Stadtmusik Wehr

Ein wahrer Hörgenuss zum Geburtstag

Hansjörg Bader

Von Hansjörg Bader

So, 20. Januar 2019 um 17:18 Uhr

Wehr

In der Stadthalle Wehr spielten zwei Orchester unter der Leitung von zwei Dirigenten, die in Diensten der Wehrer Stadtmusik stehen.

"Wahnsinn, einfach Wahnsinn", sagte der Vorsitzende der Stadtmusik Wehr, Harald Vesenmeier, begeistert, ganz unter dem Eindruck der Musik, die er in den zweieinhalb Stunden zuvor zu hören bekommen hatte. In der Stadthalle Wehr spielten zwei Orchester unter der Leitung von zwei Dirigenten, die in Diensten der Wehrer Stadtmusik stehen. Birgit Trinkl, Wehrs Hauptdirigentin, kam mit der Bayrischen Brass-Band-Akademie. Joachim Pfläging, nach wie vor mit der Zöglingsausbildung der Stadtmusik beschäftigt, brachte die Concert-Band der Uni Hohenheim mit, die er seit 2015 leitet.

Beide Formationen boten dem Publikum Ausschnitte aus ihren aktuellen Programmen und waren aus Anlass des 160-jährigen Bestehens der der Stadtmusik nach Wehr gekommen. Die Brass-Band aus Ingolstadt spielte Teile der Kompositionen, die vor einer Woche bei einem Wettbewerb in Großbritannien die Juroren und auch das Publikum begeisterten. Für das Universitätsorchester war der Wehrer Auftritt quasi ein letzter Probelauf vor dem großen Jahreskonzert am Ende des Wintersemesters in Filderstadt, zugleich Pflägings Abschied dort. Einmal mit diesem grandiosen, aus fast 70 Mitgliedern bestehenden Orchester in Wehr aufzutreten, hatte Pfläging seinen Wehrer Musikkameraden schon lange versprochen. Mit Birgit Trinkls Brass-Band ergab sich nun noch eine perfekte Ergänzung zum Konzertabend.

Reine Brass-Musik und sinfonische Orchestermusik

Profiteure dieser eher seltenen Kombination von unterschiedlichen Klängen waren die Zuhörer, denn die erlebten reine Brass-Musik und opulente Sinfonische Orchestermusik auf höchstem Niveau. Birgit Trinkl und ein Orchestersprecher der Hohenheimer führten durchs Programm, die Sprache der Musik verstanden aber sowieso alle. Vor allem wenn sie so feinfühlig, in der Ausführung so exakt, differenziert und transparent transportiert wird, wie es die Musiker der Universität Hohenheim taten. Sie boten die gesamte Bandbreite der sinfonischen Blasmusik. Hervorzuheben ist das Stück "Red Hill", indem sich der aus Singapur stammende Komponist aus Sagen von Tod und Liebe bedient. Das mit asiatischen Elementen ausgeschmückte Werk erinnerte stark an Filmmusik. Während der Suite "Dutch Masters" projizierte man Gemälde auf eine Leinwand, aus welchen der Komponist alle seine Inspiration bezogen hatte, die er anschließend im Sinne einer Tonmalerei musikalisch umsetzte. Es war grandios, wie das Orchester das Bild lebendig werden ließ und die mehrteilige Suite interpretierte.

Im Anschluss setzte die Brass-Band von Birgit Trinkl noch weiteren Hörgenuss obendrauf. Auch wenn die Bayern nur mit reinen Blechinstrumenten spielten, waren ihre Klangbilder durchweg fein und rein. Wer den abschließenden Choral gespielt und gesummt hörte, war ergriffen von deren Können und Musikalität. Englischen Humor brachten diese auch noch auf die Stadthallenbühne – erprobt beim Wettbewerb in Großbritannien.