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23. Februar 2016

Landtagswahl

Eicke Weber, Freiburger FDP-Landtagskandidat, hält an Bündnis mit den Grünen fest

Von der Absage der FDP zu einer Ampelkoalition zeigt sich Eicke Weber enttäuscht - warum, erklärt er im Interview.

  1. FDP-Landtagskandidat Eicke Weber Foto: Privat

Das Votum auf dem FDP-Parteitag am Wochenende war eindeutig: Ja zum Bündnis mit der CDU, notfalls auch mit der SPD. Mit den Grünen können sich die Liberalen eine Koalition dagegen nicht vorstellen. Eicke Weber, FDP-Landtagskandidat für den Freiburger Westen, ist da anderer Meinung. Mit Sina Gesell hat er über seine Enttäuschung gesprochen und erklärt, warum er ein Bündnis mit Grün weiterhin für möglich hält.

BZ: Herr Weber, die FDP hat auf ihrem Landesparteitag einer Koalition unter Federführung der Grünen eine Absage erteilt. Sie dagegen haben sich mehrfach für eine Zusammenarbeit ausgesprochen. Was halten Sie vom Beschluss der FDP?
Weber: Ich kann aus meiner Enttäuschung über das, was in Pforzheim passiert ist, keinen Hehl machen. Dennoch steht im Beschluss nicht, dass die FDP eine Koalition mit den Grünen kategorisch ablehnt, sondern lediglich, dass sie es sich nicht vorstellen kann. Die Fraktion wird nach der Landtagswahl eine andere sein als die, die jetzt im Landtag sitzt. Ich hoffe, genügend Unterstützung aus Freiburg zu bekommen, um da mitreden zu können …

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BZ: … und weiterhin auf eine Koalition mit den Grünen zu pochen?
Weber: Mir geht es um mehr als um die Frage: Ampel oder keine Ampel? Strategisch und langfristig ist es für die FDP sehr wichtig, mit allen demokratischen Parteien koalitionsfähig zu sein, auch mit den Grünen. Ich bedauere, dass sich die FDP als Mehrheitsbeschaffer und Steigbügelhalter einer Großen Koalition versteht. Dabei sollten CDU und SPD eigentlich Regierung und Opposition bilden.
BZ: Die FDP ist beim Landesparteitag sehr geschlossen aufgetreten. Es gab nur eine Gegenstimme.
Weber: Und die kam vom Landeschef der Jungen Liberalen. Das ist auch eine Aussage. Schließlich sind sie unsere Zukunft. Allgemein glaube ich, dass es sinnvoll war, den Beschluss des Vorstands zu unterstützen – und der sieht eben vor, eine Koalition mit der CDU zu bevorzugen. Durch die Entscheidung in Pforzheim kann es aber durchaus dazu kommen, dass Grün mehr Stimmen als Schwarz bekommt, weil sich die Wähler sagen: Wenn wir Kretschmann behalten wollen, wählen wir lieber gleich Grün, bevor wir das über einen Umweg tun.
BZ: Sind Sie selbst – gerade nach dem jüngsten Beschluss der FDP – nicht sowieso besser bei den Grünen aufgehoben?
Weber: Nein. Ich sehe auch nicht, dass die Grünen mich bräuchten. Das Thema, das mir am Wichtigsten ist, ist das "Blaue Wachstum", also eine Verbindung zwischen Ökonomie und Ökologie. Das könnte ich auch in einer Koalition mit Schwarz-Rot einbringen. Bei der FDP kann ich zudem ganz klar einen größeren Unterschied machen als bei den Grünen. So eine wesentliche Entwicklung, wie sie mir vorschwebt, kann man nicht in einem halben Jahr hinbekommen. Nach wie vor wird mir in der FDP sehr viel Positives widergespiegelt. Deshalb glaube ich, dass ich eine gute Chance habe, diese Richtung in der Partei durchzusetzen. Dafür muss ich mit einem starken Mandat nach Stuttgart kommen. Mit einem schwachen Abschneiden in Freiburg wäre mein Projekt gescheitert.

Eicke Weber (66) ist Landtagskandidat der FDP für Freiburg II, aber kein Mitglied. Zur Begründung sagt er: Er sei überzeugter Liberaler, wolle der FDP aber erst beitreten, wenn seine Konzepte vom Mainstream der Partei unterstützt würden. Der Physiker gibt in diesem Jahr die Leitung des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme (ISE) ab. Er lebt mit seiner Frau in der Wiehre.

Autor: sge