Schwenninger Wild Wings

Ein neuer Trainer gegen den Zahlenhorror

Heinz Wittmann

Von Heinz Wittmann

Do, 08. November 2018 um 17:47 Uhr

Schwenningen Wild Wings

Der Brite Paul Thompson wird Trainer bei den Schwenninger Wild Wings, die in der Deutschen Eishockey Liga mit nur zwei Siegen in 17 Spielen Tabellenletzter sind.

Die Deutschland-Cup-Pause ist bei den Schwenninger Wild Wings traditionell die Zeit, Zwischenbilanz zu ziehen. Die fällt freilich so schlecht wie noch nie zuvor aus: 15 von 17 Spielen wurden in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) verloren und gerade einmal 26 Tore erzielt. Doch es gibt Hoffnung: Am Donnerstagabend verpflichteten die Wild Wings den Engländer Paul Thompson als Nachfolger des vor einer Woche geschassten langjährigen Trainers Pat Cortina.

"Paul ist ein sehr renommierter und erfahrener Trainer, der uns in einem persönlichen Gespräch auf Anhieb überzeugt hat", so Manager Jürgen Rumrich. Der Neue sei hochmotiviert und freue sich auf Schwenningen und seine neue Aufgabe. Der 53-jährige Brite wurde am 5. April 1965 in Singapur geboren. Im Jahr 2000 übernahm er als Cheftrainer in Coventry und stand dort dreizehn Jahre lang unter Vertrag. Vier Mal gewann er mit Coventry Blaze die englische Meisterschaft. Seit 2000 stand er gleichzeitig bei der englischen Nationalmannschaft hinter der Bande. Von 2000 bis 2002 zunächst als Co-Trainer, von 2006 bis 2011 als Cheftrainer. Thompson war zuletzt für die Sheffield Steelers in der englischen Elite Ice-Hockey League tätig, die er insgesamt drei Jahre lang coachte und einmal zur Meisterschaft führte. Zuvor stand er in Dänemark (Aalborg) und in Schweden (Ljungby) unter Vertrag. Er ist einer der erfolgreichsten Trainer der englischen Liga und wurde in seiner Laufbahn schon mehrfach zum Trainer des Jahres gekürt. Thompson wird am Wochenende in Schwenningen erwartet und soll am Montag offiziell den Medien vorgestellt werden.

Thompson erwartet eine schwierige Aufgabe. Fast ein Drittel der DEL-Hauptrunde ist gespielt. Die Zahlen sind ein wahrer Horror: Von 51 möglichen Punkten haben die Schwenninger nur sieben geholt. In den neun Auswärtspartien ergatterten die Schwenninger keinen einzigen Zähler. In der heimischen Helios-Arena konnte gerade mal ein Sieg nach regulärer Spielzeit erkämpft werden: Am 21. Oktober ein 5:3 gegen Iserlohn. Am ersten Spieltag gab es noch einen 3:2-Erfolg nach Verlängerung gegen Nürnberg. Hauptproblem der Wild Wings ist die Offensive: Nur 26 Treffer, also gerade mal im Schnitt eineinhalb Tore pro Spiel brachten sie im gegnerischen Kasten unter. Niemand konnte die Rolle der abgewanderten Torjäger Will Acton und Damien Fleury übernehmen, niemand kann ihre Tore schießen und Verantwortung übernehmen. Am ehesten versuchte es noch Kapitän Simon Danner, dem ebenso wie Anthony Rech bislang vier Saisontore gelangen. Danner fällt jetzt aber aufgrund einer Schulterverletzung mehrere Wochen aus. Bester Scorer der Schwäne ist Ville Korhonen mit sieben Punkten (zwei Tore/fünf Assists). Eine Führungsfigur ist der finnische Neuzugang von Ässät Pori bislang noch nicht. Der Rückstand auf Platz zehn, den Bremerhaven einnimmt, beträgt schon (uneinholbare) 15 Punkte. Das Überzahlspiel ist mit einer Erfolgsquote von 10,1 Prozent schwach. Nur die Grizzlys Wolfsburg sind im Powerplay noch schlechter (8,2 Prozent). Da ist noch nicht einmal mit eingerechnet, dass die Wild Wings in Überzahl vier Gegentore bekamen. Das beste Überzahlspiel der Liga ziehen die Eisbären Berlin mit einer Erfolgsquote von 20,5 Prozent auf. Bei der Defensive sieht es bei Schwenningen etwas besser aus. 59 Gegentore (Schnitt dreieinhalb pro Partie) ist nicht der schlechteste Wert: Iserlohn (70) und Wolfsburg (66) haben mehr Gegentore bekommen. Indes, Torwart Dustin Strahlmeier der in der vergangenen Saison ein ums andere Mal überragend hielt, konnte an die Leistungen der vergangenen Runde bislang nicht anknüpfen. Dem 26-Jährigen unterliefen immer wieder einfache Gegentore. Die finnischen Verteidiger Kalle Kaijomaa und Jussi Timonen sind nicht nur was die Offensive betrifft, sondern auch in der Defensive meilenweit von den über weite Strecken guten Spielen der vergangenen Saison entfernt. Immerhin, das Unterzahlspiel der Wild Wings ist ordentlich. Mit einer Erfolgsquote von 85,5 Prozent liegen die Schwäne auf Rang sieben. Nur 3302 Zuschauer im Schnitt wollten die acht Heimspiele sehen. Am 15. November geht es für die Wild Wings gegen München weiter.