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12. September 2017

Ein Abend der großen Gefühle und großen Töne

Kammermusik mit russischem Programm auf Schloss Beuggen.

  1. Der Geiger Kirill Sharapov, die Pianistin Tatiana Pavlichuk und der Cellist Denis Severin spielten ein russisches Programm. Foto: Roswitha Frey

In dunkler Moll-Stimmung schwelgten die Musiker beim jüngsten Schlosskonzert Beuggen: Der Geiger Kirill Sharapov, die Pianistin Tatiana Pavlichuk und der Cellist Denis Severin, alle aus der Ukraine stammend, führten ein russisches Programm auf: Große Gefühle, großer Ton, durchzogen von tiefer Melancholie, prägten diesen Kammermusikabend.

Schon im Trio Elégiaque Nr. 1 g-Moll von Rachmaninow schöpften die Interpreten mit aller Intensität, Ausdruckstiefe und Hingabe den emotionalen Gehalt und die elegische Grundstimmung dieser tieftraurigen Musik aus: ein Schwelgen in Schwermut. Voll und satt, kräftig und gefühlsbetont klingt der Ton des Geigers aus Kiew, deutlich geprägt von der russischen Schule. Zu diesem Geigenstil passt ideal Severins Cellospiel, weit ausholend in der Geste, sonor strömend, voller Leidenschaftlichkeit und Eindringlichkeit. Auch von Seiten der Pianistin entwickelt diese Rachmaninow-Interpretation eine aufwühlende Emotionalität in den heftigen, leidenschaftlichen Ausbrüchen. Die beiden Streicher und die Pianistin dringen mit Empfindungskraft und Vehemenz in die Tiefe dieses melancholischen einsätzigen Werks vor, das die Zuhörer hineinzieht in einen dunklen, mächtigen Strom, der ganz leise und elegisch verebbt.

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Nicht minder bewegend und bewegt war die Interpretation der Drei Stücke für Violine und Klavier "Souvenir d’un lieu cher" von Tschaikowsky. In diesen Stücken entfaltete Kirill Sharapov mit irisierender Klangwirkung und bohrender Intensität ein bezwingend facettenreiches geigerisches Ausdrucksspektrum: vom expressiven, ganz auf Gefühl setzenden Geigenklang in der "Méditation" über den virtuosen, vehementen Zugriff in den irrwitzig schnellen Passagen des Scherzos bis zur mit geschmeidiger Bogenführung und schönem, sehnsüchtigem Ton ausgesungenen "Melodie". Im Zusammenspiel spürte man das intensive und vertraute Korrespondieren dieses Musikerpaares.

Zum Abschluss erklang das Trio für Klavier, Violine und Cello d-Moll des russischen Spätromantikers Anton Arenskij, der Lehrer von Rachmaninow und Freund von Tschaikowsky war. Ein Werk in dunklen Farben, wie geschaffen für drei so technisch exzellent und emotional aufwühlend spielende Ausdrucksmusiker wie Sharapov, Severin und Pavlichuk. Sie trafen den schwermutsvollen Charakter, den dunkel lastenden, von Elegischem erfüllten Grundton, die "russische Seele" und das russische Feuer in diesem viersätzigen Werk und loteten mit nie nach lassender Spannung die Gefühlswelten aus. Die Streicher legten im ausgedehnten Kopfsatz einen großen, schwelgenden, satten Klang vor, die Pianistin ragte durch klaren, prägnanten Anschlag und kraftvoll wogendes Spiel hervor, so dass sich eine Klanggemeinschaft von elektrisierender Intensität ergab. Besonders wirkungsvoll geriet das lichtvoll aufgeheiterte, sehr pointiert und akzentuiert gespielte Scherzo mit seinen effektvollen Pizzicato-Stellen. Tiefdunkle Klage, Trauer, Schmerz dann in der Elegia mit ihrem wehmütigen, sonoren Cellogesang und dem Melos der Geige.

Im Finalsatz brach sich in den vehementen Ausbrüchen dann das Virtuosen-Temperament der drei Interpreten in aller Heftigkeit und spannungsgeladenen Gesten Bahn. Als Zugabe nach dem großen Beifall wurde das Scherzo wiederholt, das beim Publikum auf besonderes Wohlgefallen stieß.

Autor: Roswitha Frey