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03. Mai 2009 17:08 Uhr
"Star Trek" im Kino: Der Beginn
Ein Wiedersehen mit Captain Kirk und Spock
In den 70er Jahren eroberten sie mit ihrer U.S.S. Enterprise nicht nur ferne Galaxien, sondern auch die Herzen der Fernsehzuschauer. Nun gibt es ein Wiedersehen mit Captain Kirk und Mister Spock – ab Mittwoch im Kino.
Was waren das für spacige Zeiten. Die frühen 70er Jahre. Und: "Der Weltraum – unendliche Weiten. Dies sind die Abenteuer des Raumschiffs Enterprise." Dazu die Titelmusik, die Futurismus und Gospel vermählte. Wer im Vorabendprogramm des ZDF die Serie "Star Trek" (der Originaltitel) schaute, der musste ein guter Mensch werden. So wie die Besatzung der U.S.S. Enterprise, diese Multikulti-Truppe avant la lettre, diese Humanisten-Crew auf Entdeckungsreise in Galaxien, die nie zuvor ein Mensch gesehen hatte.
Vor allem Captain Kirk und Mister Spock, der spitzohrige erste Offizier, wurden Kultfiguren. Bei der ersten Ausstrahlung in den USA war die Quoten-Schubkraft von "Star Trek" noch mäßig, doch sie erschloss immer mehr fremde Territorien. Die Besatzung der Enterprise ging in den Olymp der globalen Unterhaltungsmythologie ein: "Pille", der Bordarzt, Scotty, der Ingenieur, Lieutenant Uhura, die dunkelhäutige Funkerin, Chekov, der russische Steuermann, Sulu, der japanische Waffenoffizier. Jetzt, fast vier Jahrzehnte später, gibt es ein Wiedersehen: Am Mittwoch kommt "Star Trek" ins Kino – mit der Crew von damals.
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In ganz jung: "Star Trek" ist ein "Prequel", die Vorgeschichte alles dessen, was bisher von der Enterprise erzählt wurde. Nach zehn "Star Trek"-Filmen berichtet der elfte, wie alles begann. Fast schon ironisch setzt er mit der Geburt von James Tiberius Kirk ein. Er und Spock stehen im Zentrum. Wer sie noch von damals kennt, ist hier richtig im Kino. Wenn auch die Story von "Star Trek" eher dem Muster der Nachfolgeserien von "Next Generation" bis "Voyager" folgt: ein außerirdischer Feind muss bekämpft werden.
In der Ursprungsserie verschmolzen noch der Pioniergeist der Amerikaner und die Vision einer vereinten Welt zu einer Erzählung, die zwar im Weltraum spielte, aber von der Erde handelte. Der ehemalige Polizist und Air-Force-Pilot Gene Roddenberry , der zuvor Drehbücher für Westernserien geschrieben hatte, verkündete eine Botschaft der Humanität: Wenn Kirk und die Crew auf fremde Lebensformen trafen, versuchten sie zu verstehen statt zu schießen. Es waren aber auch faszinierende Gaswesen oder putzige Pelztierchen, auf die sie stießen, Exoten in planetarischen Nischen. Kein Vergleich mit den imperial gesinnten Romulanern oder Borgs, denen sich die Sternenflotte später stellen musste.
In "Star Trek" ist der Gegner ein übrig gebliebener Romulaner. Sein Planet ist militärisch vernichtet worden, die Hilfe der Sternenflotte kam zu spät. Captain Nero will Rache an den Verantwortlichen nehmen. Und dann trifft er auf den jungen Kirk? Die Drehbuchautoren Roberto Orci und Alex Kurtzman legen eine Zeitschleife: Nero und sein Raumschiff, das wie ein Monster aus Scherenklingen aussieht, reisen in die Vergangenheit zurück. Sie sind nicht die einzigen. Auch Spock kehrt zurück: Leonard Nimoy, der alt gewordene Vulkanier-Darsteller, hat einen berührenden Gastauftritt.
Ansonsten sind alle Figuren neu besetzt. Aber so, dass die Ähnlichkeiten zu den damaligen Darstellern wie William Shatner, De Forest Kelley oder George Takei groß sind. Der neue Kirk, der 28-jährige Chris Pine, macht genauso Spaß wie der neue Spock, der 31-jährige Zachary Quinto. "Star Trek" ist vor allem ihr Film, die Geschichte zweier Jungen, ihrer Familiengeschichte, ihrer Ausbildung und ersten Bewährung. Eine klassische Geschichte vom Erwachsenwerden. Kirk verliert den Vater, Spock die Mutter. Kirk wird ein jugendlicher Rebell, der nicht weiß wohin mit seiner Energie, Spock ein hyperschlauer Kopf, der seine Gefühle bekämpft. Sie lernen voneinander: Spock hat einen Test entworfen (Trekkies kennen ihn), der jungen Raumkadetten Angst machen soll. Kirk manipuliert das Computerprogramm und besteht den unbestehbaren Test.
Die Konkurrenz geht weiter, als sie sich auf dem Jungfernflug der Enterprise wiedertreffen. Pille hat den suspendierten Kirk an Bord geschmuggelt, indem er ihm eine Krankheit mit komischen Symptomen einimpft – Humor hat der Film auch. Der Einsatz aber ist eine Falle, Captain Pike (eine Figur, die kurz in der Ursprungsserie auftauchte) wird von Nero entführt. Der Bösewicht verwandelt den Planet Vulkan ihm mittels eines Riesenbohrers – eine merkwürdige Waffe im Zeitalter der Strahlenkanonen – in ein schwarzes Loch. Dasselbe will er mit der Erde machen. Die Jungspunde übernehmen: Kirk will den Bösewicht selber stellen, Spock die Flotte alarmieren. Wie früher brauchen sie einander, um zum Ziel zu kommen. Und wie früher erledigt der eine mit den Fäusten, was der andere mit Fingerspitzengefühl macht.
In einer netten Nebengeschichte wird Scotty unterwegs aufgelesen, der schottische Meisteringenieur. In einer anderen geht es um Uhura: Kirk baggert sie an, doch im Gegensatz zur Serie, wo es einen Kuss der beiden gab – den ersten zwischen Weiß und Schwarz im US-Fernsehen –, wendet sie sich hier Spock zu. Solche Variationen sind für Fans der Ursprungsserie der Reiz des Films. So ist auch das Geräusch des Beamens noch das vertraute, aber die automatische Tür zur Brücke klingt etwas anders: Produktionsdesigner Scott Chambliss hat die Enterprise behutsam modernisiert.
Natürlich sind die Raumschlachten von heute: Regisseur J. J. Abrams, der TV-Serien wie "Lost" gemacht hat und mit "Mission Impossible III" sein Kinodebüt gab, hat die Phaser-Torpedos digital beschleunigt. Das macht den Film auch für Fans von Science-Fiction-Filmen wie der "Terminator"-Reihe attraktiv. Aber Warp-Geschwindigkeit entwickelt "Star Trek" nur für den, der mit Kirk und Spock vertraut ist. Ganz am Ende kommt der alte Vorspann, als Nachspann der Vorgeschichte: "Der Weltraum – unendliche Weiten."
"Star Trek" (Regie: J. J. Abrams) startet am Mittwoch flächendeckend. Ein Interview mit den Hauptdarstellern Chris Pine und Zachary Quinto lesen Sie am selben Tag im "Ticket" der BZ.
BZ-Video: Der Trailer zum Film
Autor: Thomas Steiner
