Ein Streichtrio-Abend als Kino für den Kopf

rob

Von rob

Fr, 13. Januar 2012

Ettenheim

Das Trio Echnaton interpretiert Reger, Mozart und Martinu mitreißend und frisch sowie mit Gespür für Stimmungen und Wirkungen.

ETTENHEIM. Das Konzert am Montag in Ettenheim war der Auftakt zu einer ganzen Reihe von Auftritten, mit der das international renommierte Trio Echnaton nach einer eher ruhigen Phase auf die Bühne zurückkehrt. Dass er im ausverkauften Bürgersaal stattfand, liegt an der Rührigkeit der Musikfreunde Ettenheim, die den Abend organisierten. Außerdem hatte das Trio zeitnah ein Engagement in Basel.

Bekanntlich stammen zwei der Musiker aus Lahr. Sowohl Sebastian Krunnies (Bratsche) wie Frank-Michael Guthmann (Cello) waren einst Schüler der Städtischen Musikschule. Guthmann ist heute Solo-Cellist beim SWR-Sinfonieorchester, Krunnies und Geiger Wolfram Brandl als dritter im Bund sind Teil der Berliner Philharmoniker.

Das Programm – Regers Streichtrio a-Moll, opus 77 b, das Streichtrio Nr. 1 von Buhoslav Martinu und das Mozart-Divertimento KV 563 – wurde vom Trio Echnaton schon vor Jahren auf CD eingespielt, mit ausschließlich positiven Rezensionen. Der Montag in Ettenheim zeigte, was die Klasse des Trios ausmacht: Man spielt präzis, vor allem aber mitreißend und frisch, mit Gespür für Stimmungen und Wirkungen.

In seiner Begrüßung sprach Bernd-Volker Harting von den Musikfreunden vom "Glückspender Musik" – und nahm damit die Essenz der Mozart-Interpretation vorweg. Sechs Sätze Mozart für Streichtrio, fast eine Dreiviertelstunde, wollen gestaltet sein. Und sie wurden es, ohne eine Sekunde Langeweile – im Gegenteil. Da ist überall Überraschung, Augenzwinkern, Frechheit, Verspieltheit. Und manchmal auch Verstörung, die der Komponist immer wieder in Leichtigkeit und Esprit umschlagen lässt. Etwa in Satz eins, wo trillernde Passagen, eben noch keck, unvermittelt ins Ernsthafte umschlagen, in ahnungsvoll-dunkle Farben. Doch genauso keck ist die Volte rückwärts, in ein spritziges Ruf-und-Antwort-Spiel, das immer rasanter wird.

Ein Meisterstück ist das Menuett I, eine Art Kinderreigen, rund und unrund zugleich, der mit immer neuen Erfindungen angekurbelt wird. Etwa einer brummigen Cello-Phrase, einem witzigen "Stotterer" auf der Bratsche oder mit spitzen geworfenen Strichen auf der Geige. Immer, wenn man glaubt, jetzt "lullt" es, wird mit derlei Tricks die nächste Reigen-Runde eingeläutet. Das Menuett II ist ein richtiger Walzer, obwohl es diesen Tanz damals noch gar nicht gab. Auch hier wird mit dem Schwungrad des Rhythmus’ gespielt,das reihum hüpfende Um-tata torkelt und tanzt. Kontrast bietet ein Adagio, idyllisch und so zart und innig gespielt, dass das Raspeln der Bögen auf den Saiten geradezu schmerzt.

Das Trio begann mit dem Reger-Werk, das mit Dissonanzen und gerade noch harmonischen Wendungen bepackt ist, das glüht, schmerzt, schwelgt, ein Harlekin-Scherzo ausbreitet und ein Larghetto, wie es Bach nicht hätte inniger schreiben können.

Chaplineske Rhythmen, geschäftiges Stadtgebrodel

Das Werk von Martinu entstand im Paris der wilden Zwanziger und spiegelt Stadt und Zeit. Da gibt es chaplineske Rhythmen, fröhlich-geschäftiges Stadtgebrodel, Vaudeville-Aufgekratztheit, Jazz-Harmonik und stimmungsvolle Momente von hingetupfter Musette-Melancholie.

Nicht nur dieses, sondern alle Werke gestaltete das Trio durch dynamische Unterschiede, durch Be- und Entschleuniging, durch Zupacken und durch Entstehen lassen, und schuf lebendige Stimmungen: Eine Streichtrio-Abend als Kino für den Kopf.