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16. Juni 2012
Menschen in der Stadt
Sascha Hoffmann: Ein Leben mit Prothese
MENSCHEN IN DER STADT: Sascha Hoffmann fährt am Sonntag den Radmarathon in Kirchzarten.
EMMENDINGEN. Er fährt am Sonntag den Radmarathon nicht trotz, sondern mit einer Beinprothese. Sascha Hoffmann (38) ist schon immer ein Bewegungsmensch gewesen und Sport als ein wesentliches Stück Lebensqualität wichtig für ihn. Daran änderte auch der schwere Autounfall im Jahr 2003 nichts.
Den Zusammenstoß mit einem Laster überlebte er nur knapp. "Da war die Frage eher, welches Körperteil ist noch ganz", sagt er über diese Zeit im Krankenhaus. Herzstillstand, verletzte Lungenflügel, Gesichtsknochen, Gebiss, Arme, Beine, Rippen, vieles hätten die Ärzte wieder hingekriegt, doch das linke Wadenbein war nicht mehr zu retten. "Ich habe das gut weggesteckt, sagte den Ärzten, dass ich nun eben noch mehr trainieren müsse", so Hoffmann. Nur in den Rollstuhl wollte er nicht, er wollte laufen. Er war damals Zeitsoldat und Fußball spielen, Laufen, Ski, Rad, Inliner fahren oder schwimmen seine Leidenschaft.Er lag im Krankenhaus drei Monate nur auf dem Rücken im Bett. Als er zum ersten Mal wieder aufstand, da trug er schon eine Prothese. "Den sogenannten Umschwung hatte ich nicht. Es fühlte sich an wie eine Knöchelverstauchung", so Hoffmann. Und er ist sich sicher: "Der Sport hat mich da rausgeholt". Er habe sich niemals aufgegeben und nachdem er genesen war, spielte er wieder aktiv Fußball. Er trug von Anfang an und ganz selbstverständlich kurze Hosen und versteckte seine Prothese nicht. Auch beim morgigen Marathon wird er die übliche Sportkleidung tragen und mit den anderen Fahrern mithalten. "Viele kennen Sportler mit Prothesen nur aus dem Fernsehen und nicht in Natura", weiß er. Deshalb stört es ihn auch nicht, wenn aus dem Umfeld Fragen gestellt werden. Auch beim Sport gilt für ihn: Er fährt einen Wettkampf mit. Keine Extrawürste, keine Sonderkonditionen. Beim Marathon macht er mit, weil er bis an seine Grenzen gehen und diese ausloten will. So wie das in jedem Bewegungsmenschen drin steckt.
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Unvorsichtig ist er deshalb trotzdem nicht. Damit es beim starken Schwitzen nicht zu schmerzhaften Reibestellen kommt, klebt er sich an den Stumpf ein Brandwundpflaster. Und Uwe Schneider, Techniker beim Sanitätshaus Schaub, hat ihm in drei, vier Tagen eine spezielle Sportprothese zusammengebaut. "Für so viel Kulanz möchte ich mich bedanken", sagt der Radler. Und bei seinem Sportkameraden Uwe natürlich, der nicht nur schnell mal eine Prothese baut, sondern auch mit ihm trainiert und am Sonntag beim Wettkampf mitmacht. Seine Frau Bianca würde auch gerne mitfahren, doch sie hat keinen Babysitter für das einjährige Töchterchen gefunden. Sie jubeln deshalb vom Straßenrand dem Sportsmann zu. Ihretwegen zog es Hoffmann auch von der Lahn nach Emmendingen in die Schwarzwaldstraße. "Es hat alles einfach gepasst. Frau, Kind, Arbeit bei einer Badenova-Tochter in Freiburg und die Wohnung hier", erzählt er von seinem Umzug, den er innerhalb von zwei Tagen geschultert hat. Auch beim Umzug war die Prothese kein Thema für ihn. Genauso wenig wie für seine Frau, die sagt: "Mich stört das nicht, warum auch?" Sascha Hoffmann lebt mit der Prothese.
Autor: Gerda Oswald



