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30. Juni 2012
Ein bisschen Ruß bleibt immer kleben
BZ-AUSBILDUNGSSERIE: Andreas Janssen ist bei vielen Kunden willkommen, denn als Schornsteinfeger gilt er als Glücksbringer.
EISENBACH. Bin ich handwerklich begabt? Kann ich gut mit Kunden umgehen? Oder liegen mir Verwaltungsaufgaben? Solche Fragen stellen sich Jugendliche, wenn sie Bewerbungen schreiben. Die Arbeit soll nicht nur Konto und Kühlschrank auffüllen, sondern den, der sie macht, auch noch ausfüllen. Aber woher weiß man, was zu einem passt? Die BZ stellt in einer Serie Auszubildende in verschiedenen Berufen vor, die man im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald lernen kann.
Das Gesicht wird von alleine schmutzig. Geht ganz schnell. Ein Schwall Rauch und Ruß wabert aus dem Kamin. Andreas Janssen nimmt’s gelassen, er weiß, worauf er sich eingelassen hat. Der 18-Jährige macht eine Ausbildung zum Schornsteinfeger. Er lernt im Meisterbetrieb von Bezirksschornsteinfeger Bruno Winterhalder in Eisenbach und ist einer von wenigen Lehrlingen in der Branche. Seine dreijährige Ausbildung hat er fast geschafft, nur die Abschlussprüfung muss er noch bestehen. Der junge Mann freut sich, bald als Geselle arbeiten zu können, eine Stelle ist ihm sicher.Heute ist er mit seinem Chef auf Tour durch den Kehrbezirk, zu dem rund 2500 Kunden gehören. Erste Station ist Rötenbach. Der Hausbesitzer öffnet die Haustür und lächelt: "Kommen Sie herein, möchten Sie etwas trinken?" Schnell wird klar: Schornsteinfeger sind gern gesehene Gäste. Denn die Handwerker gelten als Glücksbringer. Wie anspruchsvoll das Berufsbild des "schwarzen Mannes" ist, wissen aber nur wenige. Längst besteht ihre Arbeit aus weit mehr, als nur Kamine und Schlote auszukehren. "Der Beruf ist in den vergangenen Jahren sehr anspruchsvoll geworden", sagt Bruno Winterhalder. Heute sei viel technisches Wissen gefragt. So müssen die Experten etwa Abgasmessungen an den Heizungen vornehmen und sich in den Themen Brandschutz, Baurecht und Klimaschutz auskennen.
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Der Blick gen Himmel verheißt einen angenehmen Arbeitstag auf den Dächern. Bei Sonnenschein absolvieren Lehrling und Meister ihren ersten Termin. Das ist nicht immer so. Wem schlechtes Wetter etwas ausmacht, ist falsch in diesem Beruf, sagt Andreas Janssen. Auch bei Wind und Regen dürfe man Kunden nicht warten lassen. Runter in den Keller zum Messen, rauf auf den Dachboden und aufs Dach zum Kehren. Für die Arbeit ist körperliche Fitness vonnöten. "Auch schwindelfrei muss man sein", erklärt der Auszubildende, während er den Besen in den Schornstein einführt und das Kaminrohr säubert.
Jeder Haushalt ist verpflichtet, den Kamin regelmäßig zu reinigen, weil bei zu viel Ruß Brände entstehen können. Eine Rußwolke steigt auf, es ist schmutzig. "Es gibt gute Seifen, aber ein bisschen Ruß bleibt immer kleben", weiß der junge Mann, der zunftgerecht ganz in Schwarz gekleidet ist. Übrigens: Den typischen Zylinder dürfen nur die Meister tragen. Die klassische Kopfbedeckung der Schornsteinfeger ist kein Modegag. Vielmehr dient der hohe Hut als Warnung vor so manchem tiefen Balken auf Dachböden. "Ich finde es schön, einen Beruf zu erlernen, der Tradition und Technik miteinander verbindet", betont Andreas Janssen, der allerlei Messgeräte bedienen können muss. Außerdem ist er viel im Freien und lernt die verschiedensten Menschen kennen, zählt er positive Seiten seines zukünftigen Berufes auf. Seit er in der achten Klasse ein Praktikum absolviert hat, weiß Andreas Janssen, dass er Schornsteinfeger werden möchte. Seine Erwartungen haben sich erfüllt: "Der Beruf ist unheimlich vielseitig und dynamisch, da sich die Technologien in der Energie- und Wärmebranche ständig weiterentwickeln." Das erfordert einiges Wissen und Andreas Janssen muss viel büffeln. Blockunterricht hat er in der Berufsschule in Ulm, wo Fächer wie Physik, Technologie oder Rechtskunde auf dem Stundenplan stehen.
Derzeit besuchen bundesweit rund 1700 Auszubildende eine der zwölf zertifizierten Schornsteinfegerschulen. Ginge es nach dem Wunsch des Bundesverbandes des Schornsteinfegerhandwerks in Sankt Augustin, könnten es ruhig noch mehr junge Leute sein, die sich für diesen Beruf entscheiden. "Wir haben großen Bedarf an Nachwuchs", sagt auch Bruno Winterhalder. Vor allem der weibliche Anteil der Auszubildenden könnte gerne noch steigen. In der Klasse von Andreas Janssen gibt es nur eine Frau unter den 35 Schülern aus ganz Baden-Württemberg. Am Ende der dualen Ausbildung steht die Gesellenprüfung, in der Andreas Janssen beispielsweise die Betriebs- und Brandsicherheit einer technischen Anlage messen, überprüfen und dokumentieren muss. "Wer sich für den Beruf des Schornsteinfegers interessiert, sollte höflich, freundlich und offen sein, da man sehr viel mit Kunden zu tun hat", erklärt Bruno Winterhalder, und ergänzt: "In Zukunft wird es für den Betreiber von Feuerungsanlagen immer wichtiger, einen vertrauensvollen, zuverlässigen und neutralen Ansprechpartner zu haben."
DER BERUF: Schornsteinfeger
kann werden, wer mindestens einen Hauptschulabschluss hat. Gearbeitet wird nach der dreijährigen Ausbildung in der Regel in einem Handwerksbetrieb. Während der Ausbildung verdienen Lehrlinge zwischen 470 und 630 Euro. Das Arbeitsfeld eines Schornsteinfegers ist in vier Hauptaufgaben eingeteilt: Brandschutz, Betriebssicherheit, Umweltschutz und Energieberatung. Nach der Gesellenprüfung ist der Besuch einer Meisterschule möglich. Dort gibt es Qualifikationen in den Bereichen Umwelt- und Klimaschutz, Energieeffizienz sowie Wärme- und Haustechnik. Wer die Fachhochschulreife hat, kann Versorgungstechnik studieren.
Autor: ewe
Autor: Eva Weise





