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17. August 2012

Ein wirkliches Einkaufserlebnis

Auf dem Müllheimer Markt ist freitags am meisten los / Manche Beschicker beginnen ihre Vorbereitungen schon mitten in der Nacht.

  1. Max Ahlert füllt die Körbe der Gemüseauslage. Foto: Dorothee Philipp

  2. Farben und Formen Foto: Dorothee Philipp

  3. Blumen und Gemüse Foto: Dorothee Philipp

MÜLLHEIM. So bunt wie sonst in keiner Jahreszeit präsentiert sich der Müllheimer Wochenmarkt in diesen Wochen. Die leuchtenden Farben der Blumensträuße wetteifern mit dem Rot, Grün, Gelb und Weiß des Sommergemüses, und die Marktbesucher nehmen sich mehr Zeit als sonst. Doch bis die ganze Vielfalt der Waren so adrett und appetitlich auf den Auslagen der Verkaufstische liegt, gibt es viel zu tun.

Die Marktbeschicker haben schon fast die halbe Arbeit geleistet, wenn um acht Uhr die ersten Kunden mit ihren Einkaufskörben angeschlendert kommen. Am frühesten muss Bäcker Hans-Dieter Ortlieb aus Feldberg aufstehen, er beginnt mit seiner "Schicht" um Mitternacht, manchmal sogar noch früher. Rund 200 Brotlaibe, dazu Kleingebäck und süße Teilchen und die berühmte Scharwaie muss er aus dem Backofen gezogen haben, bevor er den Wagen für den Markt herrichten kann.

Auch die Mitarbeiter der Hügelheimer Gärtnerei Piluweri sind vor Verkaufsbeginn ordentlich gefordert. "Zwei Stunden brauchen wir, bis das letzte Preisschild dran ist", sagt Verkäuferin Susanne Schramm. Zusammen mit ihrem Kollegen Max Ahlert verteilt sie nach dem Aufbau des Standes die Ware aus den Transportkisten in runde geflochtene Weidenkörbe – ein attraktiver Hingucker auf dem Marktplatz. "Wir haben einen Vorlauf von etwa anderthalb Tagen, bis wir die Ware für den Markt gerichtet haben", erzählt Karin Sieber von der Vögisheimer Gärtnerei Weber, einem der ältesten Betriebe, die den Müllheimer Wochenmarkt versorgen. Schon seine Urgroßmutter sei in den 1920er Jahren Marktfrau in Müllheim gewesen, berichtet Betriebsinhaber Gerd Weber. Während sich heute die Marktgebühr nach den laufenden Metern des Standes richte, habe man früher nach den Kisten des Angebotes abgerechnet, berichtet Weber, der vor kurzem eine alte Quittung aus Omas Zeiten gefunden hat.

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Am Vortag des Marktes werden die Sträuße gebunden und das Gemüse geputzt und verpackt. Ist das Wetter zu heiß, können die Transporter erst am frühen Morgen beladen werden, bis vor kurzem habe man sie bereits am Vorabend fertigmachen können, bestätigen einige der Marktleute, die Gemüse und Blumen anbieten.

Etwas einfacher mit dem Aufbau haben es die Anbieter von Fleisch und Fisch, die ihren Verkaufswagen mit Kühltheke direkt auf den Marktplatz fahren. Man kennt sich gut, und so hat sich auch der Aufbau des Wochenmarktes perfekt eingespielt, so dass keiner mit den Lieferfahrzeugen den anderen behindert. Inge Ohme bietet Blumen und Gestecke aus ihrem eigenen Garten am Zielberg an. An den Tagen vor dem Markt, wenn sie mit dem Binden beschäftigt ist, hat sie auch ihren Laden "Am Hoftor" in der Alten Poststraße geöffnet. Ungefähr eine halbe Stunde braucht sie für das Aufstellen und Bestücken ihres Standes direkt hinter dem Marktbrunnen. Seit mehr als 20 Jahren setzt der kleine Verkaufstisch einen hübschen Farbtupfer in das Bild des Müllheimer Wochenmarktes.

Regionale Erzeuger sind gefragt

"Isch muss mich beeilen!", ruft Sandra Busch, eine zierliche Französin aus dem elsässischen Münstertal. Sie ist heute ein bisschen spät dran und will ihre Standnachbarin, die gleich mit dem Auto kommen wird, nicht behindern. In Windeseile lädt sie ihre Sachen einschließlich eines mächtigen Sonnenschirms aus dem kleinen Kombi. Sie verkauft Wurst und den berühmten Münsterkäse.

Eine der Ersten, die aufgebaut haben, ist Gärtnerin Alexandra Klingsberg, die mit ihren Schnittblumen aus Endingen am Kaiserstuhl kommt. Sie lobt die Müllheimer Kundschaft als "sehr treu und nett" und freut sich, dass sie vor vier Jahren einen Standplatz auf dem Wochenmarkt ergattern konnte.

Inzwischen gibt es eine lange Warteliste von Interessenten, die gerne auf dem Müllheimer Markt verkaufen würden, berichtet Diethard Fischer vom Ordnungsdezernat. Bei der Standplatzvergabe lege die Stadt größten Wert auf ein Angebot von Produkten regionaler Erzeuger, betont Fischer. Wenn Schulen nachfragen, ob die Schüler Kuchen verkaufen dürfen, sei natürlich eine Ausnahme möglich. Die begehrtesten Markttage sind am Wochenende, bestätigt Marktmeister Jens Birnböck. Am Freitag sind 22, am Samstag 20 Anbieter präsent, am Dienstag 15. Das von der Werbung so inflationär angepriesene "Einkaufserlebnis" bekommt hier auf dem Müllheimer Wochenmarkt seine wahre Bedeutung.

Seit das Café am Markt wieder geöffnet hat, sei wieder mehr Leben eingekehrt, hat Karin Sieber beobachtet. "Das rundet die ganze Sache ab, wenn die Leute sich dann noch auf eine Tasse Kaffee hinsetzen", meint sie. Ihre Kunden schätzen außerdem das Gespräch am Stand, wo sie auch gärtnerische Tipps und Informationen zur Erzeugung der Ware aus erster Hand erhalten. Denn viele interessiert es inzwischen auch, ob die Tomaten vor Ort gereift sind oder einen langen Weg im Laster hinter sich haben. "Wir verkaufen nur, was wir selbst produziert haben, deswegen sieht der Stand in jeder Jahreszeit anders aus", sagt die Marktfrau. Paprika im Januar gibt es bei ihr nicht.

Wochenmarkt in Müllheim ist Dienstag, Freitag und Samstag. Öffnungszeiten: April bis September 7 bis 12.30 Uhr, November bis März 8 bis 12.30 Uhr.

Autor: Dorothee Philipp