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23. November 2009

Kiechle-Preis für Bürger-Engagement

Zum zweiten Mal wurden in Eichstetten Initiativen ausgezeichnet, die mit neuen Ideen für ihre Gemeinden positiv auffielen

  1. Foto: Mario Schöneberg

  2. Foto: Mario Schöneberg

EICHSTETTEN/GOTTENHEIM. Die Nachbarschaftshilfe "Hilfe von Haus zu Haus" von der Bodenseehalbinsel Höri erhielt am Freitagabend im Rahmen einer Feierstunde in der Eichstetter Schulaula den Gerhard-Kiechle-Preis 2009. 29 Initiativen und Vereine hatten sich um diese Auszeichnung beworben. Ein Sonderpreis ging zudem an die Aktion "gemeinsam@gottenheim".

Erst zum zweiten Mal nach 2007 wurde der Gerhard-Kiechle-Preis von der 2005 eigens hierfür gegründeten Eichstetter Bürgerstiftung vergeben. Die Stiftung wurde anlässlich der Zur-Ruhesetzung von Gerhard Kiechle nach 24 Jahren als Eichstetter Bürgermeister ins Leben gerufen. Kiechle gilt als Initiator des beispielhaften bürgerschaftlichen Engagements in Eichstetten.

Der Preis solle nun auch anderen Gemeinden Anstöße geben und bürgerschaftliches Engagement fördern, betonte Bürgermeister Michael Bruder wähernd seiner Begrüßung. Die Anwesenheit vieler hochrangiger Gäste bezeuge die Wichtigkeit, die ehrenamtlichem Engagement heute in Zeiten wirtschaftlicher Probleme beigemessen werde. In der sich in vielen Gemeinden immer öfter herausbildenden "Bürgerkommune" sieht Professor Konrad Maier von der evangelischen Fachhochschule Freiburg die Antwort auf die Globalisierung. Trotz weit reichender globaler Vernetzung hänge doch das allgemeine Wohlergehen gerade von lokalen Ereignissen ab, betonte der Politologe in seinem Festvortrag. Viele Probleme ließen sich heute nicht mehr hoheitlich, sondern nur auf lokaler Ebene lösen. Und das obwohl sie immer komplexer würden und es in der überregionalen Politik immer weniger echte Mitbestimmung des Einzelnen gebe. Letztlich, so konstatiert Maier, löst die Bürgerkommune lokale Probleme, verringert das Defizit an echter Demokratie und – ganz entscheidend – erhöht auch die Lebensqualität der engagierten Bürger. Sie sei dabei aber nicht zwingend kostensparend und fordere auch stets einen gewissen Machtverzicht seitens der Verwaltung. Die Laudatio auf den Preisträger, die "Hilfe von Haus zu Haus" hielt anschließend Jurymitglied Paul Witt. Dabei handelt es sich um eine Initiative der katholischen Landfrauenbewegung, der katholischen und evangelischen Kirchen sowie der politischen Gemeinden der vorderen und mittleren Höri, die ein innovatives Konzept habe, um älteren Menschen bezahlbare Betreuung und Begleitung, Familien und Behinderten Hilfe und Unterstützung sowie Kindern Betreuung zu ermöglichen, erläuterte der Rektor der Hochschule für öffentliche Verwaltung in Kehl.

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Zudem werden Arbeitsplätze für Frauen geschaffen
Außerdem würden so Arbeitsplätze – besonders für Frauen – im ländlichen Raum geschaffen. Der Verein, der 2003 nach zwei Jahren intensiver Vorarbeit startete, habe heute 180 Mitglieder, 52 Helfer leisteten pro Jahr mehr als 9000 Arbeitsstunden – von der häuslichen Betreuung bis hin zum Seniorentreff, einem Mittagstisch, Kindergruppen und einer Babysitter-Vermittlung. Besonders würdigte Witt auch die Leistungen der Vorsitzenden Maria Hensler sowie ihrer Einsatzleiterinnen Manuela Cris, Gertrud Staudenmeier und Monika Engelmann. "Vielen Dank, die Auszeichnung tut uns gut", meinte die siebenfache Mutter Maria Hensler, die sich zudem sehr in der katholischen Landfrauenbewegung engagiert. In der Nachbarschaftshilfe spüre sie, dass viele die Arbeit aus Liebe zu den Menschen machten: "Wenn das Schule macht, kann dies die Welt verändern".

Die Begründung für den Sonderpreis an die Gemeinde Gottenheim und ihre Aktion "gemeinsam@gottenheim" lieferte Helmut Schöpflin. In einem Dorf mit derzeit rund 2600 Einwohnern, mit heterogener Struktur – vielen Alteingesessenen und Neubürgern, inklusive dem Spagat der Verwaltung die Erwartungen der Bürger und die finanziellen Möglichkeiten unter einen Hut zu bringen, sei es gelungen, den Gemeinsinn zu aktivieren, erläuterte der Sprecher der Bürgerstiftung. Die Menschen würden nicht mehr nur konsumieren, sondern selbst etwas für ihre Gemeinde tun. Entstanden seien daraus eine Vielzahl von Projekten, Ausstellungen, Putz-Aktionen, ein Bolzplatz, Postkarten, Kinderprogramme und Dorfverschönerungsaktivitäten, auch eine Kulturszene habe sich etabliert, so Schöpflin. In fester Struktur bestünden mehrere Projektgruppen, deren Vertreter auch zur Preisverleihung geladen waren. Dies seien unter anderem: "Alt & Jung begegnen sich", "Bürgerscheune", "Dorfverschönerung und Tourismus", "Dorfgeschichte", "Gottenheims Kinder", "Naturschutz / Heil- und Kräuterweg", "Kultur- und Bildungszentrum". Die bisher ausgezeichneten Initiativen seien immer nur auf ein Thema bezogen gewesen, die Vielzahl der unterschiedlichen Bereich, die in Gottenheim berührt würden, rechtfertigten den Sonderpreis, erklärte Schöpflin. Der Stiftungssprecher betonte, bürgerschaftliches Engagement habe nur nachhaltigen Erfolg, wenn die politisch Verantwortlichen inklusive eines mutigen innovativen Bürgermeisters dies wollen, ihren Bürgern etwas zutrauten.

Autor: Mario Schöneberg