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20. August 2012

Ein Hauch von großer Fußballwelt

Sicherheitsstufe I beim Pokalspiel zwischen dem Offenburger FV und dem FC St. Pauli / Hitzeschlacht bei deutlich über 30 Grad.

  1. So stark wie am Samstag ist das Karl-Heitz-Stadion höchstens alle paar Schaltjahre frequentiert(links). Die Feuerwehr sorgte mit ihrem kühlen Nass für Tausende von dankbaren Fans. Foto: gertrude siefke

  2. Foto: ges

  3. Hauptsache, gut behütet – dann war die Hitze nicht ganz so unerträglich. Foto: ges

OFFENBURG. Hitzeschlacht im Karl-Heitz-Stadion: Alle Hände voll zu tun hatte der DRK-Ortsverein beim Pokalspiel zwischen Offenburg und St. Pauli. Unterstützt vom Ortsverein Gegenbach, dem Malteser Hilfsdienst sowie Momed aus Lahr mussten 57 Patienten versorgt werden. Offenburgs Freiwillige Feuerwehr sorgte für eine kräftige Wasserdusche in der Südkurve. Insgesamt waren Veranstalter und Polizei mit dem Verlauf zufrieden.

Als "Jahrhundertspiel" wurde die Begegnung im Vorfeld angekündigt. Dass – zumindest für Offenburger Verhältnisse – etwas ganz Besonderes stattfinden wird, zeichnete sich bereits am Samstagvormittag ab, als lautstark singende St. Pauli-Fans durch die Innenstadt zogen und die Blicke der Wochenmarktbesucher auf sich richteten. Ein Hauch von großer Sportwelt durchwehte die beschauliche Provinzstadt. Während die Quecksilbersäule im Thermometer kletterte, füllte sich ab 13.30 Uhr das Stadionrund an der Badstraße. "Ein dreistündiger Saunagang für 14 Euro, da kann man sich nicht beschweren", nahm ein weiblicher Fan die hitzige Angelegenheit sportlich.

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Es herrschte Sicherheitsstufe I wie bei einem Bundesligaspiel. Heinz Harter war für die gesamte Ordnung zuständig und musste 138 Männer und Frauen koordinieren, die sich freiwillig als Ordner gemeldet hatten. Wochenlang haben sich die Leute vorbereitet, "bislang läuft alles ohne Probleme", gab der 72-Jährige einen positiven Zwischenstand.

Wobei ihm die Konzentration anzumerken war: "So etwas mussten wir noch nie machen." Von "dürfen" konnte keine Rede sein. Und daher sei er besonders froh, wenn "unser Plan reibungslos aufgeht und sich unsere Bemühungen gelohnt" haben. Größter Pluspunkt für Harter: Der OFV hat jetzt – dank der Auflagen des DFB – ein bundesligataugliches Stadion, zumindest was die Sicherheitsvorrichtungen angeht. Künftig wird es daher sehr viel einfacher sein, entsprechende Begegnungen auszutragen. Und was meinten die Sankt-Pauli-Fans in der Südkurve, die mit einem Käfig vorlieb nehmen mussten? "Oh, die fühlen sich wohl", versicherte Harter, die seien das gewöhnt.

Dann ging es los. "Heute und jetzt wird Fußballgeschichte geschrieben in Offenburg", erklärte der Stadionsprecher – mit dem besseren Ende für die Hamburger Kicker, wie nach 90 Minuten klar war, . Auch die Fans aus der Hansestadt zeigten sich deutlich stimmgewaltiger und ließen vom Heimvorteil der Offenburger nicht mehr viel übrig. "Ganz egal, was auch geschieht, wir werden immer bei dir sein", hallte es aus der Südkurve.

Tröstliches hatte ein Anhänger der Gäste für die OFV-Fans parat: "Wir würden ja auch lieber Offenbach rausschießen als euch." Am Ende war es mit dem 0:3 die erwartete klare Angelegenheit für die von André Schubert trainierte Elf – trotz klasse Paraden des OFV-Keepers Florian Streif, die selbst bei den Gästen ein anerkennendes "Meine Fresse" hervorriefen.

Für eine willkommene Abkühlung sorgte die Feuerwehr, die kurzerhand mit kräftigen 5000-Liter-Duschen die Fans nass machte. "Die Idee war aus der Not heraus geboren", erklärte Feuerwehrsprecher Wolfgang Schreiber. Es habe doch ein "erhebliches Potenzial an Kollabierten" gegeben, daher sei die Aktion mit der Einsatzleitung abgesprochen und mit dem Spielverlauf koordiniert worden. Für Wasser-Nachschub sorgte der Unterflurhydrant in der Kniebisstraße.

Die Einsatzkräfte der Feuerwehr sorgten gerade in der Südkurve für Abkühlung. Mit Tanklöschwagen wurde ein künstlicher Regen erzeugt, rund um das Stadion stellten die Einsatzkräfte Wasserkübel zur Erfrischung der erhitzten Fans auf. Eine Aktion, die bei den Pauli-Fans sehr gut ankam. Alle Hände voll zu tun hatte auch das DRK mit Unterstützung der Ortsvereine, des Malteser-Hilfsdienstes, von Momed und der Einsatzkräfte der Feuerwehr: Die rund 40 Helfer, unterstützt von drei Notärzten, versorgten in den beiden Notfallzelten pausenlos Frauen und Männer, deren Kreislauf unter der starken Hitze versagt hatte.

Die Helfer des Rettungsdienstes verteilten während des Spieles unzählige Flaschen Wasser an die Fans. Um 57 Patienten mussten sich die Rettungskräfte kümmern, fünf von ihnen kamen vorsorglich ins Ortenau-Klinikum. Alles Kreislaufbeschwerden, berichtete DRK-Einsatzleiter Thorsten Hansert.

Schon vor dem Spiel war ihm klar: "Viele werden zu wenig trinken und keine Kopfbedeckung tragen." Es sei zwar eine "hohe Hausnummer" gewesen, doch unterm Strich hätten die Sanitäter alles im Griff gehabt. Hansert: "Ich ziehe eine positive Bilanz." Auch die Polizei konnte lediglich von einigen wenigen verbalen Rangeleien berichten. Einsatzleiter Peter Dieterle dankte der hervorragenden Organisation des OFV und verwies auf die gute Zusammenarbeit mit der Stadt.

Autor: Gertrude Siefke