Ein Jubiläum mit Kultstatus

Sabine Model

Von Sabine Model

Di, 05. Februar 2019

Heitersheim

Heitersheimer Strauschoeh-Schlurbi feiern am Samstag den 30. Regio-Guggetreff / Organisatorischer Kraftakt.

HEITERSHEIM. Als am 23. Januar 1988 der 1. Regio-Guggetreff in Heitersheim startete, ahnten die Strauschoeh- Schlurbi nicht, was sie damit lostraten. Damals stand in der alten Festhalle eine kleine Bar. Der Schmuck beschränkte sich auf ein paar Luftballons und Luftschlangen. Ganz konventionell gab’s Tische und Stühle für 350 Leute plus Guggemusiker. Beim 30. Guggetreff 2019 werden auf dem Lindenplatz rund 1000 und in der Malteserhalle bis zu 1900 Fans erwartet. Jubiläumsbedingt erfuhr das Guggetreff-Konzept eine umfassende Frischzellenkur.

Tradition trifft Moderne
"Von 1988 bis 2019 sind es zwar 31 Jahre. Aber 1991 ruhte die komplette Fasnet wegen des Golfkriegs", erklärt der Vorsitzende Marcus Löffler. Dem Gugge-Boom tat das jedoch keinen Abbruch. Um allen Gugge-Freunden den Soundgenuss zu ermöglichen, wurde 1993 ein eintrittsfreier, öffentlicher Apéro am Lindenplatz eingeführt. Gerüstet mit 50 Würstchen, wurde der Bedarf maßlos unterschätzt. Lernfähig stellten sich die Gastgeber künftig auf immer mehr ein. Der Versuch, den Apéro im Schulhof zu etablieren, war keine gute Idee. Das Ambiente auf dem Lindenplatz kam offenbar besser an und wurde weiter ausgebaut.

Dass es den Regio-Guggetreff überhaupt gibt, ist dem Sterben des Heitersheimer Stadtfestes geschuldet. Die Strauschoeh-Schlurbi hatten dort eine Laube. Über die Bewirtung generierten sie ihr Budget, um alle Aktivitäten zu finanzieren. Schon damals hatte die 1965 gegründete Guggemusik ein dichtes Netzwerk und wurde zu Guggetreffs im Raum Basel und Lörrach eingeladen. Warum also sollte das in Heitersheim nicht funktionieren? Die Idee hatte Erfolg. Befreundete Guggemusiken aus Deutschland, dem Elsass und der Schweiz kamen gern. Das Ereignis wuchs und mit ihm die Kompetenz der Organisatoren, ihr Veranstaltungskonzept und das Budget. Die Eröffnung der Malteserhalle ermöglichte neue Dimensionen, forderte aber zugleich heftige Vorschriften und hohe Kosten. Inzwischen werden die Aufgaben unter Ausnutzung der vorhandenen Kompetenzen von diversen Arbeitsgruppen übernommen, die als Tour AG, Event AG, Musik AG, Motto AG, Vereinsheim AG und Media AG wichtige Bereiche abdecken.

Neues Motto – neuer Apéro
Schon ab 17 Uhr wird am 9. Februar im neuen Bereich am Lindenplatz gewirtet. Fans können sich mit Schal, Chronik, der DVD oder sechs verschiedenen CDs von den Strauschoeh-Schlurbi eindecken. Ab 18 Uhr beginnt der musikalische Apéro, diesmal auf einer abgestuften mobilen Bühne beim Anwesen Zähringer und nicht wie gewohnt auf den Stufen der Markthalle. Die Strauschoeh-Schlurbi beginnen im neuen Themen-Outfit, das alle zwei Jahre wechselt. Das Motto-Geheimnis wird erst an diesem Abend gelüftet. Weiter geht es mit fünf Gastguggen.

Die sind sorgfältig ausgewählt und müssen mindestens 50 Aktive mitbringen, um einen angemessenen Sound zu entwickeln, der die Malteserhalle rockt. Bewerber gibt es genug, denn mittlerweile hat die Einladung zu den Strauschoeh-Schlurbi nach Heitersheim Kultstatus. Freuen dürfen sich die Gugge-Freunde auf die bereits bekannten Schorebord-Kraechzer aus Höchenschwand und die Rotsee-Husaren aus dem schweizerischen Ebikon. Neu dazu kommen am Jubiläum die Los Chrachos aus Todtnau, die Hölledüüfel aus Degernau und die Eichlefääger aus Würenlingen in der Schweiz.

Für jeden etwas
Wer bei den Kostproben Appetit auf mehr Brass-Sound bekommt, kann ab 19.30 Uhr in der Malteserhalle weiter genießen. Dort gibt es ebenfalls einige Überraschungen zu entdecken, wenn die traditionellen Guggemusiker die Stimmung aufmischen. Zwischendurch sorgt wieder die Live-Band "No Change" für Tanzrhythmen. Gegen den Durst haben sich die neu strukturierten Themen-Bars gewappnet. Neben den üblichen alkoholischen Getränken sind Softdrinks im Angebot. In der Schlurbi-Lounge nebenan werden Cocktails frisch zubereitet. Der Vereinskoch sorgt mit seinem Team in der Küche für deftige Grundlagen. Wer eher auf Club- und Partysound steht, ist im Bürgersaal gut aufgehoben. Dort legt DJ Oliver Sylo die angesagten Scheiben auf. "Neu ist das beheizte Ländler-Zelt vor der Halle, wo die Sax-Keyband Volkstümliches spielt für alle, die es gemütlich lieben", betont Pressewart Holger Wachsmann. "Es soll für jeden etwas geben."

"Die Veranstaltung mit all ihren Auflagen und Ausgaben ist organisatorisch, logistisch und kostentechnisch ein Kraftakt", weiß Marcus Löffler. Trotzdem, sagt er, muss so viel übrig bleiben, dass es für ein ganzes Jahr reicht. Denn allein zwei Auftritte in Frankfurt und eine Einladung nach Mainz stehen 2019 in der Fasnetsaison bevor. "Für die Sicherheit am Guggetreff brauchen wir 24 Security-Leute. Zwölf Profis und zwölf aus den eigenen Reihen. Feuerwache und DRK sind Pflicht", listet Wachsmann auf. Jugendliche unter 16 Jahren dürfen nur mit einem Elternteil in die Halle. Wer jünger als 18 Jahre und ohne Elternteil anwesend ist, muss die Veranstaltung um 24 Uhr verlassen. Für die 70 aktiven Guggemusiker, ihre Familien, Freunde und Bekannte ist das Wochenende von Freitag bis Sonntagmittag mit 2000 Einsatzstunden verbunden. Und danach gilt, so Löffler: "Nach dem Guggetreff ist vor dem Guggetreff." Dann läuft die Planung für 2020 an.

Veranstaltung: 30. Regio-Guggetreff, Samstag, 9. Februar, ab 17 Uhr Lindenplatz-Apéro, ab 19.30 Uhr Malteserhalle.