Zusammenschluss

Frauen in drei Kommunen ermutigen Frauen zur Kandidatur

Victoria Langelott

Von Victoria Langelott

Fr, 11. Januar 2019 um 09:00 Uhr

Efringen-Kirchen

Alle Parteien und Gruppierungen suchen derzeit Bewerber für die Gemeinderatswahl am 26. Mai. Es ist besonders schwierig, Kandidatinnen zu gewinnen.

Allen, die derzeit unterwegs sind, um Kandidaten zur Kommunalwahl am 26. Mai zu werben, fällt es auf: Bewerber zu gewinnen, ist nicht einfach, bei Bewerberinnen aber wird es richtig schwierig. "Keine Zeit", heißt es dann oder: "Meine Kinder sind noch klein". Die BZ hat drei Gemeinderätinnen nach ihren Erfahrungen und ihrem Rat an Frauen gefragt.

Nur in Eimeldingen ausgewogen

Das derzeitige Gemeindeparlament in Efringen-Kirchen ist 24 Räte groß, dazu gehören nur fünf Frauen – drei von den Grünen, zwei von der SPD/U-Fraktion. Unter den acht Fischinger Ratsmitgliedern ist eine Frau. Nur im derzeit etwas verkleinerten Eimeldinger Acht-Räte-Gremium – dort fehlten Nachrücker für ausscheidende Mitglieder – ist das Verhältnis zwischen Männern und Frauen ausgewogen. Alle Parteien und Listen sind derzeit auf Bewerbersuche. Wer sich eine Kandidatur vorstellen kann, meldet sich am besten bei einem amtierenden Gemeinderat.

"Die Arbeit ist spannend und man lernt viel." Irmtraud Töppler
Als Irmtraud Töppler vor 30 Jahren das erste Mal für den Gemeinderat Efringen-Kirchen kandidierte, hatte sie zwei kleine Kinder daheim und war mit dem dritten schwanger. Zudem arbeitete sie als Rechtsanwältin. Für sie war all das kein Grund, nicht zu kandidieren. "Ich war schon immer ein politisch denkender Mensch," erklärt sie, "mich interessierte, was um mich herum geschah." Aus ihrem Elternhaus war sie das gewohnt. Dass man sich als Gemeinderätin mit entscheidenden kommunalpolitischen Themen vertraut machen, sich einlesen muss, dass in der Regel einmal monatlich abends Gemeinderatssitzungen zu besuchen sind, das dürfte doch meist machbar sein, findet sie. Und an die eigenen kommunalpolitischen Anfänge zurückdenkend ergänzt sie: "Mein Mann war ja daheim, um auf die Kinder aufzupassen." Wie erklärt sie sich, dass Frauen oft eine Kandidatur scheuen? "Vielleicht wollen sie perfekt sein, sie wollen alles gut durchdacht haben," überlegt Irmtraud Töppler. Sie selbst hat aber die Erfahrung gemacht, dass es gar kein Problem ist, eine einmal vertretene Meinung später korrigieren zu müssen. "Dann sagt man einfach ehrlich, dass einem bei einer Entscheidung bestimmte Aspekte nicht bekannt waren." Vielleicht, vermutet sie, falle es Männern auch leichter zu kandidieren, "weil sie sich gerne profilieren. Für Töppler selbst ist nach 30 Jahren nun Schluss, sie wird nicht mehr antreten, aber sie wollte die Zeit im Gemeinderat niemals missen und kann Frauen nur dazu ermutigen: "Die Arbeit ist spannend, macht Spaß und man lernt wahnsinnig viel über Zusammenhänge".

"Bedenken sind grundlos, das Pensum ist machbar." Martina Bleile
"Bedenken sind grundlos, jede Frau kann als Gemeinderätin tätig sein," ist Martina Bleile überzeugt. Auch ihr fällt es gerade aber auf: Spricht man Frauen auf eine Kandidatur an, winken sie anders als Männer sofort ab. Viele nennen die Familie als Grund. Offenbar fühlten sich Frauen auch heute noch besonders verantwortlich für Heim und Kinder. Aber die Sorge sei unbegründet, der zeitliche Aufwand für das Ehrenamt sei überschaubar. Zumal Bürgermeister Friebolin die Themen gut vorbereite. Und Mütter kleiner Kinder kann sie beruhigen: "Sollte wirklich mal ein Kleinkind krank sein und die Mutter brauchen, darf man sich bei einer Sitzung auch mal entschuldigen." Als Bleile 2014 in Eimeldingen kandidierte, waren ihre Tochter 14, der Sohn 12 Jahre alt, daher war ihre Abwesenheit abends gar kein Problem mehr. "Wenn man Ideen hat und Lust darauf, sie einzubringen, kann man bei einer so kleinen Gemeinde einiges bewegen", hält Martina Bleile fest, die als Diplomverwaltungswirtin beim Landratsamt arbeitet.

""Man hat gute Möglichkeiten, etwas zu bewirken."

Anke Hollnagel
Anke Hollnagel ist für eine mittelständische Schweizer Pharmafirma tätig und Mutter dreier Kinder. 2007 war sie nach Fischingen gezogen und entschloss sich gleich 2009 zur Kandidatur, die Kinder waren da ein, drei und fünf Jahre alt. "Mein Mann hat mich unterstützt", sagt sie. Ihr Vater habe sich schon in einem Kommunalparlament engagiert, die Aufgabe war ihr vertraut. "Und als Neuzugezogene war es für mich eine gute Möglichkeit, mich im Dorf zu integrieren und es kennenzulernen". Sie möchte sich auch diesmal wieder auf der Fischinger Liste bewerben und kann dies anderen Frauen nur auch empfehlen. Das Pensum sei mit Sitzungen einmal pro Monat machbar, das Klima im Fischinger Rat gut. "Man hat einfach auf der kommunalpolitischen Ebene eine gute Möglichkeit, etwas zu mitzugestalten und zu bewirken." Frauen und junge Mütter seien ehrenamtlich schon sehr aktiv, ist ihre Beobachtung. Im Kindergarten oder in der Schule etwa übernähmen sie viele Aufgaben, das werde oft nicht gesehen und nicht wertgeschätzt. Das Ehrenamt eines Gemeinderats sei sichtbarer. Dass Frauen sich genau vor der Sichtbarkeit vielleicht scheuen, kann sie nachvollziehen. Die Sorge sei aber unbegründet, findet sie aus ihrer eigenen Erfahrung. Die Chancen für die Frauen, ihre Sichtweisen ins Gremium einbringen zu können, überwögen etwaige Risiken doch bei Weitem. Es sei enorm wichtig, dass verschiedene Bevölkerungsgruppen im Gemeinderat repräsentiert sind, Frauen, Männer, Ältere, Jüngere, verschiedene Berufsgruppen. Sie sei damals gut aufgenommen worden, und wer kandidiere, werde mit offenen Armen empfangen. "Das Engagement wird wertgeschätzt und das sollte auch so sein."