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01. Juli 2009

Ein Stück Bayern in Bollschweil

Jugend- und Blasorchester Murnau war beim 4. Schlosskonzert der Trachtenkapelle zu Gast / Vielfältiges Programm geboten

  1. Das Murnauer Blasorchester mit seinem Dirigent Michael Schmidt bekam für seinen Auftritt beim Bollschweiler Schlosskonzert viel Applaus und Anerkennung. Foto: Anne Freyer

BOLLSCHWEIL. Der Himmel meinte es gut mit dem "Schlosskonzert in Bollschweil": Kurz vor Beginn verzog sich das dunkle Gewölk, so dass dem Musikgenuss im Freien nichts im Wege stand. Die Trachtenkapelle Bollschweil hatte nach längerer Pause mal wieder das Jugend- und Blasorchester Murnau zu Gast. Beide zusammen machten den Abend zu einem großen Erlebnis.

"Entdecke den Bayern in dir" – das schien die unausgesprochene Botschaft zu sein, die das Jugend- und Blasorchester aus Murnau in Oberbayern mitgebracht hatte. Die musikalische Sprache war dafür umso deutlicher, und sie wurde verstanden: Wie ein Mann erhob sich das Publikum und klatschte beim "Tölzer Schützenmarsch" mit. Davor hatte Dirigent Michael Schmidt mit seiner Truppe aber auch ganze dramaturgische Arbeit geleistet und die Stimmung zielsicher auf den Höhepunkt zugesteuert.

Eröffnet wurde das "Schlosskonzert in Bollschweil" von den Gastgebern, zunächst der Jugendkapelle Bollschweil-St. Ulrich unter der Leitung von Stephanie Gutgsell. Mit "Rock Around the Clock" ging es los, und auch das südamerikanisch geprägte "Livin’ La Vida Loca" von Desmond Child gab dem Nachwuchs Gelegenheit zu zeigen, was er gelernt hatte. Anschließend nahm die Trachtenkapelle Bollschweil vor der Reithalle Platz. Vereinspräsident Hanspeter Moll begrüßte die Gäste und bedankte sich bei der Familie von Holzing dafür, dass sie das Konzert in diesem stimmungsvollen Rahmen möglich gemacht hatte.

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Passend zum milden Licht eines warmen Sommerabends intonierten die Bollschweiler mit ihrem umsichtigen Dirigenten Andreas Daiger eine "Italienische Lustspiel-Ouvertüre" genannte Melodienfolge, die nicht passender hätte sein können. Da blitzten Takte aus den bekannten Werken von Puccini, Verdi, Rossini auf und versetzten für kurze Zeit in "das Land, wo die Zitronen blüh’n". Das feine Wechselspiel der einzelnen Instrumentengruppen wurde ergänzt durch bemerkenswerte Trompeten- und Saxophon-Soli. Das Stück "Pilatus" von Steven Reineke hingegen erzählte die romantische Geschichte von ein paar tollkühnen Bergsteigern, die sich in die Höhle des Drachen auf Luzerns Hausberg wagen. Leicht und präzise gespielt kam die Polka "Vergnügungszug" von Johann Strauß daher, auf den aufzuspringen die bewährten Moderatorinnen Patrizia Schneider und Daniela Müller eingeladen hatten. Sie führten humorvoll und charmant durch den Bollschweiler Teil des Programms. Das Medley "The Wizard of Oz" rief einen Film in Erinnerung: die unvergessliche Verfilmung des bekanntesten amerikanischen Märchens mit Judy Garland. Die Klarinetten hatten ihren großen Auftritt im Klezmer Karnival, einer Bearbeitung der traditionellen jiddischen Musik mit ihren zündenden Tonfolgen und vertrackten Rhythmuswechseln von atemberaubend schnell zu getragen und zurück. Den Abschluss bildete der "MGB-Marsch" des Tessiners Franco Cesarini, der damit der Eröffnung der "Matterhorn-Gotthard-Bahn" ein Denkmal setzte.

Dass sie in allen Stilarten zu Hause sind, bewiesen die Gäste mit ihrer Programmfolge. Fröhlich ging es von Europa mit "Blauer Enzian" nach Japan mit "Kirschblütenfest", über Südamerika mit einer schmissigen Rumba nach Irland mit der "Kilkenny Rhapsody" und den "Tölzer Schützen" zurück in die Heimat, allerdings in der Jazz-Version. Wie man Bayern kennt und liebt, so kam der traditionelle Konzert-Marsch "Das Abzeichen" daher. Dass sie aber auch schnell auf aktuelles Tagesgeschehen reagieren können, bewiesen die Murnauer mit dem Michael-Jackson-Hit "Heal the World". Als Solist am Xylophon zu brillieren, hatte der junge Stefan Schöneburg Gelegenheit mit dem Dauerbrenner "Erinnerungen an Zirkus Renz". Teuflisch gute und schnelle Klänge, vor allem von den Flöten, gab es auch im "Danse Diaboliqu", dazu reichlich Gelegenheit für die Rhythmiker ihre Souveränität in puncto Taktgenauigkeit und präzisem Einsatz zu beweisen. Ja, und dann hatte Dirigent Michael Schmidt sein Publikum so weit: ein Jubelschrei begrüßte die traditionell gespielten "Tölzer Schützen" – Bayern war endgültig in Bollschweil angekommen.

Der Vorsitzende des Jugend- und Blasorchesters Murnau, Wolfgang Kögelmayr, Bollschweils Präsident Hanspeter Moll und der Vorsitzende der Trachtenkapelle Meinrad Grammelspacher waren sich einig darin, dass in Zukunft keine so lange Pause zwischen den Treffen der beiden befreundeten Vereine wie in der Vergangenheit eintreten solle. Die Gäste hatten ein Aquarell mitgebracht, das den malerischen Marktplatz des 12 000-Seelen- Städtchens in Oberbayern zeigt.

Autor: Anne Freyer