Eine Cellistin kehrt zurück

Verena Naegele

Von Verena Naegele

Di, 12. Juni 2018

Klassik

Auftakt bei Sol Gabettas Solsberg-Festival.

Die Vorfreude war groß auf die Cellistin Sol Gabetta, die nach der Babypause ihrem Solsberg-Festival wieder den Stempel aufdrücken will. Die Olsberger Eröffnung verhieß Großes: Mit der Geigerin Veronika Eberle und dem Pianisten Bertrand Chamayou waren unter dem Titel "A la mémoire d’un grand artiste" mit den Klaviertrios von Arensky und Rachmaninow zwei große Werke angesagt. Alles gut?

Nicht ganz. Nach Eberles kurzfristiger Absage wurde mit Venko Tchumburidze das Programm gründlich durcheinandergewirbelt. Statt dramatischer Ausdrucksmusik gab es im ersten Teil Volksliedhaftes: Fünf Stücke im Volkston op. 102 von Schumann und die Violinsonate Nr. 2 op. 13 von Grieg. Am ehesten noch an die ursprüngliche Programmidee erinnerte Schostakowitschs Klaviertrio Nr. 2 op. 67. Der auf den Künstlern lastende Druck war bei Schumann spürbar:

spielte Gabetta das "Mit Humor" überschriebene Stück gar ernst und düster. Mit elegisch-romantischem Schmelz gestalteten die beiden dann das "Langsam" zu einem besonderen Juwel. Man spürte das künstlerische Verständnis, das gemeinsame Atmen, mit dem sie die "Volkstöne" in feinsten Dialogen zelebrierten.

Und dann kam sie, Venko Tchumburidze, forschen Schrittes, dahinter fast verschwindend Bertrand Chamayou. Das Bild hatte Symbolcharakter, hier die energetisch geladene Violinistin, da der dienende und äußerst eloquente Pianist, der die Grieg-Sonate nicht im Repertoire führt. Dieses Manko merkte man Chamayou aber überhaupt nicht an, derart souverän und klangsinnlich spielte er seinen delikaten Part. Die Violinsonate op.13 ist gespickt mit folkloristischen Anklängen an Griegs norwegische Heimat.

Tchumburidze legte ihre Interpretation aber auf Dramatik an, energischer Strich und heftig angegangene Phrasierung prägten ihr Spiel. Packend dann das Klaviertrio von Schostakowitsch: Ungemein subtil führte Gabetta als Mittlerin zum Pianisten Chamayou, mit dem sie sich blind verstand, die junge Kollegin durch die Tücken des Werks: Unheimlich der Trauermarsch-Beginn mit Dämpfer und Flageolett, beißend-ironisch der Fis-Dur-Tanz und rasant das mit Zingarese-Anklängen durchsetzte Schluss-Allegretto. "Solsberg" gedeiht.

Weitere Konzerte in Olsberg und Bad Säckingen: http://www.solsberg.ch