Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

28. Oktober 2008 17:25 Uhr

Irans Ex-Präsident zu Besuch

Ein Mullah im Münster

Hoher politischer Besuch in Freiburg: Der frühere iranische Staatspräsident Mohammed Khatami ist zu Gast in Freiburg. Oberbürgermeister Salomon appellierte an den Mullah, seinen Einfluss zugunsten der Partnerschaft zwischen Freiburg und Isfahan geltend zu machen.

  1. Domkapitular Wolfgang Sauer (links) zeigt Irans Ex-Präsident Khatami (rechts) das Münster. Foto: Michael Bamberger

  2. Foto: Michael Bamberger

  3. Foto: Michael Bamberger

  4. Foto: Michael Bamberger

Der ehemalige iranische Staatspräsident Mohammed Khatami war den ganzen Dienstag über zu Gast in Freiburg. Auf seinem Programm standen Gespräche mit Studierenden und Wissenschaftlern, aber auch ein Gang durch die Freiburger Altstadt und ein Besuch des Münsters. In der Vorhalle der Kathedrale wurde der muslimische Geistliche von Domkapitular Wolfgang Sauer begrüßt. Er lobte den Gast für seinen Dialog der Kulturen. "Es hat auf uns tiefen Eindruck gemacht, dass sie im vergangenen Jahr von Papst Benedikt XVI. in einer Privataudienz empfangen worden sind", so Sauer. Er führte Khatami durch das Münster und erläuterte dabei auch die Baugeschichte des Freiburger Wahrzeichens. Khatami war ein interessierter Zuhörer und machte sich immer wieder auch Notizen. Der Mullah ist der höchste islamische Würdenträger, der das Freiburger Münster besucht hat: "Es ist eine historische Stunde für den Dialog von Christentum und Islam in unserer Diözese", meinte Domkapitular Sauer. Am Abend wird auch Erzbischof Robert Zollitsch im Audimax der Universität den früheren Staatspräsidenten treffen.

Werbung


Vor dem Uni-Vortrag wurde der ehemalige Reformpräsident, der in seiner Amtszeit von 1997 bis 2005 sein Land wieder an den Westen angenähert hatte, von Oberbürgermeister Dieter Salomon empfangen. Salomon lobte, dass der Iran während Khatamis Präsidentschaft einen Weg gegangen sei, der durch mehr Rechtsstaatlichkeit, Demokratie und Freiheit für die Menschen gekennzeichnet gewesen sei. "Sie haben bewusst den Dialog mit Europa und Amerika gesucht, Sie haben um Verständnis für politische, kulturelle und religiöse Unterschiede geworben, aber Sie haben auch immer wieder auf Gemeinsamkeiten aufmerksam gemacht." Leider, so der Freiburger Rathauschef, sei die 2000 besiegelte Städtepartnerschaft zwischen Freiburg und Isfahan derzeit in einer schwierigen Phase. Derzeit funktioniert sie in erster Linie über Bürgerreisen und auf kultureller Ebene sowie durch Kontakte zwischen den Hochschulen, nicht jedoch auf offizieller Ebene. "Die Politik Ihres Nachfolgers [gemeint ist Staatspräsident Mahmud Ahmadinedschad, die Red.], vor allem seine Haltung gegenüber Israel, sind eine schwere Belastung. Wir haben Verständnis für Kritik an Israel und an der israelischen Politik. Aber wir können es als Deutsche mit der Verantwortung für den Holocaust nicht hinnehmen, dass zur Vernichtung des Staates Israel aufgerufen wird", fand Salomon klare und kritische Worte und appellierte an den prominenten Gast: "Ich wünsche mir, verehrter Herr Präsident, dass Sie Ihren Einfluss im politischen Leben im Sinne unserer Partnerschaft geltend machen und uns helfen, damit unsere Partnerschaft weiterhin eine lebendige Verbindung des gegenseitigen Respekts und des gegenseitigen Verstehens bleiben wird."

Anders als beim Empfang im Rathaus, bei dem der 65-jährige Khatami nicht zu den Problemen der Städtepartnerschaft Stellung nahm, hatte er sich bei einem Pressegespräch am Morgen im Hotel Colombi zur Bedeutung der partnerschaftlichen Beziehungen geäußert. Er glaube, dass die Partnerschaft auf dem richtigen Weg sei. Leider wären manche politischen Ereignisse ein Hindernis für die Beziehungen gewesen. Je mehr aber die politische Situation eine Annäherung begünstige, desto eher ließen sich die Beziehungen vertiefen. "Wenn etwas zur Vertiefung getan werden kann, stehe ich gerne bereit."

Im Audimax der Universität sprach Khatami am Dienstagabend über die Beziehungen des Islam zum Westen (die BZ berichtet noch). Im Anschluss an den öffentlichen Vortrag war auch ein Gespräch mit dem Publikum vorgesehen. Khatami weilt auf Einladung der Universität in Freiburg. Eingeladen worden sei er schon vor langem, seit zwei Jahren habe er eine Gelegenheit gesucht. "Mein Wunsch wäre gewesen, früher zu kommen."