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18. Januar 2012
Mehr Helligkeit und Raum im Kirchenschiff
Nach fast eineinhalbjähriger Renovierungszeit wird die evangelische Kirche in Eichstetten am Sonntag feierlich wieder bezogen / Auch die Orgel wurde saniert.
EICHSTETTEN. Nach eineinhalbjähriger Renovierungszeit hat die evangelische Kirchengemeinde wieder ihr Gotteshaus als feste Bleibe. Ein angenehmes Asyl in der katholischen Kirche, erlebnisreiche gottesdienstliche Wanderstationen, die Einhaltung des Zeitplans und auch des veranschlagten Investitionsvolumens lassen das Pfarrerehepaar Martin und Irene Haßler eine positive Bilanz ziehen.
Die erste gute Nachricht: In der evangelischen Kirche wird man künftig nicht mehr auf der Empore schwitzen und unten im Kirchenraum frieren müssen. Der Grund ist eine neue Gasheizung mit acht im Boden verteilten Wärmetauschstationen, die für eine gleichmäßige Wärmeverteilung sorgen. Davon konnten sich die Gemeindemitglieder schon an Weihnachten überzeugen. Damals gab es schon vorab einen ersten Gottesdienst in der frisch renovierten Kirche, die nun am Sonntag, 22. Januar, mit einem Festgottesdienst wieder eingeweiht wird.Die im Juli 2010 in Angriff genommene Sanierung galt vor allem auch dem Dachstuhl, der statische Probleme aufwies. Ein komplettes Abtragen des Daches konnte vermieden werden, jedoch barg der Stahldachstuhl eine unangenehme Überraschung: Bleistaub, als Altlast eines Rostschutzanstriches, musste aufwendig beseitigt werden. Diese Mehrkosten von mehreren zigtausend Euro muss nicht die Kirchengemeinde alleine tragen. Unerwartet war auch die Sanierung der teilweise morschen Dachschwellen, die sich aufgrund der Last des Daches und eines Konstruktionsfehlers nach außen gedreht hatten, berichtet Martin Haßler. Komplett saniert wurde nur das Chordach; alle restlichen Ziegel erstrahlen nach einer Hochdruckreinigung in neuem Glanz.
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Besonderes Augenmerk legte man auf die Restaurierung der mit Medaillons verzierten Decke des Kirchenschiffs. Die auf Leder angefertigten Malereien waren teilweise durch Austrocknung beschädigt. Die Decke erhielt zudem eine Wärmedämmung zum Dachboden hin. Zur Stabilisierung der Südmauer ließ der Bauherr – das Amt Vermögen und Bau des Landes in Freiburg – einen zwölf Meter langen Anker einbringen und Risse verpressen.
Viel zu tun gab es für die Handwerksfirmen unter der Regie von Architekt Karl-Heinz Theißen im Kirchenschiff. Verschwunden ist der lange rote Teppich, stattdessen empfängt ein aus regionalem Sandstein gefertigter Boden die Besucher, der im Bereich der Kirchenbänke in Holzdielen übergeht. Die Bänke selbst wurden deutlich aufgehellt und an den Seiten gekürzt, so dass in allen Gängen problemlos mit Kinderwagen, Rollstuhl oder Rollator rangiert werden kann. Die ersten drei Bankreihen wurden zudem entfernt und durch Stühle ersetzt, so dass der Chorraum in das Kirchenschiff hinein verlängert werden konnte. Besondere Gottesdienste und Aufführungen lassen sich dadurch flexibler gestalten. Besucher, die auf einen ebenerdigen Zugang angewiesen sind, finden diesen am Südeingang vom Friedhof her. Ein Novum ist auch eine unter der Treppe des rechten Seiteneingangs installierte Toilette. Zur Freude des Kirchendieners wurde die elektrische Anlage erneuert und lässt sich jetzt zentral vom Haupteingang aus steuern.
Viel ereignet hat sich im Chorraum. So hat man dort nicht nur eine "Kirche unter der Kirche" – Reste eines Vorgängerbaus – entdeckt und dokumentiert, sondern auch den alten Altar versetzt. In hellem Lindenholz erstrahlt eine neue Komposition aus mobilem Altar, Ambo, Ständer für die Osterkerze und Kreuz, gefertigt von dem Tettnanger Künstler Hubert Kaltenmark, der sich von einem Ährenfeld inspirieren ließ. Der Chorraum lässt sich fortan für 40 Personen bestuhlen und als Kapelle für kleine Andachten nutzen. Dann hat der alte Altar wieder seine Funktion.
Rund 1,8 Millionen Euro umfasst die ganze Renovierung, von denen 300 000 von der Kirchengemeinde aufzubringen sind. Doch hier haben die Haßlers allen Grund zum Strahlen. "Die Spendenbereitschaft der Eichstetter ist wirklich sehr groß, so dass uns nur noch etwa 25 000 Euro fehlen", erzählt Martin Haßler. Gemeinsam mit seiner Frau blickt er zurück auf spannende eineinhalb Jahre, in denen auch die evangelische und katholische Kirchengemeinde zusammengewachsen seien. Mit der "rollenden Sakristei" habe man in Winzerhöfen, Firmen, Vereinsheimen und sozialen Einrichtungen Gottesdienste gefeiert und dabei auch einmal Menschen erreichen konnten, die eher durch Gottesdienste mit "Event-Charakter" angesprochen werden.
Neben der Kirche selbst wurde auch die Orgel saniert, die dazu komplett ausgebaut worden war. Sie stammt von dem Orgelbauer Johann Heinrich Schaefer aus dem Jahr 1866 und entspricht, bis auf einen 1930 auf elektrischen Antrieb umgestellten Blasebalg, voll der Technik des 19. Jahrhunderts. Die Orgel wurde ab September 2011 wieder eingebaut und erstmals wieder zum Weihnachtsgottesdienst gespielt. Für die Kosten ihrer Sanierung werden vom 2004 gegründeten Förderverein weiterhin Spenden gesammelt, auch beim Orgelkonzert am Sonntag.
Am Sonntag, 22. Januar findet um 10 Uhr die Schlüsselübergabe mit anschließendem Festgottesdienst und Tag der offenen Kirche mit Orgel- und Kirchenführung statt. Mitwirkende sind Prälatin Dagmar Zobel, beide Kirchenchöre und der Posaunenchor. Um 19.30 Uhr gibt Stefan Pöll ein Orgelkonzert.
Autor: Christa Rinklin


