Ein kleines, aber feines Museum zum Schmökern und Fachsimpeln

Jutta Schütz

Von Jutta Schütz

Di, 11. September 2018

Efringen-Kirchen

Die von Kurt Renk aufgebaute Bibelsammlung im Turm der Lutherkirche zieht immer weitere Kreise / Seine Enkel agierten beim Denkmaltag als kundige Führer.

EFRINGEN-KIRCHEN (jut). Das theologische Fachpublikum ist zunehmend am Bibelmuseum in der Lutherkirche interessiert. Darüber freute sich Kurt Renk als Museumsleiter beim Tag des offenen Denkmals. Bereits kurz nach dem sehr gut besuchten Morgengottesdienst, den Pfarrer Steffen Mahler hielt, wurde Renk am Sonntag von Fachleuten angesprochen und für die Ausstellung gelobt.

"Ich werde mir nun, nachdem das Bibelmuseum 15 Jahre alt geworden ist, Gedanken machen, wie man die Ausstellung aktualisiert und noch attraktiver macht – vielleicht ist einer der heute geknüpften neuen Kontakte bei der Konzeption hilfreich", blickt Renk bereits voraus.

Dass das Museum bei der eigenen Bevölkerung und auch beim Fachpublikum ankommt, sah man im Spendenkörbchen. Nach dem Rundgang durch die Ausstellung bedankten sich viele Gäste persönlich bei Renk und ließen einen Betrag für das Museum zurück.

Eine neu erworbene Bibel aus dem Jahr 1691, die Renk auf einem Mitteltisch als Ansichtsexemplar ausgelegt hatte, zog die besondere Aufmerksamkeit vieler Besucher auf sich. Anhand des unrestaurierten Exemplars – es gehörte einer Efringen-Kirchener Familie – ließ sich nämlich schon erklären, welche Schritte erforderlich sind, um den Einband mit den schönen Beschlägen und jetzt noch beschädigten Schließen wieder zu einem Schmuckstück werden zu lassen. "Sehr viele Gäste haben in diesem Buch geblättert – und auf dem Nebentisch hatte ich als eine Art Gegenüberstellung eine bereits restaurierte Bibel ausgestellt, die man ebenfalls anschauen konnte", erläuterte Renk, der zudem extra dünne Baumwollhandschuhe zum Anziehen ausgelegt hatte – "so, wie man das in Bibliotheken auch macht, wenn man in historischen Büchern lesen will", fuhr er fort.

Mehr als 140 Bibeln und Gesangbücher, vorwiegend aus dem Besitz von Familien aus Efringen-Kirchen, hat Renk zusammengetragen und mit viel Liebe zum Detail arrangiert. Ein Hingucker ist auch eine Mikrobibel, nur wenige Zentimeter groß, die in einer Vitrine ausliegt, erzählte Renks Enkel Manuel Stächelin, der zusammen mit seinem älteren Bruder Torben das Publikum durch die Ausstellung führte und, obwohl noch Grundschüler, bereits viele Fragen zu den Büchern, unter denen sich manche Rarität befindet beantworten konnte.

Torben Stächelin war der "Fachmann" für die alte Turmuhr und hatte sich im Vorfeld mit deren Mechanik beschäftigt. "Ich interessiere mich für technische Dinge und kann die Funktion der Uhr deshalb auch den Besuchern erklären", meinte er stolz.

Gefragt danach, welche Bibel die Besucher am liebsten anschauen, meinte Manuel sofort: "Das ist ein Nachdruck einer Bibel mit vielen Zeichnungen von Julian Schnorr von Carolsfeld, unter anderem mit sehr schönen Bildern von der Schöpfungsgeschichte, die im Eingangsbereich der Museumsräume liegt." Carolsfeld (1794 bis 1872) war ein Maler der deutschen Romantik, der unter anderem viele religiöse Zeichnungen hinterlassen hat.

Nach wie vor erkundigen sich viele Besucher nach einem Blick auf historische Fotos an der Wand, warum die neugotische Kirchturmspitze, die die Lutherkirche bis in die 50er Jahre hinein zierte, wieder abgebaut wurde. Zum einen lag dies an den Schäden durch den Beschuss im Zweiten Weltkrieg, zum anderen daran, dass die Kirche, wie die anderen historischen Kirchen im Umland, den ursprünglichen "Käsbissen"-Turm, der für das Markgräflerland üblich ist, wieder zurückerhalten sollte.

"Beim Umbau Mitte der 50er Jahre wurde im Turm noch Leuchtmunition aus dem Krieg entdeckt, die wir als Schüler dort versteckt hatten – das Staunen war damals groß", schmunzelte Renk. Sein herzlicher Dank ging an die Helfer seitens der Kirchengemeinde, an die Bevölkerung und Weingüter aus der Gemeinde. Sie alle hatten dafür gesorgt, dass es am Denkmaltag Wein, andere Getränke und ein großes Kuchenbuffet für die Besucher bereitstanden.