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27. Dezember 2011 00:20 Uhr

Jobmotor

Ein Kurzurlaub in Südbaden verhalf zur Anstellung

Wer Arbeit sucht, der findet – zumindest in Südbaden. Diese Erfahrung hat die Berlinerin Jeanette Matz gemacht. Vier Jahre lang war sie arbeitslos. Als sie sich in der Region um Arbeit bemühte, wurde sie sofort fündig.

  1. Ob Früh-, Tag- oder Nachtschicht – Jeanette Matz kann eigentlich nichts die Laune verderbe Foto: cjz

Zunächst hat sie für verschiedene Leiharbeitsfirmen gearbeitet. Jetzt hat sie bei der August Faller KG in Waldkirch einen befristeten Arbeitsvertrag.

"Das einzig Positive an Ihnen ist, dass Sie keine Kinder haben." Solche Sprüche musste Jeanette Matz sich auf dem Arbeitsamt in Berlin anhören. "Da jab’s einfach nüscht, keen Job", berlinert die 50-Jährige fröhlich. Fröhlich, denn nur die Suche nach Arbeit hat sie nach Südbaden verschlagen. Und hier fühlt sich Jeanette Matz heimisch. "Ick hätte viel früher jehn solln. Dit is so, so schön hier", sagt sie. Und: "Hier stürbt niemand, ohne dat die Nachbarn dit merken." Die Frau mit den kurzen roten Haaren hat ein ansteckendes Lachen.

Seit Mai dieses Jahres ist Jeanette Matz beim Verpackungshersteller August Faller in Waldkirch angestellt. In der Weiterverarbeitung klebt sie Faltschachteln. Den Einstieg hat Jeanette Matz über eine Leiharbeitsfirma geschafft. Die Betriebe in der Region kennt sie ziemlich gut. An Peguform in Bötzingen wurde sie verliehen, an Fischer in Denzlingen, Grohe in Lahr und Essilor in Freiburg. Der Brillenglashersteller Essilor übernahm sie sogar, aber als die Produktion in Freiburg geschlossen wurde, erwischte es auch Jeanette Matz. Wieder war sie arbeitslos. Na toll, alles von vorne, habe sie gedacht. Aber: "Nach drei Wochn hatte ick wieda n Job, bei ’ner andern Zeitarbeitsfirma" erzählt sie. Für die Berlinerin ist Baden-Württemberg ein Jobschlaraffenland.

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Erstmals hatte sie darüber von einem Bekannten gehört. Er, Mitte fünfzig, war mit seiner Frau, Anfang fünfzig, von Berlin nach Südbaden gezogen. "Die Frau hätte problemlos eine Arbeit finden können", berichtet Jeanette Matz. Daraufhin habe sie vor fünf Jahren einen kleinen Abstecher in die Region gemacht. Während eines Kurzurlaubs bemühte sie sich um Arbeit. "Hat sofort jeklappt", erzählt sie strahlend. Binnen einer Woche zog Jeanette Matz von Berlin ins 800 Kilometer entfernte Freiamt. Die Weltstadt tauschte sie gegen ein 4000-Seelen-Dorf im Schwarzwald. Mit Freude. "Jetzt weeß ick, wie Milane aussehen", schwärmt sie.

Es war nicht das erste Mal, dass Jeanette Matz einen Neuanfang wagte. 1984 verließ die gelernte Schneiderin mit ihren Eltern die DDR und zog nach Westberlin. Drei Jahre lang hatten sie für die Ausreiserlaubnis wegen Familienzusammenführung gekämpft. Der Bruder war bei dem Versuch, mit einem Moped über Ungarn nach Österreich zu fliehen, festgenommen worden. Der Westen hatte ihn freigekauft.

In Westberlin angekommen arbeitete Jeanette Matz zunächst als Büglerin, dann in Kneipen, bei einem Autoversand, bei einer Versicherung, schließlich bei Edeka. Als zahlreiche Märkte der Lebensmittelkette übernommen wurden, verlor sie ihre Arbeit. Eine Frau Anfang vierzig mit einer DDR-Ausbildung hat es nicht leicht auf dem Arbeitsmarkt. "Ick hätte allet jenommen, allet, nur jab it nüscht", erzählt Jeanette Matz. Eine vom Amt finanzierte Ausbildung zur Bürokauffrau hat auch nicht geholfen. "Damit hätte ich mir den Popo abwischen können", sagt Jeanette Matz leutselig.

Seitdem sie in der Region wohnt, hat sie Arbeit. "Wer mal Hartz IV bekomm’ hat, lernt Arbeit zu schätzen", sagt die patente Frau mit der Raucherstimme. Die Leiharbeit und der ständige Wechsel in neue Betriebe haben ihr nichts ausgemacht. Die schlechte Bezahlung sei zwar ein Minus und treibe zu Überstunden. Aber man kriege die Möglichkeit in einen Betrieb reinzuschnuppern. "Ick hab mich jefreut, überhaupt was zu ham", sagt Jeanette Matz. Ihr Vertrag bei August Faller endet im April nächsten Jahres. Sie hofft sehr, dass er verlängert wird. "Irgendwann will man halt ankommen", sagt sie.

Autor: Charlotte Janz