Ein Pfiff, der die Gemüter erregt

Jochen Dippel

Von Jochen Dippel

Mo, 29. Januar 2018

Handball 3. Liga

HSG Freiburg sieht sich durch Schiedsrichter benachteiligt.

HANDBALL. Dritte Liga Süd, Frauen: HSG Freiburg – TuS Metzingen II 24:24 (10:12). Es muss schon einiges passieren, um ein Handball-Publikum in Freiburg in Aufruhr zu versetzen – zumal bei den Frauen. Der Großteil der rund 350 erregten Zuschauer in der Gerhard-Graf-Sporthalle buhte und pfiff sich am Ende des Spitzenspiels minutenlang die Seele aus dem Leib und sah die Einheimischen um den Erfolg gebracht. Der Zorn richtete sich gegen zwei äußerst zweifelhafte Entscheidungen der Schiedsrichter in der Endphase.

Nun wäre es zu leicht, die Schuld für das Wohl oder Wehe eines Spiels nur bei den Referees zu suchen und von eigenen Unzulänglichkeiten abzulenken. Das 24:24 der HSG (Vierter) gegen die Erstligareserve des TuS Metzingen (Dritter) entsprach durchaus den Leistungen. Beide Topteams lieferten sich, wie beim 32:32 im Hinspiel, ein packendes und hart umkämpftes Duell, in dem es zwar leidenschaftlich, bisweilen auch rustikal, aber keineswegs überhart zur Sache ging – auch wenn die Statistik mit neun Zeitstrafen (sieben HSG, zwei TuS) und 13 Strafwürfen (5:8) anderes vermuten lässt.

Was war geschehen? Beim Stand von 23:23 versucht HSG-Linksaußen Alica Burgert ihre Gegenspielerin mit dem Ball auszuwackeln. Zweimal vergeblich, doch beim dritten Mal tut sich nach der schnellen Körpertäuschung eine Lücke auf. Die Ex-Jugendnationalspielerin stößt hinein, springt vom Boden ab, liegt beim Sprungwurf quer in der Luft – wird aber von den zwei düpierten Metzingerinnen, die zusammenrücken und dabei Bein sowie Hüfte herausstrecken, in die Zange genommen und zu Boden gecheckt. "Mir blieb die Luft weg, das tat im Rippenbereich sehr weh", sagte Burgert später.

Die zwei württembergischen Schiedsrichter Nicolas Jaros (Wissgoldingen) und Felix Thrun (Lauterstein) – Luftlinie nach Metzingen gut 40 Kilometer – pfeifen sofort, unterbrechen die Partie und winken HSG-Betreuerin Lena Fischer zur Behandlung aufs Feld. Indes bestrafen die Referees das üble Foul lediglich mit einem Siebenmeter, den Nadine Czok 59 Sekunden vor Schluss nervenstark mit ihrem zwölften Treffer zum 24:23 verwandelt. Die eigentlich fällige Zeitstrafe bleibt aber aus, so dass Metzingen die letzte Minute nicht in Unterzahl absolvieren muss.

Nach Foul nur Siebenmeter, aber keine Zeitstrafe

Mehr noch: Regelgemäß (nach Behandlung ohne persönliche Strafe) muss dagegen die gefoulte Burgert auf die Bank, wird somit indirekt bestraft. Den finalen TuS-Angriff verteidigt die HSG engagiert und geschickt. Doch fünf Sekunden vor Ablauf kommt der Ball zur frei stehenden Rechtsaußen Melanie Schall, die ihn erst im Nachgreifen fängt und zum 24:24 einnetzt. Indes schworen die Freiburgerinnen Stein und Bein, dass sie dabei im Kreis stand. Das Schiri-Duo ("Wir dürfen das von Verbandsseite aus nicht") verweigerte hernach einen Kommentar.

HSG-Trainer Ralf Wiggenhauser war "richtig wütend" ob der Entscheidung, auch wenn er "mit dem einen Punkt leben" konnte: "Das war ein Witz, passte aber zu den Schiris, die tendenziell gegen uns pfiffen, das Verhältnis der Zeitstrafen stimmte nicht, wir sind wahrlich keine Prügeltruppe." Unterstützt wurde er sogar von Simon Dürr (WKG Weitenau-Wieslet), dem Bruder von HSG-Spielmacherin Rebecca Dürr: "Dieses Foul wäre auch beim Ringen bestraft worden."

Die Freiburgerinnen fanden zu Beginn nur schwer in die Partie, spielten im Angriff zu statisch und bekamen die Gäste defensiv kaum in den Griff. Bis zum 7:12 (26.) wuchs der Rückstand stetig. Doch als Dürr, Czok und die starke Rechtsaußen Christiane Baum auf 10:12 verkürzten und die neue Torhüterin Zoe Ludwig bei ihrem Heimdebüt in Unterzahl zwei freie Bälle und einen Siebenmeter hielt, ging ein Ruck durch das Team. Mit einem 6:1-Lauf gingen die nun deutlich präsenteren Einheimischen nach der Pause trotz zeitweiser 4:6-Unterzahl sogar mit 16:13 in Führung. Der Vorsprung schmolz aber durch Fehlwürfe und technische Patzer.

Tore HSG: Czok 12/4, Baum 6, Burgert 4, Makelko 1, Dürr 1.

Spielfilm: 1:3, 4:5 (13.), 4:7, 5:9 (21.), 7:12 (26.), 10:12. – 12:12, 12:13, 16:13 (39.), 19:16 (45.), 19:18, 22:20 (54.), 22:22, 24:24.