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24. Juli 2012

Ein besonders rastloser Hofabend

Dunkle Wolken, tröpfelnder Regen: Die meisten Kurzkonzerte der "Haslacher Hofmusik" fanden in diesem Jahr eher drinnen statt.

  1. Dudelsäcke drinnen statt draußen: Ian Harrison und Gesine Bänfer in der Melanchthonkirche. Foto: Rita eggstein

  2. Umzug mit Geigen: Agata Riley und Remi Alarcon im Melanchthonzentrum. Foto: Rita Eggstein

HASLACH. Das Unterwegssein gehört bei der Haslacher Hofmusik dazu: Einen Abend lang schlendern alle von Hof zu Hof. Am Samstag war das beliebte Ereignis, das zum neunten Mal stattfand und wie immer von der "Haslacher Wundertüte" mitsamt vielen anderen Helferinnen und Helfern organisiert wurde, durch besondere Rastlosigkeit geprägt. Wegen des Regens zogen Musiker und Zuhörer in den meisten Höfen nach drinnen um. Trotz dieser Bedingungen waren wieder Hunderte dabei.

Kurz bevor der Regen kommt, genießen Julie (10) und ihre Mutter Ute Hauser das idyllische Flair im Kaiserhof an der Christophstraße: Hinterm Gartentor geht’s – vorbei an einem schnuckligen Gartenhäuschen – weiter zu Geigenklängen unter Bäumen. Als sich Julie und ihre Mutter mit dem Rad zum nächsten Hof aufmachen, werden die Wolken dunkler, es tröpfelt. Agata Riley und Remi Alarcon, die sonst im Philharmonischen Orchester geigen, packen Instrumente und Notenständer ein und spazieren mit ihrem rund 30-köpfigen Publikum rüber zum Melanchthon-Gemeindezentrum.

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Dort ist auch vor dem Eingang, durch den nun alle strömen, schon einiges im Gang. Auf der Wiese stehen Tische und Bänke, unter einem weißen Zeltdach beginnen Grills zu brutzeln. Brigitte Schäfer legt fünf Stück Margarine aufs Blech, mit Renate Eisele wird sie nachher Steaks und Würstchen braten, für Vegetarier gibt’s Couscous-Salat. Die zwei gehören zu 30 ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern, die rund um die Beschäftigungsinitiative und das Stadtteilbüro – die beide zum Verein "Nachbarschaftswerk" gehören – für die Haslacher Hofmusik im Einsatz sind. Und das sehr bewährt: Renate Eisele, die das Jahr über auch beim "Mittagstisch" mithilft, ist seit sechs Jahren dabei, Brigitte Schäfer seit neun Jahren. Diesmal gehört wegen des Wetters etwas Bangen dazu. Immerhin sollen durch den Verkauf zumindest die Kosten für die Zapfanlage, Bänke und sonstige Infrastruktur eingenommen werden.

Doch bei der nächsten Etappe in der evangelischen Melanchthonkirche wird klar, dass wahre Hofmusikfans auch dann mit dabei sind, wenn die Höfe ausfallen: Die Kirche füllt sich bis auf den letzten Platz, als Gesine Bänfer und Ian Harrison mit ihren "magic pipes" – "magischen Dudelsäcken und anderen Pfeifen" – ein "unterhaltsames Gesprächskonzert" starten. Zwei Frauen schleppen eine der Bänke vom lauschigen, verlassenen Melanchthon-Innenhof herein, an der Tür stehen immer mehr Menschen, die drinnen nicht unterkommen. Nur ab und zu steht jemand auf und zieht weiter zum nächsten Kurzkonzert – Julie und ihre Mutter zum Beispiel machen es auch hier wieder so. Andere lassen sich dauerhaft einfangen von Klängen und Geschichten rund um Dudelsäcke, die längst nicht nur in Schottland daheim sind, sondern auch in Galizien regelmäßig nach Gottesdiensten gespielt werden. In der Melanchthonkirche indes erinnert ein Wahrzeichen der Organisatoren daran, wer die Dudelsäcke hierher gebracht hat: Mathilde Brennecke hält eine der knallbunten Filztüten, die alle "Wundertüte"-Engagierten erkennbar macht. Sie sammeln Spenden, denn zumindest die Musiker müssen an diesem Abend bezahlt werden.

Trotz des Wetters gibt’s für Hardcore-Fans von reizvoller Hofatmosphäre einen Trost: In "Elkes Hinterhof" hinter einem unscheinbaren Tor an der Uffhauser Straße wachsen blühende Topfpflanzen vor sich hin, dahinter stehen und sitzen rund 50 Menschen. Hier präsentiert das "Ensemble Alarm" avantgardistische, frisch komponierte Töne und Klänge. Als alles vorbei ist, müssen sich die Helfer am Melanchthon-Zentrum keine Sorgen mehr machen – es ist kühl, aber trocken, am Grill entsteht eine sehr lange Schlange.

Autor: Anja Bochtler


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