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12. September 2017 00:00 Uhr

Landgericht Freiburg

Ein Mithäftling belastet den Angeklagten schwer

Hussein K. soll auch im Iran ein Mädchen vergewaltigt haben – das wurde am zweiten Prozesstag im Fall Maria L. bekannt. Zudem war er in der Freiburger Kinder- und Jugendpsychiatrie in Behandlung

  1. Trauerort: der Tatort an der Dreisam Foto: dpa

Der Angeklagte Hussein K. soll nicht nur 2013 in Griechenland bereits ein schweres Verbrechen begangen haben, als er eine Studentin über eine Klippe stieß, sondern als 14-Jähriger im Iran auch ein zwölfjähriges Mädchen vergewaltigt haben. Das berichtete der Hauptsachbearbeiter der Kriminalpolizei, der im Anschluss an das Geständnis des Angeklagten am Montagnachmittag drei Stunden lang als Zeuge aussagte. Die Familien sollen sich damals außergerichtlich geeinigt haben, der Vater soll Hussein K. anschließend windelweich geprügelt haben. Das behauptet ein afghanischer Mithäftling, mit dem K. anfangs eine Zelle geteilt hat. K. selbst bestreitet, dies je gesagt zu haben.

Außerdem behauptet der Mithäftling, K. habe ihm gesagt, dass er in der Tatnacht zunächst vorgehabt habe, eine asiatische Frau zu vergewaltigen. Die Frau konnte die Polizei ermitteln, an K. konnte sie sich jedoch nicht erinnern, da sie betrunken war. Die Polizei hält die Aussagen des Zellenmitinsassen für glaubhaft, da sich viele seiner Angaben bei der Überprüfung als wahr herausgestellt hätten.

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K. soll eine Frau lüstern angestarrt haben

Der Kriminaloberkommissar machte weitere detaillierte Angaben zu den polizeilichen Ermittlungen. Er beschrieb Zeugen, die K. in jener Nacht begegneten – darunter eine Frau, die sich nachts um zwei in der Straßenbahn neben K. unwohl gefühlt habe. Die Begegnung mit K. habe sie als bedrohlich empfunden, sagte sie der Polizei, die die Frau anhand von Videoaufnahmen aus der Straßenbahn ausfindig gemacht hatte. Es sei auch zu erkennen, dass K. eine weitere Frau minutenlang lüstern anstarrte, so der Polizist.

Drei Freunde waren am Tag und am Abend vor der Tat mit Hussein K. unterwegs, darunter auch jener Flüchtlingsjunge, der auf Vorschlag von K. in derselben Pflegefamilie untergebracht war. Dieser beschrieb seine Beziehung zu K. als eher locker und flüchtig, was sich später aber als falsch herausstellte. Gemeinsam hätten die vier am Abend zunächst im Seepark gegrillt, Alkohol getrunken und Hasch geraucht, anfangs noch in Anwesenheit von zwei jungen Kurden. Laut einem der drei Freunde sei K. da "der Normalste" von ihnen gewesen, größere Ausfallerscheinungen wegen der Drogen und des Alkohols habe er nicht gehabt.

K. habe – so schilderten es die Freunde der Polizei – dann in eine Schwulenbar in der Freiburger Innenstadt gewollt, weil es dort keine Einlasskontrolle gebe. Die anderen wollten dort nicht hin. Dort sei er deshalb dann alleine von kurz vor 23 Uhr bis 1.14 Uhr gewesen (Maria L. tötete er mutmaßlich gegen 3 Uhr). Videoaufnahmen aus der Bar zeigen lückenlos seinen Aufenthalt. Laut dem Kriminaloberkommissar verhielt K. sich in der Bar nicht auffällig; der Barkeeper behauptete gegenüber der Polizei, K. habe den Betrunkenen nur "gemimt".

Zwei Suizidversuche in Haft

Ein Mann sagte, K. habe ihm auf der Toilette der Bar sexuelle Dienste angeboten. Als der Gast das Angebot ablehnte, sei K. noch mit dem Preis runtergegangen, es sei aber nicht zum bezahlten Sex gekommen. Eine Frau in der Bar fühlte sich von K. angemacht, sie habe ihn von sich weggestoßen.

Wie der Kommissar auch ausführte, war eine Kamera am Schwarzwaldstadion, die für gewöhnlich das Dreisamufer hinter der Nordtribüne filmt, in jener Nacht defekt. Bekannt wurde im Prozess auch, dass sich K. in der Haft zweimal das Leben nehmen wollte: einmal im Freiburger Gefängnis Anfang Dezember 2016, ein weiteres Mal an Weihnachten im Gefängniskrankenhaus Hohenasperg.

In der Freiburger Kinder- und Jugendpsychiatrie der Uniklinik war er vor der Tat, zwischen Januar und April 2016, wegen einer posttraumatischen Belastungsstörung vier Mal in Therapie gewesen und sei auch medikamentös behandelt worden.

Autor: Frank Zimmermann