Ein stabiles Gerüst verfeinern

Frank Schoch

Von Frank Schoch

Mo, 29. Oktober 2018

Bad Krozingen

26. Jobstartbörse in Bad Krozingen am 9. November.

BAD KROZINGEN. 600 Schulabgänger, mehr als 40 Vertreter von Betrieben, Schulen und öffentlichen Einrichtungen, die über 100 verschiedene Berufsbereiche repräsentieren, ein Tag voller Informationen – das Gerüst der Jobstartbörse steht. Auch bei der 26. Ausgabe, die der Gewerbeverband Bad Krozingen, die AOK und die Max-Planck-Realschule am 9. November veranstalten. Verfeinerungen finden sich im Detail, etwa einem vereinfachten Anmeldungsverfahren. Außerdem ist es gelungen, deutlich mehr französische Schüler für die Börse zu interessieren.

Fachkräftemangel wird an vielen Stellen beklagt. Ein Weg, diesem zu begegnen, ist, den Nachwuchs für die jeweiligen Berufsfelder zu begeistern. Etwa mit der Jobstartbörse, mit der die Veranstalter eine Plattform bieten wollen, auf der Betriebe und Schüler von der Hauptschule bis zum Gymnasium – allesamt Schulen aus Bad Krozingen, Staufen, Münstertal, Ehrenkirchen, Heitersheim, Schliengen und dem französischen Volgelsheim – zueinander finden. Die Bad Krozinger Variante ist dabei keine Messe im klassischen Sinn, betonen die Veranstalter beim Pressegespräch mehrfach. Als Besonderheit bewerten sie das Konzept, wonach sich die Schüler bereits im Vorfeld für die Besuche bei drei konkreten Betrieben anmelden müssen – eine neu erstellte digitale Plattform soll dies für alle Beteiligten erleichtern –, ein Vierter kann spontan vor Ort gewählt werden. So können – und sollen – sich die Schüler auf die Betriebe und konkrete Fragen vorbereiten. Kontaktdaten liegen den Firmen auch vor. Dies soll den weiteren Weg erleichtern, wenn sich eine Zusammenarbeit etwa in Form eines Praktikums oder einer Bewerbung für eine Ausbildung anbahnt.

Außerdem können die Betriebe sich Notizen machen, aus welchen Klassen Schüler in besonderem Maße positiv aufgefallen sind, etwa durch passende Fragen. Die Veranstalter bündeln all diese Notizen und vergeben drei Preise – 300, 200 und 100 Euro – an die Klasse, die am besten abgeschnitten hat. "Wir erhoffen uns eine größere Motivation bei den Schülern", so Ralph Voß von der AOK.

Dass die teilnehmenden Betriebe aus verschiedenen Bereichen, Schulen und Einrichtungen der Veranstaltung eine große Bedeutung zuschreiben, zeigt sich etwa daran, dass sich, so Gewerbeverbandsvorsitzender Peter Lob, deutlich mehr Interessenten – auch von außerhalb der Kurstadt und ihrem direkten Umland – als die 42 um die Plätze beworben haben. Allerdings wollen die Veranstalter insbesondere lokalen Akteuren die Chance bieten, sich zu zeigen, und so befinden sich darunter 23 Mitglieder des Bad Krozinger Gewerbeverbands und auch die Badische Zeitung sowie mehrere weiterführende Schulen.

Manche Aussteller lassen für die Börse ihren Betrieb ruhen

Dass sich die Zahl der Aussteller in den vergangenen Jahren bei rund 40 eingependelt hat, liegt auch daran, dass sich die Veranstalter damit in der Sporthalle der Max-Planck-Realschule am Limit sehen, das gelte auch für die Organisationsleistung der Veranstalter, die das neben ihrer eigentlichen beruflichen Tätigkeit auf die Beine stellen. Und so legen die Organisatoren Wert darauf, dass von den anwesenden Ausstellern alle auch ihren jeweiligen Berufsbereich vertreten, nicht nur den einzelnen Betrieb.

Das Interesse der Aussteller zeigt sich auch daran, dass sich auch zahlreiche kleine Firmen darunter befinden, für die der Besuch der Messe auch bedeutet, einen Tag lang das Geschäft zu einem nicht kleinen Teil ruhen zu lassen. Nach Angaben von Michael Stoll vom Gewerbeverband interessieren sich auch immer wieder Firmen für die Teilnahme, die selbst aktuell gar keine Ausbildungsplätze anzubieten haben. "Einfach um ihren Beruf vorzustellen und zu bewerben", sagt Michael Stoll vom Gewerbeverband.

Konkrete Zahlen, wie viele Besucher der Jobstartbörse in den vergangenen 25 Jahren tatsächlich bei einem dort kennengelernten Betrieb gelandet sind, liegen laut Stoll nicht vor. Aber immer wieder höre man aus Unternehmen, wie diese über die Veranstaltung zu neuen Auszubildenden gekommen sei. Er stellte klar, dass auch ein Praktikum, das auf diesem Weg zustande kam, schon ein Erfolg ist.

Zahlen zu den Kosten der Börse wollten die Verantwortlichen nicht nennen. Nur so viel: Getragen wird die Veranstaltung vom Gewerbeverband, und die AOK sponsort einen Teil.

Nachdem 2017 erstmals sechs französische Schüler bei der Jobstartbörse waren, konnte diese Zahl in diesem Jahr mehr als verzehnfacht werden. Stark gemacht hat sich dafür auch Bürgermeister Volker Kieber, der mit Sabine Stein, Leiterin der Realschule zu Werbezwecken im Elsass war. Gleichwohl: Trotz der binationalen Bemühungen und einer relativ hohen Jugendarbeitslosigkeit sind nach wie vor relativ wenige Auszubildende aus dem Nachbarland in der Region. Vor allem sprachliche Schwierigkeiten und unterschiedliche Standards bei der Ausbildung stellen laut Kieber eine Hürde dar.

Dass die Jobstarbörse dennoch seit vielen Jahren ein Erfolgsmodell zu sein scheint, liegt neben dem Konzept und dem Engagement der Beteiligten daran, dass die Börse auch bei den Schulen und der Stadt hohes Ansehen genießt. Realschüler übernehmen etwa die Bewirtung, Schüler des Kreisgymnasiums helfen beim Auf- und Abbau und auch der städtische Bauhof packt erstmals mit an.