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27. Juni 2016

Ein eher samtiger Glanz

Der Ettenheimer Musiksommer startet mit früher Barockmusik auf Posaunen barocker Bauart.

  1. Stefan Wagner, Marton Palko und Joachim Gelsdorf mit ihren modernen Nachbauten barocker Instrumente Foto: Sandra Decoux-Kone

ALTDORF. Der Ettenheimer Musiksommer zieht eine Vielzahl an Liebhabern an. Das Eröffnungskonzert fand in der St. Nikolai-Kirche in Altdorf statt. Zu Gast war das Ensemble "Percussion Posaune" aus Leipzig, das frühe Barockmusik höfischer Art darbot.

Dem Ensemble gehören Stefan Wagner, Marton Palko und Joachim Gelsdorf an, das Orgelpositiv wurde von Elke Bestehorn gespielt und an der Schlitztrommel war Wolfram Dix zu hören. Der Klang der Barockposaunen, die moderne Nachbauten sind und einen kleineren Trichter als heutige Instrumente haben, ist weich und samtig. Das Programm umfasst selten gespielte Stücke. Zu Beginn erklingt die Sonata la Posta von Pavel Josef Vejvanovski (1633 bis 1693) frisch und munter, wie die Posthorn-Klänge verdeutlichen. Getragen, ruhig, besinnlich und fließend ist das Stück "Beata es virgo" von Giovanni Gabrieli (1557 bis 1612), in dem ein wunderbares Pianissimo den Höhepunkt bildet.

Zwei Stücke von Samuel Scheidt (1587 bis 1654) spielt und singt die Organistin. Zunächst das Magnificat IX toni in sechs Versen, in dem sich Solo-Gesang und Orgel abwechseln. Der Gesang ist schlicht, die Stimme nicht allzu groß, das Orgelpositiv wechselvoll in der Registrierung: anfangs die helle Flöte, später das dunkel schnarrende Rankett.

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Die folgende Suite von Paul Peuerl (1570 bis 1625) hat einen beschwingten tänzerischen Charakter, das musikantisch spielende Posaunen-Trio wird vom Tamburin unterstützt, nimmt das Echo wie üblich leise und hat eine gute Intonation. In Anlehnung an eine "Monade", die nach dem Wissenschaftler Gottfried Wilhelm Leibniz das substantielle Band zwischen Leib und Seele, eine unteilbare Einheit bildet, improvisiert Wolfram Dix auf der Schlitztrommel, die pentatonisch gestimmt ist, ein tranceartig meditatives geschlossenes Stück, das die unterschiedlichen Klangeigenschaften des Instruments einbezieht und auf reizvollen fünfer Rhythmen basiert. Auf einem resonierenden Holzkörper ist ein Deckel mit sechs verschieden langen Zungen zur Tonerzeugung angebracht, die durch Schlitze voneinander getrennt sind.

Mit einem Gehüpfe von Einzeltönen in Intervallen beginnt nach der Pause die "Canzone seconda a6" von Giovanni Priuli (1575 bis 1626), dann werden die Intervalle ineinander verschoben, Klanggewebe entsteht, es wird fanfarenhaft, schließlich weihevoll und schreitend punktiert.

Drei Tänze, ein Deutscher Tanz, ein Ungarischer Tanz und ein Tanz auf polnische Weise von Giovanni Picchi (um 1620) für Orgel Solo schließen sich an. Sie sind unterschiedlich registriert, hell und leicht der erste, schneller und wie eine Drehbewegung mal links, mal rechts herum, schnarrend der zweite und schließlich im Gedackt, im vollen Klang, der dritte. Nach einem weiteren Stück in Dialogform, "Omnes gentes plaudit" von Agostino Agazzari (1578 bis 1640) und einem Thema mit Variationen über das Lied "Ach, du feiner Reiter" von Scheidt steht am Schluss das Präludium IX aus dem "Wohltemperierten Klavier" von Bach (1685 bis 1750), das die Bläser sehr bewegt ausführen. Die zugehörige Fuge spielt die Orgel, die so einen fast weihnachtlichen Charakter annimmt. Mit sehr viel Applaus und zwei Zugaben endet das Konzert.

Autor: Susanne Ramm-Weber