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10. Juni 2010
Ein neues Kellerkind im Kulturbetrieb
Der Kulturraum im elsässischen Hegenheim hat nun auch ein Kellertheater und das versteht sich vor allem als trinationale Bühne.
Eine Bühne von Künstlern für Künstler, das ist was sich der Basler Freddy Allemann in seinem neugegründeten Kellertheater in der Hegenheimer Kulturfabrik vorstellt. Niveauvolle Kleinkunst mit Lust am Experiment will er anbieten aus den Sparten Theater, Musik und Literatur. Vor wenigen Wochen eröffnet, tastet sich das neue Haus aber erst langsam an ein regelmäßiges Programm heran. "Wir haben keinen langen Spielplan im Voraus", sagt Allemann, dem das zurzeit noch auf Kosten der Spontaneität ginge. Und die gehört für ihn zum Konzept.
Aber natürlich kann man noch nicht wissen, wie sich das Kellerkind weiter entwickelt. Eine Veranstaltung pro Monat gibt es derzeit, vielleicht auch einmal zwei. Nach der Sommerpause könnten es aber schon deutlich mehr werden. Der Lage des Theaters in der nahe der Basler Stadtgrenze gelegenen alten Garnfabrik in Hegenheim entsprechend, wird jedenfalls Wert gelegt auf ein grenzüberschreitendes Angebot. Sowohl die französische wie auch die deutsche Sprache sollen sich hier heimisch fühlen und natürlich mindestens drei Nationalitäten. Es gäbe bereits Anfragen von Künstlern aus Deutschland, Frankreich und der Schweiz, freut sich Direktor Nummer eins.
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Zwar hat das Haus nur 40 Sitzgelegenheiten, die sich in Ausnahmefällen auf maximal 50 erweitern ließen, aber schon zwei Direktoren. Mit ins Boot geholt hat sich Allemann zusätzlich den Autor und Jungregisseur Cyril Haldemann. Der 27-Jährige sagt von sich selbst, durch das Angebot, die Hegenheimer Bühne mit aufzubauen und zu leiten, habe er gefunden, wonach er nicht gesucht hatte: "Viele gingen schon zum Theater oder werden noch gehen. Ich nicht. Das Theater ist zu mir gekommen." Zwar ist mit dem zweiten Schweizer im Team der mindestens binationale Anspruch noch nicht eingelöst, dafür aber ein Sprung über Generationsgrenzen gelungen, trennen die beiden Direktoren doch nicht weniger als 26 Jahre Altersunterschied.
Freddy Allemann ist die Theateridee seinerseits eher zufällig über den Weg gelaufen. Neben seinem Hauptberuf als Mediothekar am Basler Wirtschaftsgymnasium hat es ihn immer wieder zur Kultur gezogen, aktuell in Literatur- und Klangperformances in seinem Ensemble "Duolit", dem er zusammen mit dem Musiker Laurent Charles angehört. Für seine Ausflüge in die Kunst hat er seit längerem schon ein kleines Atelier in der Hegenheimer Kulturfabrik gemietet. Die Idee mit dem Kellertheater kam ihm über den Raum: "Das war so etwas wie eine Vision." Anfangs ähnelten die beiden hinter einander liegenden Räume mit eigenem Eingang zwar eher einer Müllhalde: "Es lagen alte Reifen herum und es stank." Der Kontakt mit dem Vermieter war dafür umso positiver.
Christoph Stähli, der die alten Fabrikgebäude 2002 gekauft hat, um hier Ateliers und Ausstellungsräume einzurichten, habe sofort mitgezogen und auch die Renovierungskosten weitgehend übernommen. Sein einziger Anspruch sei gewesen, so Allemann, das Theater müsse bespielt werden. Auf kleiner Bühne und mit dem Charme der Improvisation, der etwa die an den Wänden entlanglaufenden Abflussrohre als Garderobenstangen nutzt, wird dieser Anspruch jetzt umgesetzt. Als Theaterlogo dient der Gullideckel beim Kellereingang. Ein "Readymade" wie von Marcel Duchamp, nur formvollendeter.
– Nächste Veranstaltung: "Dialog – Dialogue" Schriftstellerinnen im Gespräch, mit Gisela K. Wolf, Diana Haddad, Bonnie Faust, Texte in Deutsch und Französisch, Samsatg, 12. Juni 19 Uhr.
Autor: Annette Mahro
