Ein Steg führt zu süßen Früchtchen

Gert Brichta

Von Gert Brichta

Do, 23. August 2018

Eisenbach (Hochschw.)

Oberbränder Egon Kaltenbrunner macht ein besonderes Angebot.

EISENBACH-OBERBRÄND. Er hat eine Brücke geschlagen, um süße Früchtchen zu ernten: Egon Kaltenbrunner aus Oberbränd. Seit vielen Jahren bewohnt er sein Haus am Mühlsteinweg in der Nähe des ehemaligen Steinbruchs und nutzt die sonnige Südhanglage, um Beeren anzupflanzen. Die Brombeeren gedeihen hier sehr gut und die Sträucher vermehren sich stetig. Im vergangenen Jahr war es rund ein Zentner Früchte, die sich an der Ostseite des Hauses bis zur perfekten Reife entfalteten.

Doch Egon Kaltenbrunner ist seit drei Jahren Witwer und das Beerenaufkommen übersteigt bei weitem seinen Eigenbedarf. Wohin mit den vielen Beeren, war also die Frage. Da kam ihm eine Idee: Er ließ an den recht steilen Beerenhang einen Steg bauen. Dieser wurde mit einem Geländer versehen, damit niemand abstürzen kann.

Mit dem Steinbruchsteg, wie Egon Kaltenbrunner das Bauwerk nennt, will er Beerenliebhaber zum Selbstpflücken an sein Haus einladen. "Denn es wäre doch schade, wenn die Früchte an den Büschen hängen bleiben und nicht verwertet werden", sagt er.

Dass man vom Steg aus einen tollen Blick auf die Baar und die Alpen genießen kann, ist ein schöner Nebeneffekt. Doch noch etwas dürfte die Idee zu einer guten machen: die Pflege sozialer Kontakte. Durch den Steg erhält der alleinlebende Egon Kaltenbrunner immer wieder Besuch. "Ä weng mit de Litt schwätze" – das ist es, was ihm gefällt.

Egon Kaltenbrunner ist im Hochschwarzwald bekannt als Taxiunternehmer, er arbeitete zwischendurch auch als Automobilverkäufer in einem Eisenbacher Autohaus und war bis zum Eintritt in den Ruhestand Inhaber eines Autohauses in Hüfingen. An Ideen hat es ihm, der demnächst das 77. Lebensjahr vollendet, noch nie gefehlt. Prompt gaben sich die ersten Interessentinnen auch schon ein Stelldichein: Elisabeth Demattio und Doris Müller kamen auf den Steinbruchsteg um Brombeeren zu ernten, die anschließend zu Gelee oder Saft verarbeitet werden. Und natürlich wurde ein Schwätzchen gehalten.