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06. Februar 2012

Ein Kredit für die Liebe?

Hochzeitspaare geben in Deutschland zwischen 6000 und 15 000 Euro für ihren Festtag aus / Eine gute Planung kann sparen helfen.

  1. Ein Mal Prinzessin sein – das ist der Traum vieler Frauen für ihren Hochzeitstag. Aber lohnt es sich wirklich, sich dafür zu verschulden? Foto: dpa

Die Hochzeit soll der schönste Tag im Leben eines Brautpaares sein. Alles muss stimmen: die richtige Location, das beste Essen, eine Kutsche oder eine Stretch-Limousine, das Traumkleid. Die Liste der Dinge, die manche für eine perfekte Zeremonie zu brauchen glauben, scheint unendlich. Nicht nur organisatorisch, auch finanziell wird die Traumhochzeit daher schnell zum Mammutprojekt. Die meisten deutschen Paare geben zwischen 6000 Euro und 15 000 Euro für ihre Hochzeit aus. Doch die wenigsten haben einen solchen Betrag auf dem Konto. Und die Zeiten, in denen die Brauteltern die Hochzeit finanzieren, sind passé. "Die meisten unserer Brautpaare finanzieren ihre Hochzeit selbst", sagt Friederike Mauritz, erste Vorsitzende des Bundes deutscher Hochzeitsplaner.

Um bestimmte Ausgaben kommt kein Brautpaar herum. Dazu zählen die Kosten für die standesamtliche Trauung. Wie viel ein Brautpaar für Papiere und Trauung bezahlen muss, variiert von Bundesland zu Bundesland. "Eine Eheschließung ist grundsätzlich gebührenfrei, wenn sie im zuständigen Standesamt am Wohnort stattfindet", erklärt Volker Weber, der Berliner Landesvorsitzende des Bundesverbandes der deutschen Standesbeamtinnen und Standesbeamten (BDS). Die nötige Anmeldung und die Urkunden kosten aber etwas. Findet die Trauung in einem anderen Standesamt statt, kostet das zusätzlich. Ein weiterer Zuschlag wird fällig, wenn die Zeremonie außerhalb der Öffnungszeiten abgehalten wird. Auch die Anzahl der Urkunden, das Stammbuch und die Frage, ob einer der Partner möglicherweise einen Doppelnamen führen möchte, können die Grundkosten nach oben treiben.

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Hinzu kommen noch Ausgaben für Feierort, Festessen und Gestaltung. Damit die Kosten im Rahmen bleiben, haben Paare zwei Möglichkeiten: sparen oder die Ansprüche herunterschrauben. "Wenn es die große Liebe ist, ist es das auch noch in zwei Jahren", betont Hochzeitsplanerin Mauritz. Allerdings lohne es nicht, sich für die Traumhochzeit um jeden Preis zu verschulden.

Laut Mauritz gibt es viele Stellen, an denen Paare sparen können, ohne dass dies negativ auffällt. Das fange bei den Gastgeschenken und Tischkärtchen an und gehe bei der Dekoration weiter. So könnten etwa die Einladungskarten, Kirchenhefte und Tischkarten selbst gemacht werden.

Das größte Sparpotenzial sieht Mauritz aber in einer guten Planung. "Mein wichtigster Rat ist: Haltet inne und denkt darüber nach, was euch wirklich wichtig ist." Die meisten Paare liefen viel zu schnell los und verschwendeten Zeit und Geld, weil sie sich nicht genügend miteinander unterhalten und nicht ausreichend recherchieren. So guckten sich viele Paare etwa Locations an, bevor sie überhaupt die Gästeliste zusammengestellt haben. Ein kostspieliger Fehler, wenn etwa bereits ein Saal gebucht wurde und sich später herausstellt, dass dieser zu klein ist.

Hilfe bei der Planung finden Brautpaare auf unzähligen Internetseiten. Edith Axt, Marketing Manager bei dem Hochzeitsportal Weddix.de, empfiehlt einen Online-Budgetplaner zu nutzen, um sich einen Überblick zu verschaffen. Von den reinen Aufgebotskosten über die Preise für Trauringe und Brautkleid bis hin zu den Kosten für die Raumreinigung und die Dankeskarten können Paare hier jede erdenkliche Position auswählen und summieren. Wer am Ende feststellt, dass die Summe das Budget überschreitet, kann dann Prioritäten setzen.

So könne man etwa überlegen, ob man einen Hochzeitsfotografen braucht oder ob nicht auch ein ambitionierter Hobbyfotograf im Freundeskreis schöne Erinnerungsfotos schießen kann. Die Saalmiete könne sich sparen, wer zum Sommerfest im eigenen Garten lädt, und auch beim Brautkleid sei zwar nach oben hin alles offen – aber schon ab 300 Euro gebe es schöne Varianten für den großen Tag.

Jens Thielen, der auf Hochzeits-Finanzierung.de Spartipps gibt, empfiehlt auf Hochzeitsmode spezialisierte Second-Hand-Läden: "Warum für einen einzigen Tag zigtausend Euro ausgeben?" Statt einen DJ oder eine Band anzuheuern, könnten Paare auch einen Bekannten bitten, abends aufzulegen, und wer die Trauringe selber macht, könne nicht nur viele hundert Euro sparen, sondern habe außerdem noch besonders individuelle Ringe.

Bei seiner eigenen Hochzeit hat Thielen den Rotstift allerdings nicht angesetzt, sondern einen Kredit aufgenommen. "Andere kaufen sich ein Auto auf Kredit, wir haben unsere Hochzeit finanziert." Der Diplomingenieur und seine Frau wollten keine Abstriche machen, bekamen die Hochzeit aber auch nicht von den Eltern finanziert. "Das Geld war einfach nicht da", so Thielen. Vorher gespart hatten er und seine Verlobte nicht und warten wollten sie auch nicht länger. Daher nahmen sie einen Kredit von 14 000 Euro auf. "Wir wussten, dass wir uns das leisten können. Das war so eine Art rückwärts sparen", erklärt Thielen. Einen Teil der Kreditsumme haben Thielens direkt durch die Hochzeit refinanziert, indem sie sich Geld statt Sachgeschenke gewünscht haben. "Das ist heute vielfach üblich", sagt Thielen. Und bei durchschnittlich 50 Euro pro Person komme eine stattliche Summe zusammen. Den Rest hat das Paar in Raten abgezahlt.

Autor: Nadia-Maria Chaar (dpa)