt Orgelbauer Tilmann Späth die Orgelpfeifen der Eichstetter Kirche vorstellen. Pfarrer Martin Haßler wettet um seinen Zopf, um so die Spendenbereitschaft für die Kirchenrenovierung anzukurbeln. Foto: CHRISTA RINKLIN
-
Foto: Christa Rinklin
EICHSTETTEN. Während man sich in der Nachbargemeinde Bötzingen gerade vom evangelischen Pfarrhaus und Gemeindehaus verabschiedet, steht den Eichstetter Protestanten eine "Trennung auf Zeit" bevor: Die Kirche wird bis ins nächste Jahr hinein renoviert und steht in dieser Zeit nicht für Gottesdienste zur Verfügung. Zeitgleich wird die historische Orgel demontiert und in March-Hugstetten restauriert.
Ein Festgottesdienst läutete am vergangenen Sonntag die große Kirchen- und Orgelrenovierung ein. Gemeinsam mit Marc Witzenbacher, dem Pressebeauftragten der Badischen Landeskirche, gestaltete Pfarrer Martin Haßler eine würdevolle "Abschiedsfeier", die die Bedeutung des Kirchenraums für den Menschen in den Mittelpunkt stellte. In seiner Festpredigt erinnerte Marc Witzenbacher an die emotionalen Bezugspunkte, die ein jeder Mensch in "seiner" Kirche finde. Auch die Eichstetter Kirche – als ein mit Gebeten erfülltes Haus – sei solch ein heiliger Ort, der zu Recht gepflegt und erhalten werden müsse. Die Gottesdienste werden während der Renovierung an wechselnden Orten gefeiert. Musikalisch bereichert wurde der Gottesdienst vom Eichstetter Kirchenchor, der die "Deutsche Festmesse" von Josef Butz mit kleinem Orchester vortrug. Daneben gab es Trompeten- und Orgeleinlagen.Werbung
Auf die Gottesdienstbesucher wartete derweil schon ein ganzer Ochs am Spieß auf dem Kirchplatz, der in den folgenden Stunden genüsslich verzehrt wurde. Die ganze Nacht über war er schon vorbereitet und schonenden gebraten worden. Das Rahmenprogramm bei den "milden Wintertemperaturen", wie sich Moderator Helmut Schöpflin ausdrückte, hatte einiges zu bieten. Als Turmbläser gaben sich die Mitglieder des Eichstetter Posaunenchors ein Stelldichein, das Saxophon-Sextett des Musikvereins unterhielt mit gute Laune machenden Ohrwürmern.
Informationen entlockte Andreas Fischer, Vorsitzender des Fördervereins für die Orgel, Tilmann Späth von der Firma "Freiburger Orgelbau", die zuletzt Orgeln des Hamburger "Michels" restauriert hat und nun das Eichstetter Schmuckstück unter ihre Fittiche nimmt. Weil der Holzwurm sie in Beschlag genommen hat und sie technisch und klanglich zu wünschen übrig lässt, muss die Orgel dringend restauriert werden. Zehn Mitarbeiter werden dabei Hand anlegen und unter anderem die stillgelegte, mechanische Gebläse-Balganlage reaktivieren. 400 000 Euro würde eine neue Orgel dieser Art kosten. Mit 90 000 Euro für die Restaurierung kämen die Eichstetter gut weg, waren Späth und Fischer einhellig der Meinung.
Weit kostspieliger wird die Kirchenrenovierung. Sie kommt auf 1,8 Millionen Mark, von denen das Land zwei Drittel und damit den Löwenanteil trägt. Die evangelische Landeskirche sowie die Eichstetter Kirchengemeinde müssen jeweils rund 300 000 Euro aufbringen. Froh, dass es endlich mit den Renovierungsarbeiten losgeht, ist jedenfalls Kirchengemeinderatsvorsitzender Wilhelm Rinklin. An allen Ecken und Enden hätten sich Probleme aufgetan, so zum Beispiel desolate Stromleitungen und Risse im Mauerwerk, die vermutlich auf Fundamentabsenkungen zurückzuführen seien, ausgelöst durch den Bau einer Gas-Pipeline entlang der Dreisam im Jahr 2002 und eine Absenkung des Grundwasserspiegels im Hitzejahr 2003. Saniert werden müssen auch das Dachgebälk, der Boden im Kirchenschiff und die historischen Kirchenbänke. Neu installiert werden ein behindertengerechter Eingang auf der Südseite, ein effizienteres Heizsystem, ein WC sowie eine Beleuchtungsanlage.
Damit die noch von Seiten der Kirchengemeinde fehlenden Gelder in Höhe von circa 60 000 Euro für die Kirche und 55 000 Euro für die Orgel zusammenkommen, hat man sich kreative Spendenaktionen ausgedacht. Eine davon trägt das Motto "Der Zopf kommt vom Schopf". Dazu lobte Pfarrer Martin Haßler eine "Publikumswette" aus: "Wetten, dass sich keine 100 Spender finden, die in den nächsten 100 Tagen je 100 Euro spenden. Wenn doch, lasse ich mir meinen Zopf abschneiden." Alle, die ihren Pfarrer künftig mit einem flotten Kurzhaarschnitt haben wollen, sind also zum Handeln aufgefordert.
Autor: Christa Rinklin


