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07. November 2009
Ein Stück neue Heimat
Die Stadtbibliothek wurde mit einem geistreichen und spritzigen Einweihungsprogramm eröffnet.
RHEINFELDEN. Was die Stadtbibliothek optisch verspricht, löste die Einweihung des Kulturprojekts auch inhaltlich ein: Dynamisch, geistreich, und zukunftsorientiert präsentierte sich die Eröffnung als ein Fest für die Stadt und ihre Bürger. Die Freude über das rundum gelungene Bauwerk bestimmte das Programm. Von "einen wichtigen Grundbaustein in der kommunalen Bildungslandschaft" sprach OB Eberhard Niethammer, der die ersten 100 Jahre seit der ersten Volksbücherei mit einem Schlag vergessen lässt.
Wer Visionen hat, sieht mehr. Die gut 150 Gäste am Freitagnachmittag sahen und hörten jedenfalls so viel Begeisterndes, das Lust aufs Lesen und einen Treffpunkt macht, der sich als Ort der Kommunikation und der Stille gleichermaßen anbietet. Schwellenängste – wenn es solche überhaupt geben konnte angesichts der einladenden Atmosphäre des neuen Hauses, verstand jedenfalls Kleinkünstlerin Maya Hasenbeck spielerisch in Wort und Geste bei den Gästen gleich abzubauen, so dass die heitere Raumnote, die auf 1350 Quadratmetern den Besucher umgibt, und die gelöste Stimmung im neuen Lesesaal trefflich harmonierten.Werbung
Ein bestens aufgelegter Oberbürgermeister erinnerte humorvoll an die langen Jahre der Bibliothekswerdung, die zahlreichen Provisorien mit zig Bücherstuben bis zum Umzug 1979 in die Müßmattstraße und diverse Anläufe für das Projekt aus dem Architekturbüro Pfeifer. Das habe sich im Wettbewerb zwar nicht an die Vorgaben gehalten, "aber wahrscheinlich deshalb gewonnen". Immerhin neun Jahre hat es gedauert vom ersten Entwurf bis zur Eröffnung und das vor allem, weil der Stadt lange das Geld dafür gefehlt hat.
Rund 3 Millionen Euro hat die Kommune am Neubau finanziert, das Land hat weitere 1,27 Millionen als Sanierungsbeitrag gefördert. Für Rheinfelden bedeute die Einrichtung "keine Kür", betonte Niethammer in seinem Dank an alle, die zum gelungenen Projekt beitrugen, sondern ein "wichtiges Stück Infrastruktur, um große Kreisstadt zu sein". Sein großer Wunsch, nachdem die bauliche und finanzielle Punktlandung geglückt ist: "Wir hoffen, dass sie von der Bevölkerung gut aufgenommen wird."
Architekt Professor Günter Pfeifer ließ keine Zweifel daran aufkommen, dass es sich um ein leistungsstarkes Gesamtkunstwerk handelt. "Die Bücherei hat eine neue Heimat", knüpfte der Architekt an die Beziehung zwischen Mensch und Raum, "die Identifikation" schafft und aus einem "Sanierungsfall einen Hoffnungsträger" mache. Damit die Stadtbibliothek nicht nur ein Ort ist, der mit Büchern voll gestopft wirkt, hat er sich leiten lassen von der Vorstellung, was ein Raum leisten muss, um Imagination und Geistesblitze freizusetzen. Dafür stehen Helligkeit, besondere Sichtachsen und Regale als Teil der Architektur und ein Kinderbereich als "blaues luftiges Wolkenkuckucksheim".
Zum Ort der "emotionalen Behaglichkeit" (Pfeifer) trägt für ihn aber auch die mit Sonnenenergie erwärmte Klima-aktive Fassade bei. In Rheinfelden wurde die erste an einem öffentlichen Gebäude verwirklicht. Damit das kybernetische Prinzip – alles hängt mit allem zusammen – funktioniert, hat Pfeifer in der Begegnungssstätte auch die "Menschen als Heizkörper" eingeplant.
Glückwünsche zuhauf wurden für die Stadtbibliothek ausgesprochen. Die enge Verbundenheit mit dem badischen Rheinfelden und der Stadtbibliothek brachte die Stadträtin Bea Bieber nicht nur in Worten voller Anerkennung mit fast ein wenig "neidischen Augen" zum Ausdruck , sondern auch mit einer Fotografie vom Haus Salmegg und der alten Rheinbrücke, die die Menschen stets zusammenführte und weiter zusammenbringen soll.
Autor: Ingrid Böhm-Jacob
