Eine Bank für die Freundschaft

Susanne Müller

Von Susanne Müller

Di, 10. Juli 2018

Hartheim

Bei der Feier zu 25 Jahre Jumelage Hartheim-Fessenheim wird viel erinnert und gemahnt / Neue Sitzmöglichkeit vor dem Rathaus .

HARTHEIM AM RHEIN. Es lebe die Freundschaft – Hartheim und Fessenheim bekräftigten beim Peter- und Paul-Gemeindefest am Sonntag das 25-jährige Bestehen ihrer Partnerschaft. Dies- und jenseits des Rheins wehen in diesen Tagen die Flaggen. Die Freunde aus Fessenheim spendeten zum Jumelagejubiläum eine Rundbank für den Platz vor dem Hartheimer Rathaus, und die deutschen Gastgeber lassen es zum Ausklang des Tages mit einem Feuerwerk nochmal richtig krachen.

Kontakte bestehen seit Jahrhunderten zwischen den Menschen und Gemeinden dies- und jenseits des Rheins. Die gilt es zu pflegen, und mehr noch, sie zu intensivieren – gerade heute – mehr denn je. Dazu sind Fessenheims Bürgermeister Claude Brender und sein Hartheimer Amtskollege Stefan Ostermaier fest entschlossen. Die Hartheimer nahmen am Wochenende das Peter- und Paul-Gemeindefest zum Anlass, die 25 Jahre währende Jumelage mit den Nachbarn aus dem Elsass zu bekräftigen. Fessenheim lädt im Gegenzug am 11. November zu einem Festakt ein, der zugleich den 100. Jahrestag zum Ende des 1. Weltkriegs markiert.

Schließlich gibt so eine Jumelage doppelt Anlass zum Feiern, das sagte Fessensheims Gemeindeoberhaupt, dessen Urgroßmutter eine Hartheimerin war, in seiner auf Deutsch gehaltenen Ansprache. "Wir haben den kürzesten Weg nach Hartheim genommen", erklärte Brender, der zur Feier von Brigitte Klinkert, Présidente du Conseil Départemental du Haut-Rhin, sowie von Gemeinderäten und Vereinsvertretern begleitet wurde.

Zuerst machte die französische Delegation eine Stippvisite am Fessenheimer Bewirtungsstand, wo traditionell Schneckengerichte "provençale" gereicht werden. Bonjour und Bienvenue hieß es anschließend auch auf der Rathausbühne, wo Stefan Ostermaier die Gäste in französischer Sprache begrüßte. Ostermaier erinnert an das Jahr 1993, in dem der Freundschaftsvertrag offiziell wurde. Damals wurde mit Hilfe des THW eine Behelfsbrücke über den Rhein gebaut und ein großes Fest gefeiert. Die Kontakte zu den Nachbarn in Frankreich seien jedoch bereits nach dem Krieg 1948 wieder aufgenommen worden. Es gab gegenseitige Einladungen der Vereine. 1963 waren Kirchenchor und Gesangsverein beim Stiftungsfest des Fessenheimer Chores vertreten. 1964 wurde der Fessenheimer Sportplatz eingeweiht. Der SV Hartheim spielte unter Kapitän Otmar Faller, in Fessenheim war Bürgermeister Alain Foechterle am Ball. Ihre Namen sind fest in die Jumelagegeschichte eingeschrieben, gemeinsam mit dem Namen eines weiteren Jumelage-Pioniers, Erich Dilger, seinerzeit Hartheims Bürgermeister.

Dilger und Foechterle waren echte Freunde und legten nicht nur das Fundament für die Jumelage, sondern kämpften auch entschlossen für ihren Traum – eine Brücke über den Rhein. Und das haben sie dann mit ihrem Rheinübergreifenden Engagement auch geschafft, im Jahr 2007 wurde die neue, 217 Meter lange Rheinbrücke Pont de la Hardt/Erich Dilger-Alain Foechterle eingeweiht.

Hartheim und Fessenheim haben sich die Hand gereicht, so formuliert es Claude Brender. Überhaupt sei in den vergangenen 25 Jahren viel passiert. Heute könne sich niemand mehr Grenzkontrollen vorstellen, und keiner müsse mehr Geld wechseln, vor dem Grenzübertritt. Es habe Mut dazu gehört, nach dem Krieg auf die Nachbarn zuzugehen, blickte Brender in die Vergangenheit. Umso mehr sei den lokalen Pionieren zu danken, gerade jetzt, so Brender, "wo Europa scheitern könnte, weil das Führungspersonal nicht in der Lage ist, die Flüchtlingskrise zu bewältigen." Brender erinnerte an Robert Schuhmann den Wegbegründer der europäischen Einigung, und an dessen Forderung nach Taten. "Wir brauchen die Solidarität der Tat", so Brender.

Solidarität sagte auch Stefan Ostermaier den französischen Freunden zu, insbesondere mit Blick auf die Herausforderungen, die mit der AKW-Schließung verbunden sein werden. Diesen Aspekt nahm auch Brigitte Klinkert, Présidente du Conseil Départemental du Haut-Rhin, in ihrem Grußwort auf. "Wir müssen und wollen unsere Freundschaft und Zusammenarbeit stärken, und wir müssen und wollen Post-Fessenheim vorbereiten", erklärte die Politikerin und sie schloss mit den Worten: Vive l'amitié.