Ein Fest wie ein Nationalfeiertag

Bettina Schaller

Von Bettina Schaller

Do, 16. August 2018

Friesenheim

In Schuttern feiern zahlreiche Gläubige wieder das Patrozinium zu Mariä Himmelfahrt mit Prozession und Nudelessen.

FRIESENHEIM-SCHUTTERN. Ganz Schuttern hat gestern wieder mit zahlreichen Besuchern das Patrozinium seiner Klosterkirche Mariä Himmelfahrt gefeiert. Nach Prozession und Hochamt gab es in der Offohalle traditionell Nudeln mit Sauerbraten. In Schuttern kommt der 15. August einem Nationalfeiertag gleich, bei dem es auch ein Nationalgericht gibt, nachdem der ortsinterne Feiertag benannt ist: das Nudelfest.

Zunächst zog die Gemeinde in die festlich geschmückte Klosterkirche ein. Wie gewohnt war diese bis auf den letzten Platz belegt. Im Mittelpunkt der Feier stand auch die Weihe der Kräuterbüschel durch Pfarrer Steffen Jelic, der bei der Eucharistiefeier von mehreren Diakonen unterstützt wurde.

Thomas Schneeberger hielt die Predigt und sinnierte über den Begriff Schönheit, der nicht zwingend dem äußeren Erscheinungsbild entspräche. "Schönheit kommt von Innen", so der Diakon. Am Beispiel der jungen Maria, die die schwangere Elisabeth besucht habe, zeigte er am Lukas-Evangelium auf, dass Maria sich von Gott habe ansprechen lassen, diese Ansprache erwidert habe und deshalb Schönheit ausstrahle, ebenso wie Elisabeth.

Als Explosion von Schönheit bezeichnete der Diakon diese Ausstrahlung, die er gemeinhin an Menschen wiedererkenne, die "wenn sie aufrichtig sind", Gott in ihren täglichen Entscheidungen mitreden ließen. Maria habe diese Liebe zu Gott gezeigt und in ihrem Leben wirken lassen. Deshalb sei sie in allen künstlerischen Darstellungen liebreizend und in Schönheit dargestellt, obwohl keiner wisse, wie Maria wirklich aussah, ob sie vom Aussehen her ein schöner Mensch war.

An Mariä Himmelfahrt habe sich gezeigt, was Menschen hofften: ein Leben in Gottes Vollendung. Maria habe viel Irdisches an sich gehabt und nicht nur immer Ja gesagt. Sie habe gewusst, was Armut bedeute. "Gott stürzt die Mächtigen und erhöht die Niedrigen", so der Diakon und fügte hinzu: "Gott will, dass sich Menschen für Recht und Gerechtigkeit einsetzen", dies sei das Göttliche im Menschen.

Pfarrer Jelic nannte bei der anschließenden Kräuterweihe Mariä Himmelfahrt auch das "hochsommerliche Osterfest, denn Leben und Sterben geht hinüber in Vollendung". Im Sterben werde auch der Mensch das erfahren, was Maria widerfuhr: "Nach dem Tod ein Leben in Vollendung". Der Kirchenchor bereicherte das Hochfest mit der Kyrie, dem Gloria, dem Sanctus, dem Benedictus und dem Agnus Dei aus Francois Clément Théodore Dubois’ Missa brevis in Es. Begleitet wurde er von Michael Bayer (Orgel), Jochen Meier (Cello), Annette Fleiner (Viola), Veronike und Florentine Ohnmacht sowie Roland Brumme und Simone Fässler (Violine) unter der musikalischen Leitung von Reinhard Krämer. Auch auf dem Kirchenvorplatz lauschten Menschen dem Gesang und der Musik, bewunderten dort den Blumenschmuck und erwarteten die anschließende große Prozession durch Schutterns, mit Blumen und kleinen Marienfiguren geschmückte Straßen zurück zur Kirche. In der Offohalle erwartete dann der gastgebende Gesangverein die Besucher zum Nudelfest.