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03. Juli 2014

Ein existenzieller Kampf

Wie schaffen es die Betreiber kleiner Kinos, im Zeitalter der Digitalisierung ihre Häuser zu betreiben? Eine Umfrage in der Regio.

  1. So sah es lange in Fredo Mattheis’ Breisacher Kino aus – jetzt sind die Weichen für die Zukunft gestellt. Foto: Zink

Die Kinos in kleineren Städten und ländlichen Gemeinden haben es seit langem schwer, sich neben den großen Filmpalästen zu behaupten. Seit die Filmverleiher aber im März 2014 endgültig von den analogen 35-Millimeter-Filmrollen auf modernere Technik umgestiegen und Neuheiten nur noch auf digitalen Speichermedien erhältlich sind, werden die Probleme für die kleinen Kinos existenziell. Vielerorts ist die Diskrepanz zwischen den Kosten für eine Umrüstung auf digitale Systeme, die mit rund 70 000 Euro pro Kinosaal veranschlagt werden, und den Zuschauerzahlen einfach zu groß.

So hatte auch das Betreiberehepaar der Engel-Lichtspiele in Breisach, Helga und Fredo Mattheis, im Januar verkündet, ihr Traditionshaus im kommenden Sommer schließen zu müssen. Damit wollten sich die ansässigen Kinoliebhaber allerdings nicht abfinden und gründeten den Verein "Kommunales Kino Breisach" (Koki), um für den Erhalt des Kinostandorts Breisach zu kämpfen. Der Kraftakt lohnte sich: Der Verein wuchs auf 265 Mitglieder an, die gespendete Summe belief sich auf 13 000 Euro. Jüngst hat der Breisacher Gemeinderat nicht nur einen Zuschuss in Höhe von 21 000 Euro beschlossen, die Stadt ist zudem auch gewillt, die gesamte Summe von rund 70 000 Euro vorzufinanzieren. Denn die Zeit drängt, wie Felix Häring, Vorsitzender des Koki, gegenüber der BZ betonte: "Die Digitalisierung und der Pachtvertrag müssen nun umgesetzt werden, sonst bekommen wir den Zuschuss von der Filmförderungsanstalt des Bundes nicht." Und der betrage bis zu 15 Prozent der Investitionskosten für den Projektor, den Server und die Installation.

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Wenig Zuschauer,

hohe Kosten

Ab September sollen die ersten digitalen Streifen auf der Leinwand laufen. Die Zukunft der Engel-Lichtspiele scheint also geklärt – immer vorausgesetzt, die laufenden Kosten können künftig ohne Zutun der Stadt über Eintrittsgelder, Spenden und die Mitgliedsbeiträge gedeckt werden. Aber wie steht es um andere vergleichbare Lichtspielhäuser der Region?

Besonders drastisch ist das Beispiel des Ali-Kino-Centers in Rheinfelden, das bereits Ende Januar dicht gemacht werden musste. Die Gründe liegen wiederum in den Digitalisierungskosten, die über die Anschaffung der Projektoren hinausgehen: "Wir haben in Waldshut hautnah erlebt, wie viele Kleinigkeiten außer dem Beamer noch dazukommen", wusste Inhaberin Ursula Albrecht, die auch das Waldshuter Kino betreibt, schon im BZ-Interview zu Jahresbeginn zu berichten. In Rheinfelden haben sich ebenfalls Filmfreunde organisiert, um ein Nachfolge-Kino zu realisieren: Seit Anfang Juni gibt es den Verein "Stadtkino Rheinfelden". "Ausgeschlossen ist noch nichts", betont Gründungsmitglied Gaby Dolabdjian. Denn die Hoffnung, dass sich noch ein kommerzieller Betreiber findet, der das Ali übernimmt, ist ebenso lebendig wie die Möglichkeit, ein Lichtspielhaus nach den Vorbildern Breisach und Kandern auf den Weg zu bringen. Vorerst gilt es für den Verein um den Vorsitzenden Frank Trotzki deshalb, Mitstreiter zu gewinnen.

