Offenburg

Eine Ära geht zu Ende: Franz Burda junior ist tot

rab, hrö, dpa

Von Ralf Burgmaier, Hubert Röderer & dpa

Mi, 18. Januar 2017 um 07:22 Uhr

Offenburg

Franz Burda junior ist in seiner Villa in der Schanzstraße gestorben. Er trug einen großen Namen. Doch im Gegensatz zu seinen zwei jüngeren Brüdern agierte er in den letzten Jahrzehnten abseits des Scheinwerferlichts.

Am Dienstag, 17. Januar, ist der älteste Sohn des Offenburger Verlegerehepaares Aenne und Franz Burda im Alter von 84 Jahren in seiner Offenburger Villa gestorben. Diese offiziell noch unbestätigte Nachricht erfuhr die BZ aus sicheren Quellen. Als Chef des Burda-Druckerei-Imperiums bestimmte Franz Burda bis zur Realteilung des Unternehmens im Jahr 1986 die Geschicke des Konzerns mit.

In die Fußstapfen des großen deutschen Verlegers und Gründers des Offenburger Medienkonzerns Burda ist der Junior, wie er im Unternehmen in Unterscheidung zu seinem gleichnamigen Vater genannt wurde, nicht getreten. Aus dem elterlichen Verlag stieg Franz Burda junior nach dem Tod des Vaters 1986 aus.

Heimatstadt Offenburg treu geblieben

Er machte Karriere als Druckereibesitzer und Aktionär, unter anderem war er am Axel Springer Verlag beteiligt. Seiner badischen Heimatstadt Offenburg ist er bis zuletzt treu geblieben, hier lebte er in einer Villa in der Schanzstraße, in unmittelbarer Nachbarschaft zum Elternhaus.

"Mein Berufsweg wurde mir bereits in die Wiege gelegt", erklärte Franz Burda anlässlich seines 80. Geburtstags gegenüber der Deutschen Presseagentur. Mit seiner Frau, mit der er in zweiter Ehe seit 1987 verheiratet war, lebte er zuletzt sehr zurückgezogen vom öffentlichen Leben in seiner Villa in unmittelbarer Nähe zur Rheintalbahn.

"Ja, ich bin wirklich sehr glücklich und stolz auf das Erreichte – beruflich und persönlich" Franz Burda
Den Stammsitz des Burda-Verlags mit seinen großen Druckereien hatte er in Sichtweite. Er hat sie mit aufgebaut, hier hat er einen Großteil seines beruflichen Wirkens verbracht. "Ja, ich bin wirklich sehr glücklich und stolz auf das Erreichte – beruflich und persönlich", sagte der am 24. Mai 1932 geborene Offenburger anlässlich seines 80. Geburtstags. Lediglich seine Gesundheit machte ihm in den letzten Jahren zunehmend zu schaffen.

Als ältester der drei Söhne des Offenburger Verlegerehepaares Franz (1903 bis 1986) und Aenne Burda (1909 bis 2005) wurde Franz Burda junior schon früh auserwählt, Druckereifachmann zu werden. "Drucktechnik ist mein Leben", sagte Burda. Er ließ sich zum Tiefdrucker ausbilden und sammelte Berufserfahrung in Großbritannien und den USA. 1958 wurde er technischer Betriebsleiter im väterlichen Unternehmen.

Zeitweiliges Zerwürfnis mit Hubert Burda

Nach dem Tod des Vaters 1986 vereinbarten die drei Burda-Söhne eine Realteilung des väterlichen Erbes. Franz und Frieder bekamen die Beteiligungen am Axel Springer Verlag, die US-Druckereien sowie die Papierfabriken und Speditionen – ein Millionenvermögen. Hubert Burda, mit heute 76 Jahren der jüngste Spross der Familie, baute das Stammgeschäft mit den Verlagen und Druckereien weiter aus. Franz und Frieder Burda konzentrierten sich auf ihr Springer-Engagement.

1988 verkauften die Brüder ihren Anteil wieder an die Springer-Erben zurück, was zu einem zeitweiligen Zerwürfnis mit Hubert Burda führte. Über die Jahre näherten sich die Brüder aber wieder einander an. Im Juni 2015 zeigten sich die drei Brüder auf Initiative von Hubert Burda seit Jahrzehnten erstmals wieder gemeinsam in der Öffentlichkeit.

Das Foto der drei anlässlich einer Vernissage fröhlich miteinander plaudernden Brüder hatte Symbolkraft. Den Anlass für die öffentlich demonstrierte Harmonie unter den Brüdern beschrieb Hubert Burda damals so: "Wir werden schließlich auch nicht jünger." Franz Burda hinterlässt seine Frau und zwei Kinder aus erster Ehe.

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