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30. November 2009
Ein Plädoyer in Hemdsärmeln
ZDF-Journalist Claus Kleber im besetzten Audimax
Claus Kleber ist Reporter, und Reporter gehen dorthin, wo was los ist. Für Kleber war dieser Ort am Freitagabend das von Studenten besetzte Audimax der Freiburger Uni. Dort sollte der ZDF-Nachrichtenmoderator, der auch eigene Reportagen dreht, über "Krieg und Medien in den USA" sprechen, so war es mit dem Carl-Schurz-Haus als Veranstalter vereinbart. Und dabei blieb es trotz Besetzung: Das mache die Sache für ihn nur noch interessanter, teilte Kleber mit – und hielt ein großes Plädoyer für eine freie und kritische Presse.
Zuerst zieht Kleber das Jackett aus und krempelt die Ärmel hoch. Im bewohnten Audimax ist es warm – und schon der Weg hinein eine Herausforderung: Vor den Eingängen drängeln sich die Menschen. Die Besetzer und das Carl-Schurz-Haus haben die Plätze im größten Hörsaal der Uni fast paritätisch aufgeteilt: Die 300 Sitze im Mittelblock sind für Besucher freigehalten, die knapp 500 Plätze rechts und links davon gehören den Studierenden.Die Zusammenarbeit habe wunderbar geklappt, sagt und Student Johannes Bernet vom "Arbeitskreis Alternatives Vorlesungsverzeichnis", der das inhaltliche Programm während der Besetzung organisiert, findet es "eine super Sache, dass es geklappt hat, beides zu verbinden." Das Problem bei der Sache ist, nur dass der Platz hinten und vorne nicht reicht: Das Audimax ist einfach zu klein für alle Freiburger Kleber-Fans. Deshalb reden Schroeder und Bernet an den Türen auf die enttäuschten Abgewiesenen ein, und studentische Ordner geben sich alle Mühe, eine Stürmung des Saals zu verhindern, während andere fieberhaft an Boxen und Kabeln basteln, um eine Audioübertragung nach draußen hinzubekommen.
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Claus Kleber nutzt die Zeit, um schon mal zu den Zuhörern zu sprechen – und das Engagement der Studierenden zu loben: "Es wäre eines Reporters total unwürdig, nicht zu bemerken, welche phantastische Atmosphäre hier herrscht." Wer sich an der Uni nur dafür interessiere, die Regelstudienzeit zu unterbieten, sei "ein armes Würstchen" – weil er so viel verpasse. Draußen wechseln die Sprechchöre von "Wir wollen rein!" zu "Claus, komm‘ raus!"; dann endlich steht die Leitung, und Kleber bemerkt, er habe jetzt "mehr Mikrofone als beim ZDF".
Eindrücklich schildert der ehemalige USA-Korrespondent der ARD, wie der 11. September 2001 das Verhältnis der Amerikaner zum Krieg und auch zur Kriegsberichterstattung verändert habe. In der Schocksituation nach den Terroranschlägen hätten "die Organe völlig versagt, die in einer freien Gesellschaft kritische Fragen stellen sollten – und das ist vor allem die Presse", so Kleber: "Alle haben dasselbe geglaubt." In der Frage, ob der Irak Massenvernichtungswaffen besitze, sei auch er persönlich von den falschen Beweisen überzeugt gewesen. Kleber berichtet auch über seine alltäglichen Schwierigkeiten im Umgang mit suggestiven Bildern – etwa als beim Libanon-Krieg vor drei Jahren Aufnahmen vom massiven Einsatzes der israelischen Armee die Berichterstattung beherrschten, weil es kaum Bilder von den tödlichen Aktionen der Hisbollah gab.
Obwohl seine Redaktion immer wieder versucht habe, weiterführende Informationen zu liefern, "kamen wir gegen die Wucht unserer eigenen Bilder nicht an". So würden Journalisten immer wieder "zu Transporteuren von Propaganda" – auch weil bei den Militärs "Leute sitzen, die genau wissen, wie die Medien funktionieren."
Kritischen Umgang mit Informationen fordert Kleber auch von den Zuschauern: "Das ist eine Zweibahnstraße". Dafür sei Bildung keine schlechte Voraussetzung. Lange hält der Schlussapplaus an bei den 800 Menschen im Audimax - seien sie nun Gäste des Carl-Schurz-Hauses oder studentische Besetzer.
Autor: Thomas Goebel
