Ein Satellit mit großer Bedeutung

Felix Held

Von Felix Held

Di, 07. August 2018

Bad Säckingen

Der Dienstsitz Bad Säckingen des Regierungspräsidiums Freiburg hat 2018 einen Etat von 111,2 Millionen Euro zu verwalten.

BAD SÄCKINGEN. Das Regierungspräsidium Freiburg (RP) hat einen Dienstsitz in Bad Säckingen. Das ist vermutlich dem ein oder anderen bekannt, denn schließlich steht das Gebäude, in dem der Dienstsitz untergebracht ist, prominent am Münsterplatz Richtung Rheinufer. Das RP teilt sich das Gebäude mit dem Polizeirevier. Weniger bekannt dürfte indes sein, dass die Zuständigkeit der Behörde mit Sitz in Bad Säckingen bis an den Bodensee und den Schwarzwald-Baar-Kreis reicht.

Vielseitige Aufgaben

Chef des Baureferates Süd des Regierungspräsidiums Freiburg, wie die Behörde offiziell heißt, ist seit Mitte 2014 der Leitende Baudirektor Dieter Bollinger. Der 53-Jährige wohnt in Lauchringen und pendelt regelmäßig nach Bad Säckingen – und nach Singen. Dort ist nämlich die Neubauleitung angesiedelt, die ebenfalls dem Dienstsitz Bad Säckingen unterstellt ist. "Ich könnte oft Schleichwege fahren zur Arbeit, aber wenn ich mitreden will, muss ich auch mal im Stau stehen. Gerade, was Waldshut angeht, weiß ich aus eigener Betrachtung, was es da für haarsträubende Situationen gibt", sagt er im Hinblick auf das regelmäßige Verkehrschaos am dortigen Grenzübergang.

Hauptsächlich beschäftigten sich die Beamten in Bad Säckingen nämlich mit der Verkehrs- und Straßenplanung, aber auch Landschaftsplanung, Lärmschutz an Straßen, Technischer Umweltschutz, Vermessung und Stellungnahmen zu Planungen Dritter gehören zum breiten Aufgabengebiet der Behörde. Sie ist für Autobahnen, Bundes- und Landesstraßen zuständig. Außerdem ist das Wasserwirtschaftsamt angegliedert. Es ist für sämtliche Gewässerin den Kreisen Lörrach, Waldshut und Konstanz zuständig. Alles, was den Betrieb und Unterhalt der Gewässer anbelangt, wird von hier aus gesteuert. Das geht die ganze Höri entlang über Moos am Bodensee, Radolfzell, Konstanz bis nach Ludwigshafen.

Auch für den Teil des Bodenseeufers, der zum Regierungsbezirk Freiburg gehört, ist die Behörde mit Sitz in Bad Säckingen zuständig. Eines der größten Projekte, für die der Dienstsitz bisher zuständig war, war die Planung der A 98 am Hochrhein. Derzeit läuft beispielsweise der Bau des Abschnitts A 98.4 bei Rheinfelden. "Wir haben uns das Ziel gesetzt, dass wir den Abschnitt bis Ende 2020 fertiggestellt haben wollen", bekräftigt Dieter Bollinger. Die übrigen Planungen für die Autobahn, vor allem die Abschnitte 6, 8 und 9, sind dagegen nun an die Autobahnbaugesellschaft Deges übergeben worden (die BZ berichtete).

Deswegen werde seinen Mitarbeitern die Arbeit aber sicher nicht ausgehen. Stellenstreichungen oder Verlagerungen werde es in Bad Säckingen nicht geben, versichert Dieter Bollinger. "Wir haben im Schnitt zwischen vier und fünf Vollzeitäquivalente für die A 98 beschäftigt, also vier bis fünf Personen", sagt der Behördenchef. "Wenn man sieht, wie viel Personal und Aufgaben wir hier haben, ist das etwa ein Zehntel bis zu einem Fünftel unserer Kapazität", rechnet er vor. Insgesamt arbeiten 44 Personen im Bereich Straßenbau, außerdem sechs Personen im Wasserwirtschaftsamt und eine Person in der Fischereiaufsicht. "Ich persönlich habe immer gerne Autobahnprojekte betreut. Das ist interessant. Aber wir haben so viele Dinge, die wir immer wieder auf die lange Bank schieben mussten, an die wir jetzt mit vollem Druck drangehen können. Uns geht die Arbeit definitiv nicht aus", versichert er.

Zahlreiche Projekte

Als Beispiel für so ein Projekt nennt Bollinger die Auffahrten auf die B 317 im Bereich Schopfheim und Maulburg. Aber auch der Grenzübergang Waldshut oder die Ortsumfahrungen von Grenzach-Wyhlen und Oberlauchringen rücken nun verstärkt in den Fokus.

Außerdem gebe es viele kleinere Projekte, die ebenfalls viel Zeit und Arbeit erforderten. So beispielsweise ein sicherer Übergang an der McDonald’s-Kreuzung in Bad Säckingen. Oder eine größere Verkehrsinsel für die Schüler des Scheffelgymnasiums im Bereich des ehemaligen Supermarktes an der B 34. "Der jetzige Übergang dort ist einfach zu klein", weiß Bollinger. Das führe immer wieder zu gefährlichen Situationen, die die Planer nun entschärfen wollen.

Solche im Vergleich eher kleineren Projekte binden laut Bollinger trotzdem viel Arbeitskraft. "Das sind nicht immer die ganz großen Maßnahmen. Aber die darf man nicht unterschätzen, weil sie immer gleich aufwändig sind. Oft gibt es Eingriffe in Privatgelände. Die Planungen in kleinen Ortsdurchfahrten sind oft aufwändiger als die auf der grünen Wiese", weiß Bollinger aus Erfahrung. Auch die Planung und der Bau von Geh- und Radwegen würden immer komplizierter. "Früher hat man das so nebenher geplant. Heute ist der Planungsaufwand für drei Kilometer Radweg der gleiche wie für eine entsprechende Landstraße", so Bollinger. So setzt das Baureferat Süd auch immer größere Beträge um. Betrug der Etat im Jahr 2013 noch 55,3 Millionen Euro, ist es 2018 mit 111,2 Millionen Euro nun fast das Doppelte.

Ein Problem für die Behörde ist der Fachkräftemangel, der durch die Nähe der Schweiz noch verstärkt werde. Allerdings habe man bisher immer alle Stellen besetzen können. Da die meisten Mitarbeiter derzeit zwischen 30 und 50 Jahre alt seien, sei zudem in absehbarer Zeit auch kein größerer Umbruch zu erwarten, denkt Dieter Bollinger.