Etwas besser ist die Lage des Kinos im Höfle in Lenzkirch, das längst durch den Verein "Kultur im Kino Lenzkirch" betrieben wird. Dort gibt es zwar bereits digitale Technik, allerdings nur einen sogenannten E-Cinema-Beamer, der in Sachen Bildqualität nicht mehr mit den heute üblichen D-Cinema-Systemen mithalten kann. Das Problem ist laut Burkhard Heer aus dem Vereinsvorstand noch ein anderes: "Die großen Verleihfirmen geben uns die Filme ohne D-Cinema-Technik meistens gar nicht erst" – angeblich wegen Sicherheitsmängeln in Sachen Raubkopien. Immerhin ist das Kino im Höfle nicht von der Schließung bedroht. Um allerdings auch wieder Neuheiten anbieten zu können, die mehr Publikum anlocken, brauche es eben die neue Technik. Der Gemeinderat hat einen Zuschuss in Höhe von 25 000 Euro bewilligt. Den noch fehlenden Betrag im niedrigen fünfstelligen Bereich hofft der Verein bis nach den Sommerferien mit Spenden zusammenzubekommen.

Aber auch für die kleinen, kommerziell betriebenen Kinos, die, wie die Löwen-Lichtspiele in Kenzingen, vollständig auf digitale Vorführtechnik umgestellt und sogar 3D-Filme im Programm haben, ist es nicht leicht, mit den großen Kinoketten in Konkurrenz zu treten. Die Auflagen der Filmverleiher sind für Kinos mit nur zwei Leinwänden schwer zu erfüllen: Wer Neuheiten zum offiziellen Kinostart zeigen möchte, der muss den Streifen in der Regel drei Wochen lang mindestens zweimal täglich und an Wochenenden häufiger vorführen. Deshalb verzichten Betreiber wie das Ehepaar Kauschwitz oft notgedrungen auf Aktualität. "Wir können auch nicht die Vielfalt bieten, die viele Zuschauer aus den Freiburger Kinos gewohnt sind", sagt Christel Kauschwitz bedauernd. Angesichts der finanziellen Belastung, die trotz der Fördermittel des Landes durch die Digitalisierung entstanden ist, bräuchten sie eigentlich mehr Publikum. Aufgeben wollen sie und ihr Mann dennoch keineswegs: "Wir sind besonders stolz, dass wir es mit unserem Publikum geschafft haben, das Kino in die digitale Zukunft zu führen."

Dass kleine Lichtspielhäuser mit entsprechendem Engagement auch im digitalen Zeitalter überleben können – sei es mit kommerziellen Betreibern oder unter Regie eines Vereins –, zeigen auch die Kinos in Neustadt und Kandern. Die Umrüstung der zwei Säle des Krone-Theaters in Neustadt hat sich für Inhaber Leopold Winterhalder bisher gelohnt: "Dank der Technik und des besseren Programms sind die Besucherzahlen seit September 2013 proportional gestiegen." Er berücksichtigt dabei neben der besseren Bild- und Tonqualität auch andere Vorteile der digitalen Ausstattung: etwa die kürzere Wartezeit bei aktuellen Blockbustern, mit denen früher zuerst die großen Kinos versorgt wurden; oder die Möglichkeit, per Knopfdruck die Sprache der Tonspur und der Untertiteln wechseln zu können.

Und auch das Kommunale Kino Kandern, das vom gleichnamigen Verein betrieben wird, kann sich sehen lassen: Der Verein hatte im Rechnungsjahr 2013 nur ein kleines Minus von rund 1450 Euro zu verzeichnen – obwohl gerade in diesem Jahr etwa 70 000 Euro für die Umstellung auf das Digital-System berappt werden mussten. "Wir haben das ohne größere Probleme hingekriegt", so der Vereinsvorsitzende Horst Brenneisen bei der Jahreshauptversammlung.

Autor: Veit Krämer